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Oscar 2010 – Neue Regeln

Höhere Einschaltquoten, mehr Zuschauer und größere Transparenz

Sid Ganis, Präsident der Academy - Todd Wawrychuk / ©A.M.P.A.S.
Sid Ganis, Präsident der Academy - Todd Wawrychuk / ©A.M.P.A.S.
Eine Terminverschiebung, zehn Nominierungen für den besten Film und neue Abstimmungsregeln bei den Academy Awards - Die Oscars 2010 werfen ihre Schatten voraus.

Am 7. März 2010 werden im Kodak Theatre wieder die Oscars vergeben. Aber schon im Vorfeld sorgt die Academy mit einigen Neuerungen und Änderungen für Aufsehen.

Olympische Winterspiele und die Oscars – oder: Die Verschiebung des Termins

Seit 2004 findet die Verleihung der Academy Awards im Februar statt, aber in diesem Jahr hat die Academy einen späteren Termin im März festgesetzt. Der Grund ist einfach: Vom 12. bis zum 28. Februar 2010 finden die Olympischen Winterspiele in Vancouver statt und mit diesem Großereignis wollten die Organisatoren der Verleihung nicht konkurrieren. Schließlich haben sie in den letzten Jahren gerade auf dem amerikanischen Fernsehmarkt mit sinkenden Zuschauerzahlen zu kämpfen. Außerdem haben sich die Veranstalter bereits 2006 für eine Verschiebung in den März entschieden, auch damals waren die Olympischen Winterspiele der Grund.

Zehn Filme gehen ins Rennen um den Oscar als bester Film

In den frühen Jahren der Oscarverleihung wurden in der Kategorie „Bester Film“ zehn oder mehr Beiträge nominiert. Aber im Jahr 1945 wurde die Anzahl der Nominierungen auf fünf Filme beschränkt, um den einzelnen Titeln mehr Raum und Aufmerksamkeit innerhalb der Zeremonie einzuräumen. Nun hat Sid Ganis, der Präsident der Academy of Motion Picture Arts and Sciences verkündet, dass in diesem Jahr zehn Filme ins Rennen um den Oscar für den besten Film gehen werden. Mit dieser Entscheidung reagiert die Academy vor allem auf die Kritik der letzten Jahre, nach der vor allem Filme mit hohem künstlerischen Anspruch, aber leider wenig Zuschauern nominiert waren, während erfolgreiche Filme ignoriert wurden. Dazu gehören vor allem Animationsfilme und Blockbuster wie „The Dark Knight“, dessen Nicht-Nominierung bei der Verleihung 2009 von vielen Kritikern und Filmfans bemängelt wurde. Dank der neuen Nominierungspraxis erhöhen sich die Chancen der populären Filme auf eine Nominierung und dadurch erhoffen sich die Produzenten der Show außerdem höhere Einschaltquoten.

Neues Abstimmungsverfahren entscheidet über den Oscar für den besten Film

Zusätzlich zu der Erweiterung der Nominierungen haben sich auch die Abstimmungsregeln für den besten Film geändert. Bislang haben einfach alle Mitglieder der Academy für einen der fünf nominierten Filme gestimmt und der mit den meisten Stimmen hat den Oscar bekommen. Fortan erstellen die Stimmberechtigten eine Rangliste, auf der sie die Filme auf die Plätze eins bis zehn setzen. Wird ein Beitrag von mehr als 50 Prozent der Mitglieder auf den ersten Platz gesetzt, hat er gewonnen. Falls nicht, wird der Film mit den wenigsten Top-Platzierungen von der Liste gestrichen und die Filme, die hinter dem Gestrichenen platziert waren, rücken einen Platz auf. Dieses Verfahren wird solange durchgeführt, bis ein Film die Mehrheit an ersten Plätzen hat.

Erfahrungen aus der Geschichte der Oscars

Gerade angesichts der Erweiterung auf zehn Beiträge in der Kategorie „Bester Film“ erscheint diese Änderung des Abstimmungsverfahrens sinnvoll – und sogar notwendig. Schon in den Jahren vor 1945, als ebenfalls neun, zehn oder auch zwölf Filme nominiert waren, wurde dieses Verfahren angewandt. Außerdem kommt es derzeit schon bei den Nominierungsabstimmungen in den meisten Kategorien zum Einsatz. Insgesamt erhofft sich die Academy vor allem, dass auf diese Weise das gemeinsame Urteil der Stimmberechtigten besser ausgedrückt wird.

Schauspielerdominanz und Außenseiterchancen – Die Vorteile des Verfahrens

Zudem verbessern sich durch die Präferenzabstimmung auch die Chancen der Außenseiter auf einen Oscar. In den letzten Jahren waren die Entscheidungen über den besten Film zwar durchaus überraschend, aber zumeist, weil der konventionellere Beitrag gewonnen hat. Anscheinend wollten die Academy-Mitglieder mit ihrer Stimme auf der sicheren Seite – also des Gewinners – stehen. Beispielsweise erhielt bei der Verleihung im Jahr 2006 „L. A. Crash“ den Oscar für den besten Film, während der favorisierte Beitrag „Brokeback Mountain“ in dieser Kategorie leer ausging. Sicherlich ist „L. A. Crash“ ein großartiger Film, aber er ist auch weit weniger kontrovers als „Brokeback Mountain“. Bei einer Abstimmung nach Präferenz ist zu hoffen, dass einige Academy-Mitglieder mutiger abstimmen, da unter Umständen auch ihre Zweit- und Drittplatzierungen wichtig sind. Folglich können sie zum Beispiel einem Außenseiter den ersten Platz einräumen und einen der Favoriten auf den zweiten Platz setzen. Sollte ihr Favorit nicht die nötige Mehrheit erhalten, fällt er raus und automatisch wird der zweite Platz aufgewertet. Außerdem könnte durch das neue Abstimmungsverfahren auch der Einfluss der Schauspieler, die den weitaus größten Anteil der stimmberechtigten Mitglieder ausmachen, etwas aufgefangen werden.

Ausblick auf die Oscars 2010

Zehn nominierte Filme erfordern zudem Veränderungen innerhalb der Show und vor allem in der Präsentation der Nominierten. Nachdem die Neuerungen der Oscars 2009 überwiegend positiv waren, bleibt zu hoffen, dass die Organisatoren ihren Kurs beibehalten. Das Interesse für die Verleihung wird größer sein, zumal endlich die Nominierungen feststehen.

Sonja Hartl - Als freie Kritikerin, Autorin und Redakteurin lese, arbeite und lebe ich in Bonn.

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