Ort und Schloss Reinharz bei Bad Schmiedeberg

Schloss Reinharz - Harald Rossa
Schloss Reinharz - Harald Rossa
Das barocke Wasserschloss Reinharz war der Mittelpunkt fürstlicher Jagdgesellschaften in der Dübener Heide.

Das Dorf Reinharz ist heute ein Ortsteil der Stadt Bad Schmiedeberg. Der von Laub- und Nadelwäldern umgebene Ort befindet sich mitten im Naturpark Dübener Heide. Weithin sichtbar sind der Kirchturm und vor allem der 68 Meter hoch aufragende Turm des Wasserschlosses Reinharz. Im Schlosspark mit dem Brauhausteich gibt es seltene und alte Bäume. Er bildet einen fließenden Übergang zu den Wiesen, Wäldern und Mühlen in der Dübener Heide.

Das Schloss Reinharz

Zwischen 1690 und 1701 ließ der sächsische Erbmarschall Heinrich Löser das Schloss Reinharz errichten. Außen zeigt das Gebäude in einer schlichten und geschlossenen Form, die noch an wehrhafte Festungen erinnert. Doch im Inneren wurde das Haus 1748 im Stil des Dresdner Rokoko gestaltet. Vergoldete Holztäfelungen, Fliesen aus Holland sowie eine Vielzahl an Gemälden schmücken die 30 Säle.

Hans von Löser, der Sohn Heinrich von Lösers, interessierte sich sehr für Mathematik, Astronomie und Physik. Für seine astronomischen Studien lies er den Turm des Schlosses auf 68 Meter erhöhen. Er richtete im Schloss eine mechanisch-optische Werkstatt ein, die Fernrohre und astronomische Instrumente anfertigte. Einige Stücke dieser Werkstatt sind im mathematisch-physikalischen Salon in Dresden zu bewundern.

Das letzte Familienmitglied der Lösers auf Reinharz war Karl August. Der starb 1801. Seine Witwe Henriette heiratete 1810 den Baron Christian von Röder. Der führte das Rittergut nach Henriettes Tod im Jahre 1824 weiter.

1837 wurde das Rittergut Reinharz mit dem Vorwerk Meuro für 130000 Taler an Friedrich Wilhelm Hertwig verkauft. Der gestaltet den Park vom barocken Lustgarten zum Landschaftspark um. Der zeigt aber noch immer Spuren seines barocken Ursprungs.

Im Zuge der Bodenreform wurde die Familie Hertwig 1945 enteignet. Das Schloss wurde in der DDR als Genesungsheim genutzt.

Heute gehören das Schloss und der Park zum Netzwerk Gartenträume Sachsen-Anhalt. In einem Nebengebaüde lädt das Cafe „Graf Löser" zur Rast. Im ehemaligen Gärtnerhaus sind Appartements für Feriengäste zu mieten. An Schloss und Park gibt es noch viel zu tun, um den vergangenen Glanz wieder aufleben zu lassen.

Die Kirche von Reinharz

Die Kirche von Reinharz wurde 1702 geweiht. Der Putzbau hat einen quadratischen Westturm achteckigem Aufsatz und Zwiebelhaube. Das Innere ist barock gestaltet. Die zweigeschossige Empore und die Herrschaftsloge sind mit reich bemalten Brüstungen versehen.

Der Altaraufsatz zeigt Säulen, gebrochenem Giebel und Wappenbekrönung. Die Kanzel ist mit Rankenschnitzerei geschmückt. Die Taufe steht auf einem Baluster. Ein Epitaph wurde 1705 für H. Löser geschaffen. Die Büste des Verstorbenen steht auf einem wappengeschmückten Podest.

Geschichte von Reinharz

1486 erwarb der Ritter Heinrich Löser zu Pretzsch die Erbgerichtsbarkeit für das Gebiet um Reinharz. Nach dem Dreißigjährigen Krieg zwangen knappe Finanzen die Lösers zum Verkauf ihres Schlosses in Pretzsch. Den Ort Reinharz mit den umliegenden Ländereien blieben der Familie und wurden 1666 zu einem eigenständigen Rittergut.

Reinharz war ein beliebtes Jagdrevier der sächsischen Fürsten. Das alte Herrenhaus in Reinharz genügte deren Ansprüchen nicht mehr. So ließ Heinrich von Löser (1665–1705) ab 1690 das Schloss in Reinharz bauen. Es wurde 1701 fertig. 1703 wurde die ebenfalls von Heinrich von Löser beauftragte Reinharzer Kirche geweiht.

Am 1. August 1990 wurde Reinharz nach Bad Schmiedeberg eingemeindet.

Anschrift: Schloss Reinharz, Reinharz 87, D-06905 Bad Schmiedeberg

Quellen

  1. Förderverein Schloss Reinharz
  2. Stadt Bad Schmiedeberg