Ökologischer Landbau in Ostbayern

Biokreis-Geschäftsführer Josef Brunnbauer im Interview

Die Nachfrage an Bio-Produkten steigt. Doch Skandale erschüttern das Image. In Ostbayern arbeiten die Bauern mit sauberen Methoden, erklärt der Biokreisgeschäftsführer.

Allein in den vergangenen drei Jahren stieg die Nachfrage nach Öko-Produkten in Deutschland um jeweils 15 bis 20 Prozent an. Gleichzeitig beschädigen vereinzelte Skandale das Image der Bioprodukte. Biokreis-Geschäftsführer Josef Brunnbauer spricht über die Situation des ökologischen Landbaus in Ostbayern.

Dagmar Sponsel: Herr Brunnbauer, die Verbrauer wollen sich bewusster ernähren, die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt immer weiter an. Wie viele ostbayerische Landwirte haben mittlerweile auf ökologischen Landbau umgestellt.

Josef Brunnbauer: Bayernweit haben sich derzeit etwa vier Prozent aller Betriebe auf ökologischen Landbau spezialisiert. Ostbayern hinkt der Entwicklung aktuell etwas hinterher. Hier macht der Anteil der Biobauern lediglich drei Prozent aus.

Sponsel: Wo liegen die Gründe dieser Verzögerung?

Brunnbauer: Eine Ursache ist die ostbayerische Mentalität. Unsere Region ist sehr traditionell geprägt. Viele befürchten immer noch, nach der Umstellung auf ökologischen Landbau im Dorf als Außenseiter zu gelten. Die oberbayerischen Bauern sind deutlich offener, da dort die Akzeptanz für Neuerungen wesentlich höher liegt. Ein weiterer Grund ist die landwirtschaftliche Struktur Ostbayerns. Wir haben intensive Ackerbaustandorte im Gäuboden sowie extensive Grünlandstandorte im Bayerischen Wald. Hier erwarten die Bauern von der Umstellung auf Ökolandbau keine wirtschaftlichen Vorteile, zumal der Freistaat Bayern die finanzielle Förderung zur Umstellung auf Bio deutlich reduziert hat.

Sponsel: Wie ist die Situation der Biobauern, verglichen mit ihren traditionell wirtschaftenden Kollegen?

Brunnbauer: Das Image der Landwirtschaft ist heute insgesamt deutlich positiver als noch vor zwei Jahren. Durch den Anstieg der Lebensmittelpreise erfahren die Bauern mehr Wertschätzung als zuvor. Da sich die Endverbrauer immer bewusster ernähren, trifft dies im besonderen Maße auf die Erzeuger von Öko-Lebensmitteln zu. Durch die wachsende Nachfrage an Bio-Nahrungsmitteln, können nahezu alle Biobauern ihre Produkte vollständig zu zufriedenstellenden Preisen absetzten, so dass sie im Schnitt besser dastehen als ihre Kollegen.

Sponsel: Auf welche Produkte haben sich die ostbayerischen Bio-Landwirte spezialisiert?

Brunnbauer: An Getreide wird überwiegend Dinkel, Weizen und Roggen angebaut. Dazu kommt die Futtermittelerzeugung sowie punktuell intensiver Gemüseanbau. Natürlich werden auch Fleisch und Milch nach ökologischen Vorgaben produziert. Leider haben wir in diesem Bereich in Ostbayern ein Problem mit der Veredelung. Es fehlen kleine Käsereien, wie es sie in Oberbayern gibt. Daher muss der Biorohstoff Milch über längere Strecken transportiert werden, um angemessen verarbeitet werden zu können, eine Entwicklung, die dem ökologischen Gedanken wiederspricht. Bei Fleischerzeugnissen sieht es ähnlich aus.

Sponsel: In jüngster Vergangenheit war immer wieder vom Ausverkauf der Bio-Lebensmittel die Rede. Können unsere Landwirte den gesteigerten Bedarf noch bedienen?

Brunnbauer: Die Nachfrage an Bio-Produkten steigt derzeit in Deutschland jährlich um etwa 15 bis 20 Prozent. Die Anzahl der Öko-Betriebe wächst im selben Zeitraum um etwa zwei Prozent pro Jahr. Dadurch entstehen Defizite. Viele Rohstoffe müssen im Ausland eingekauft werden. In vielen Ländern finden die Biobauern bessere Bedingungen vor. In Österreich zum Beispiel erreicht der ökologische Landbau einen Anteil von 20 Prozent. Dies liegt vor allem daran, dass Österreich die Umstellung auf ökologischen Landbau mit 290 Euro pro Hektar fördert, bayerische Bauern erhalten nur 190 Euro. Dieser Wettbewerbsnachteil geht zu lasten der regionalen Bio-Nahrungsmittelerzeugung. Hier ist die Politik gefragt.

Sponsel: Ist in den regionalen Bio-Produkten auch tatsächlich Bio drin?

Brunnbauer: Überall wo man Geld verdienen kann, wird es auch immer „Schwarze Schafe“ geben. Das liegt in der Natur des Menschen. Persönlich habe ich in zwölf Jahren Arbeit für den Biokreis noch keinen derartigen Fall erlebt. In Ostbayern ist sowohl das staatliche als auch das soziale Kontrollnetz so dicht, dass Betrüger schnell entlarvt wären. Anders sieht es zum Beispiel in China aus, wo derartige Mechanismen fehlen. Deshalb ist es wichtig, den regionalen Ökolandbau zu fördern. Das nützt unseren Bauern und damit auch dem Endverbraucher.