Osteopathie für Pferde

Sanfte Therapie für große Tiere

Flexion der Hüfte - Claudia Schleiermacher
Flexion der Hüfte - Claudia Schleiermacher
Mit Hilfe von gezielten Handgriffen kann ein Osteopath Verspannungen oder Blockaden beim Pferd lösen. Wie sieht diese Therapie aus?

Osteopathie heißt wörtlich übersetzt: "Leiden der Knochen". Allerdings sollen bei der Osteopathie nicht etwa kaputte Knochen geheilt werden, sondern Erkrankungen, die durch Bewegungsverluste hervorgerufen werden. Dazu zählen zum Beispiel Blockaden von Gelenken, aber auch der Muskulatur, von Organen oder anderen Geweben. Wie man Pferde mit Hilfe dieser Therapie behandelt, erklärt DIPO Pferdeosteopathin / FN Pferdephysiotherapeutin Claudia Schleiermacher von "Pferd in Balance" aus Baesweiler.

Suite101: Was möchte ein Pferdeosteopath mit seiner Behandlung erreichen?

Claudia Schleiermacher: Ein Pferdeosteopath ist bestrebt, Bewegungseinschränkungen des Tieres zu erkennen und mit Hilfe gezielter manueller Techniken zu beheben. Das heißt, primär ist die Arbeit der Hände gefragt. Ziel der osteopathischen Behandlung ist es, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und ihn so wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Bewegungsabläufe des Pferdes werden dadurch wieder optimiert.

Suite101: Wie kann der Pferdeosteopath das bewirken?

Schleiermacher: Alle gefundenen knöchernen Blockaden werden durch gezielte Handgriffe gelöst. Außerdem besitzt der Osteopath die Möglichkeit, durch Weichteilbehandlungen wie Muskeldehnungen oder Massagen Vernarbungen und Verspannungen zu lösen. Die Techniken werden, wenn nötig, auch dem Pferdebesitzer vermittelt, dessen Mitarbeit unverzichtbar ist. Beispiel: Ein verkürzter Muskel kann nicht mit einer einmaligen Dehnung durch den Osteopathen seine normale Länge wiedererlangen. Die Dehnung muss täglich und mehrmals durchgeführt werden. Zur Aufgabe des Osteopathen gehört es somit, den Besitzer anzuleiten, wie er nach der Behandlung am besten mit dem Pferd arbeiten sollte (Longieren, Stangenarbeit, Dehnübungen usw.), sodass durch gezieltes Training der Therapieerfolg gesichert werden kann.

Suite101: Wie beginnen Sie die erste Behandlung?

Schleiermacher: Jede Behandlung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese. Das heißt, ich frage den Pferdebesitzer gezielt nach den Problemen seines Tieres. Dann wird das Pferd im Stand und in der Bewegung beurteilt. Anschließend folgt eine komplette Untersuchung aller Gelenke. Nicht zu vergessen ist die Kontrolle der Zähne sowie des Kiefergelenkes. Anhand des Befundes werden nun die betroffenen Gelenke und Strukturen behandelt. Dies muss nicht immer durch eine Manipulation geschehen, es reichen auch oft weiche Techniken wie Dehnen oder Massagen.

Suite101: Wie lange dauert so eine Behandlung etwa?

Schleiermacher: Meine Behandlung dauert in der Regel etwa eine bis anderthalb Stunden, abhängig von der Kooperation des Pferdes. Darin enthalten ist die ausführliche Untersuchung des Pferdes, ein eventueller Zahncheck und die Sattelkontrolle. Außerdem zeige ich dem Besitzer Übungen, die er selber täglich mit dem Pferd durchführen sollte.

Suite101: Was passiert mit dem Pferd nach der Behandlung?

Schleiermacher: Es sollte sich 48 Stunden lang frei bewegen dürfen, das bedeutet Weidegang oder Paddock. Sein Körper hat so genug Zeit, sich an das neue Bewegungsschema zu gewöhnen. Manche Pferde bewegen sich in den ersten Tagen etwas steifer, das ist aber völlig normal. Man kann es mit einem Muskelkater bei uns Menschen vergleichen.

Suite101: Kann der Pferdeosteopath einen Tierarzt ersetzen?

Schleiermacher: Nein, die Osteopathie beim Pferd ist kein Ersatz für eine tierärztliche Behandlung, sie versteht sich vielmehr als Ergänzung dieser. Deswegen ist die enge Zusammenarbeit von Tierärzten, Osteopathen, Schmieden und Pferdedentisten äußerst wichtig.

Suite101: Wie oft muss die Behandlung wiederholt werden?

Schleiermacher: Meistens reicht eine Behandlung aus, um alle vorhandenen Blockaden zu beheben. Es kann aber vorkommen, dass eine Blockade in kürzester Zeit wiederkommt, wenn sie schon sehr lange besteht.

Suite101: Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Schleiermacher: Die Preise für eine Behandlung liegen hier in der Gegend zwischen 60 und 160 Euro. Die Nachkontrolle ist bei mir innerhalb zwei Wochen gratis.

Suite101: Wie erkennt man einen gut ausgebildeten Pferdeosteopathen?

Schleiermacher: Leider ist die Pferdeosteopathie in Deutschland noch kein gesetzlich festgelegtes Berufsbild und daher nicht geschützt. Es ist also Pferdebesitzern dringend anzuraten, bei der Wahl eines Osteopathen auf dessen Qualifikation zu achten. Das erste Deutsche Institut für Pferdeosteopathie in Dülmen führt eine seriöse und fundierte zweijährige Ausbildung zum Pferdeosteopathen durch, was sich schon daran erkennen lässt, dass nur Tiermediziner, Humanmediziner und staatlich anerkannte Physiotherapeuten zur Ausbildung zugelassen werden. Der dort erworbene Abschluss "Pferdeosteopath" (DIPO) steht somit für eine qualifizierte Ausbildung.

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