
- Oscar-Verleihung 2011: Millionen Zuschauer am TV - drawos/photoxpress.com
Glaubt man den Kritiken zur diesjährigen Oscar-Verleihung, gehört das Moderatorengespann Anne Hathaway ("Der Teufel trägt Prada", "Alice im Wunderland", "Plötzlich Prinzessin") und James Franco ("127 Hours", "Spider Man", "Eat Pray Love") eindeutig zu den Verlierern des Abends.
Oscar-Verleihung 2011: Anne Hathaway und James Franco junge und hippe Verlierer?
Nach dem blassen Auftritt von Steve Martin (65) und Alec Baldwin (52) im vergangenen Jahr sollten die 83. Academy Awards im Kodak Theater in Los Angeles nun endlich einmal jung, hip und trendy werden. Ein Schlag ins Wasser für viele Zuschauer, die sich statt der überdrehten Anne Hathaway und dem sich gewollt cool gebenden James Franco eher Hosts vom Kaliber eines Hugh Jackman (2009) oder Bob Hope gewünscht hätten. Letzterer hatte die Oscar-Verleihung ganze 18. Mal mit Charme und spitzer Zunge moderiert, was dem Comedian für die Academy Awards zu einem ähnlichen "Gold-Jungen" wie den begehrten Filmpreis selbst werden ließ.
Gewinner des Abends: "The King's Speech" mit Colin Firth (4 Oscars)
Keine Überraschung in der Königskategorie der Oscar-Verleihung. Erwartungsgemäß wurde das Historiendrama "The King's Speech" mit Colin Firth, Geoffrey Rush und Helena Bonham Carter von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences zum besten Film gekürt. Der Film von Regisseur Tom Hooper stach damit erwartungsgemäß die anderen Oscar-Nominierten "127 Hours", "Black Swan", "The Fighter", "Inception", "The Kids Are All Right", "The Social Network", "Toy Story 3", "True Grit" und "Winter’s Bone" aus. Hooper erklärte in seiner emotionalen Dankesrede, warum man immer auf seine Mutter hören sollte. Diese hatte dem mit einem Oscar als bester Regisseur ausgezeichneten Filmschaffenden den entscheidenden Tipp gegeben, nachdem sie den bis dato noch nicht verfilmten/adaptierten Stoff des ebenfalls Oscar-prämierten David Seidler in London bei einer Aufführung kennen und lieben gelernt hatte.
Als bester Schauspieler in einer Hauptrolle überzeugte Colin Firth in seiner Rolle als stotternder King George VI. Firth erwärmte anders als Natalie Portman (Beste Hauptdarstellerin, Darren Aronofskys Psychothriller-Ballettdrama "Black Swan") zudem auch in seiner Dankesrede alle Herzen. Der Oscar-prämierte Schauspieler ("Bridget Jones", "Mamma Mia!", "A Single Man"), der angeblich mit der Produktion "The King's Speech" sogar bei Queen Elizabeth punkten konnte, verspürte nach eigener Aussage den Wunsch zu tanzen und fasste sich in seiner gewohnt charmanten, mit britischen Humor durchsetzten Oscar-Rede entsprechend kurz.
Die Oscars für "The King's Speech" im Überblick: Bester Schauspieler - Colin Firth, Beste Regie - Tom Hooper, Bestes Originaldrehbuch - David Seidler, Bester Film - Iain Canning, Emile Sherman und Gareth Unwin.
Gewinner oder Verlierer, je nach Sichtweise: Natalie Portman "Black Swan"
Die schwangere Natalie Portman ("Star Wars", "Die Schwester der Königin", "Léon der Profi") hingegen dankte in ihrer Oscar-Rede den üblichen Verdächtigten, verdrückte ein Tränchen und wiederholte damit quasi ihren Auftritt bei den Golden Globes – ein blasses Abbild ihrer selbst. Das innere Strahlen, das man bei so vielen schwangeren Frauen feststellen kann, fehlte der als beste Hauptdarstellerin ausgezeichneten Schauspielerin überraschend schon auf dem Roten Teppich. Dabei konnte sich nicht nur Portmans Auftritt als Prima Ballerina im Film "Black Swan", sondern auch der Look in einer weich fließenden Robe von Rodarte, die den Babybauch stylish umspielte, wirklich sehen lassen.
Gewinner oder Verlierer, je nach Sichtweise: Christopher Nolans "Inception" (4 Oscars)
Anfang 2010, als Christopher Nolans "Inception" in den deutschen Kinos anlief, schien das Rennen um den Oscar schon entschieden: Der grandiose und buchstäblich verdrehte Sci-Fi-Action-Thriller mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt und Ellen Page würde bei den 83. Academy Awards groß abräumen, so waren sich die Zuschauer sicher. Doch letztlich reichte es am 27. Februar 2011 "nur" für vier Oscars in den Nebenkategorien, allen voran natürlich die technischen Sparten. Kameramann Wally Pfister gewann in "Best Cinematography" für seine visuelle Umsetzung des Stoffs von Christopher Nolan ("Memento", "Batman Begins", "The Dark Knight", "The Dark Knight Rises"), der sich für Regie, Drehbuch und Produktion verantwortlich zeichnete. Nolan und Pfister arbeiten schon seit Jahren zusammen, sind ein eingeschworenes Team. Ebenfalls punkten konnte der Film in den Kategorien Bester Ton, Bester Tonschnitt und Beste Visuelle Effekte.
Vier Oscars, das sind genauso viele wie "The King's Speech" auf sich vereinen konnte. Aber: Nolans Produktion war zudem für zahlreiche Oscars in anderen Sparten, auch den Hauptkategorien der 83. Academy Awards, nominiert: Den Oscar als bester Film verlor "Inception" an "The King's Speech", ebenso jenen für das beste Originaldrehbuch. Die beste Filmmusik stammt der Academy of Motion Picture Arts and Sciences zufolge nicht von Hans Zimmer (es war seine neunte Oscar-Nominierung), sondern Trent Reznor und Atticus Ross in Aaron Sorkins Oscar-prämierten "The Social Network" (Regie: David Fincher). Bestes Szenenbild hatte Tim Burtons "Alice im Wunderland" mit Johnny Depp, Mia Wasikowska und Helena Bonham Carter.
Die Oscars für "Inception" im Überblick: Beste Kamera - Wally Pfister, Bester Ton - Lora Hirschberg, Gary Rizzo und Ed Novick, Bester Tonschnitt - Richard King, Beste visuelle Effekte - Paul Franklin, Chris Corbould, Andrew Lockley und Peter Bebb.
Verlierer des Abends: "True Grit" mit Jeff "The Dude" Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon
Im vergangenen Jahr bekam Jeff Bridges für seine bewegende Rolle in "Crazy Heart" den Oscar als bester Hauptdarsteller. Der "Dude" aus "The Big Lebowski" (übrigens wiederum ein Film der Coen-Brüder) musste ebenso wie die als beste Nebendarstellerin nominierte Hailee Steinfeld (verlor an Melissa Leo in "The Fighter") mit ansehen, wie der Western "True Grit" bei den 83. Academy Awards leer ausging. Dabei startete die Neu-Verfilmung des Western-Klassikers nach Charles Portis (unter anderem bekannt durch die Oscar-prämierte Produktion mit John Wayne, 1969) mit satten zehn Nominierungen in die Oscar-Verleihung 2011 – das sind nur zwei weniger als bei "The King's Speech"! Ob sich Ethan und Joel Coen, die in den vergangenen Jahren bereits vier Oscars gewinnen konnten (1x für "Fargo", 3x für "No Country For Old Men"), das so vorgestellt hatten?
Der Kritikerliebling "The Social Network" gewinnt nur in drei Oscar-Kategorien
Ähnlich mau sah es streng genommen nur noch für "The Social Network" von David Fincher aus, der bei zahlreichen wichtigen Kritiker- und Branchenpreisen im Vorfeld prämiert wurde und mit acht Nominierungen in die Oscar-Nacht startete. Am Ende wurden es für den "Facebook-Film" mit Jesse Eisenberg, Rooney Mara und Justin Timberlake vergleichsweise drei magere Siege: Die lose auf der Biografie von Mark Zuckerberg basierende, kritisch überhöhte Hollywood-Produktion rund um das Social Network Facebook gewann Oscars für das beste adaptierte Drehbuch (Aaron Sorkin), den besten Schnitt (Kirk Baxter, Angus Wall) und die beste Filmmusik (Trent Reznor, Atticus Ross).
