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Die Fortschritte in der Orthopädie in den letzten zehn Jahren sind beeindruckend. Aufgrund der Innovationen in der Technik, der Verbesserung der Materialien und der operativen Fähigkeiten ist es heute in Europa möglich, körperliche Einschränkungen des Skelett- und Bewegungsapparates bis ins hohe Alter zu behandeln und damit oftmals die frühere Funktionalität wieder herzustellen. Beim Europäischen Orthopädiekongress EFORT 2009, der vom 3.-6. Juni in Wien stattfand, wurde jedoch auch auf Mankos in der Praxis hingewiesen: Hohe Kosten und/oder ein mangelndes Problembewusstsein der Politik behindern in manchen Bereichen der Orthopädie die Umsetzung moderner Methoden.
Orthopädische Operationen: Kosten als Hindernis
„Es gibt eine ganze Reihe von Anwendungsgebieten, in denen z.B. die computergestützte Chirurgie dazu beiträgt, die Ergebnisse orthopädischer Operationen weiter deutlich zu verbessern“, sagte Dr. Stefano Zaffagnini - einer der Pioniere des Einsatzes von Computern im OP-Saal - bei dem Kongress mit rund 8.000 Teilnehmern. Zudem habe die innovative Technologie für die Weiterentwicklung der ärztlichen Aus- und Weiterbildung ein großes Potenzial. Die Kosten von 50.000 - 80.000 US-Dollar für ein Gerät verhindern jedoch derzeit ihren Einsatz auf breiter Basis. So können derzeit vor allem nur Universitätskliniken und Lehrspitäler von der Methode profitieren.
Unterschätzte Dimensionen: Osteoporose
Dass nicht einmal ein Viertel der Menschen, die an Osteoporose leiden, eine angemessene Therapie erhalten, hat weniger mit den Kosten als mit einem mangelnden Problembewusstsein der Politik zu tun. „Mit dem kontinuierlichen Anstieg des Durchschnittsalters steigt in der EU auch die Häufigkeit der Osteoporose kontinuierlich an, was für betroffene Individuen und die Solidargemeinschaft zu einem bedeutsamen Problem wird“, warnte Dr. Wolfhart Puhl vom Orthopädikum Allgäu beim EFORT-Kongress. Eine bessere Früherkennung von Risikopatienten und ein früheres Einsetzen von Therapien seien wichtige Maßnahmen gegen die Volkskrankheit, deren Folgekosten allein in Deutschland mit rund 4 Mrd. Euro die Gesundheitsbudgets belasten. Ein Umdenken wäre dringend angebracht – so der Experte: „Politik und Kostenträger müssen die Dimension ausreichend in die Planung einbeziehen!“
Humanitärer Einsatz: Othopädie in der Dritten Welt
Zwischen den Fortschritten in der Orthopädie Mitteleuropas und jenen in den Entwicklungsländern liegen freilich trotzdem Welten. Das Credo des gemeinnützigen Vereins „Austrian Doctors for Disabled“ ist, die Orthopädie in der so genannten „Dritten Welt“ oder Kriegsregionen voranzutreiben. „In ein Entwicklungsland zu fliegen, dort einige Tage oder Wochen lang Menschen zu operieren und wieder zurückzufliegen hilft Einzelpersonen, hat aber nichts mit nachhaltiger Entwicklungsarbeit zu tun, wie wir sie anstreben“, betonte Univ.-Prof. Dr. Martin Salzer, Gründer und Vizepräsident des Vereins, beim EFORT-Kongress. Um den lokalen Bedürfnissen gerecht zu werden, müsse vielmehr jedes Projekt individuell - unter Einbeziehung der vorhandenen Ressourcen - geplant werden. Ärzte aus Europa können vor allem durch Wissenstransfer ihren Beitrag leisten.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
