Als Stadt am Rande des bergigen Teutoburger Waldes mit seinen Ausläufern ist auch Osnabrück nicht völlig flach. Die Stadtfläche ist durchzogen von vielen Erhebungen und Senken. Dabei sind es genau drei Berge, die das Osnabrücker Stadtbild maßgeblich prägen: der Westerberg, der Piesberg und der Schölerberg. Dazu gibt es noch einen vierten Berg, den man keinesfalls unterschlagen sollte, wenn es um Osnabrück geht: der Gertrudenberg.
Der Westerberg – exklusive Wohnlage und Natur pur im Herzen Osnabrücks
Der Westerberg ist eine hochgelegene Naturoase im Herzen von Osnabrück und damit eine exklusive Wohnlage, was sich sofort an den Immobilien- und Mietpreisen zeigt. Hier sind die Gebäude der Fachhochschule angesiedelt und hier haben die Fachbereiche Mathematik und Naturwissenschaften der Universität ihre Räume bezogen. Am Westerberg hat die Biologieabteilung der Universität ihren Botanischen Garten angelegt, der sich bei vielen Besuchern großer Beliebtheit erfreut, sind doch hier heimische und exotische Pflanzen zu besichtigen – völlig ohne Eintritt. Auch die Bundesstiftung Umwelt hat ihren Sitz auf dem Westerberg. Die Bergspitze des Westerbergs kann als eine flache Ebene bestehend aus Feldern und Naturanlagen angesehen werden. Hier oben ist ein beliebter Ort für ausgedehnte Spaziergänge mit oder ohne Hund und bei schönem Wetter lockt „Das Büdchen“ in seinen Biergarten, in dem man völlig frei von Anwohnern bei Bier und deftiger Grillware feiern kann. Aufgrund seiner Größe bildet der Westerberg einen eigenen Stadtteil Osnabrücks, in dem auch die wichtigsten medizinischen Einrichtungen der Stadt, das Klinikum am Finkenhügel sowie die Paracelsus-Klinik angesiedelt sind. Die Lotter Straße mit ihren unzähligen Shoppingmöglichkeiten und gastronomischen Einrichtungen ist eine Verbindungslinie zwischen dem Westerberg und der Altstadt im Heger-Tor-Viertel und wegen ihres lockeren Flairs bei Studenten sehr beliebt.
Der Piesberg – Abfallwirtschaft, Industriekultur, Fossilienfunde, Natur und Kultur
Im Nordwesten Osnabrücks gelegen bildet der Piesberg die natürliche Abtrennung zwischen Osnabrück und Wallenhorst. Die Osnabrücker Servicebetriebe für Abfallwirtschaft haben ihre Deponie auf dem Piesberg. Daneben ist dieser Berg auch bekannt für seine Steinbrüche und den industriellen Steinabbau. Mit der wieder hergestellten Feldbahn kann man jeden ersten und dritten Sonntag im Monat den Piesberg befahren. Allerdings würde man dem Piesberg absolut Unrecht tun, würde man ihn auf seine Mülldeponie und den Steinbruch reduzieren. Aus dem ehemaligen reinen Industriegelände wurde ein grüner Kultur- und Landschaftspark, der sich aufgrund seiner Lage kurzfristig als Austragungsort für die BUGA 2015 ins Gespräch brachte, bis die Stadtväter Osnabrücks mit Blick auf das begrenzte Stadtbudget aus diesem Vorhaben endgültig ausstiegen. Der Piesberg gehört wegen seiner Fauna und Flora mit zum Naturpark Terra Vita. Auch sind die Steinbrüche bekannt für zahlreiche Fossilienfunde. Freunde der Industriekultur erfahren im Museum Industriekultur alles über Bergwerktätigkeit und die industrielle Entwicklungsgeschichte der Region. Im Piesberger Gesellschaftshaus, das als Kulturverein registriert ist, erwartet die Gäste ein regelmäßig wechselndes Kulturprogramm. So kann man dort sowohl Argentinischen Tango tanzen lernen als auch spannende geführte Fossilien-Erkundungstouren machen.
Der Schölerberg – Zoo, Sternwarte und viel Grün
Auch der Schölerberg im Süden Osnabrücks ist von seiner flächenmäßigen Ausdehnung her so groß, dass er einen eigenen Stadtteil bildet. Der Wohnraum rund um den Schölerberg ist begehrt wegen seiner nicht allzu teuren Mieten und dennoch grüner Wohnlage rund um den idyllischen Riedenbach. Die bekannteste Sehenswürdigkeit des Schölerberges ist ohne Zweifel der Osnabrücker Zoo, vor allem wegen seines bislang weltweit einzigen unterirdischen Zoos. Der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Zoo lockt nicht nur regionale Besucher an, sondern auch viele Gäste mit weiterer Anfahrt. Im direkt nebenan gelegenen Museum am Schölerberg werden Besucher anschaulich in die Faszination der Naturwissenschaften eingeführt. Vor allem das Planetarium begeistert seine Besucher mit faszinierenden Einblicken in das Weltall und seine Sterne. Die Iburger Straße – Verbindungsglied zwischen dem zentralen Rosenplatz und dem an der südlichen Stadtgrenze liegenden Stadtteil Nahne – führt als zentrale Straße mitten durch den Schölerberg in Höhe der Lutherkirche. Ursprünglich wurde das Gebiet um den Schölerberg im 19. Jahrhundert einmal als Waldpark genutzt. In den 1950er Jahren befand sich dort eine Sommerrodelbahn, die es heute allerdings nicht mehr gibt. Osnabrück hat viele sehr grüne und reichhaltig bewachsene Oasen, der Schölerberg ist eine davon.
Der Gertrudenberg – literarisch verewigt und bedeutend für Osnabrück
Zwar gehört der Getrudenberg – vermutlich wegen seiner geringen Höhe – nicht zu den drei großen Bergen Osnabrücks. Da ihm allerdings sogar literarisch ein Denkmal gesetzt wurde, sollte er in einem Artikel über „Osnabrück und seine Berge“ nicht vergessen werden. Wer einmal „Der schwarze Obelisk“ von Erich Maria Remarque gelesen hat, weiß natürlich, dass das fiktive „Werdenbrück“ des Romans nichts anderes sein soll als die Stadt Osnabrück. In einem Abschnitt wird beispielsweise der Gertrudenberg derart exakt beschrieben, dass die Schilderung sogar heute noch Bestand hat: „Friedlich wandere ich durch die Straßen der Stadt. Werdenbrück ist eine Stadt von 60.000 Einwohnern, mit Holzhäusern und Barockbauten und schließlichen neuen Vierteln dazwischen. Ich durchquere sie und gehe zur anderen Seite hinaus, eine Allee mit Roßkastanien entlang und dann einen kleinen Hügel hinauf, auf dem sich in einem großen Park die Irrenanstalt befindet. […]“ In der Tat ist die Bezeichnung „Gertrudenberg“ etwas irreführend, da es sich eher um einen Hügel als um einen Berg handelt. Oben auf dem Gertrudenberg befindet sich das ehemalige Benediktinerinnenkloster, in dessen Mauern die Räume der AMEOS-Klinik für Psychiatrie untergebracht sind. Erhalten sind nach wie vor das Äbtissinnen-Haus und die kleine Gertrudenkirche mit ihrem wunderschönen barocken Hochaltar. Da der beliebte Osnabrücker Bürgerpark direkt an das Gelände des Gertrudenberges angrenzt, ist dies eine ideale Möglichkeit für schöne Spaziergänge.
Osnabrück ist geprägt durch seine Berge und Hügel. Sie verleihen der Friedensstadt ihren ganz besonderen Reiz, auch wenn sie das Spazierengehen manches Mal etwas erschweren. Alteingesessene Osnabrücker und Zugereiste finden aber gerade die bergige Abwechslung und die vielen grünen Oasen so reizvoll, da sie das Leben in der Stadt erst so richtig lebenswert machen.
Quellen:
- Der Piesberg auf der Homepage der Stadt Osnabrück
- Die Feldbahn auf dem Piesberg
- Stadt Osnabrück steigt aus dem BUGA-Vorhaben aus
- Der industrielle Steinbruch auf dem Piesberg
- Kultur auf dem Piesberg: Das Piesberger Gesellschaftshaus e.V.
- Der Schölerberg und seine Entwicklung
- Der Gertrudenberg - Zeitseeing
- Remarque, Erich Maria: Der Schwarze Obelisk. Köln, Naumann & Göbel 1956
