
- Plakat Faberge`Museum - Faberge`Museum
Die Geschichte der Fabergé-Eier zeugt von Liebe und Macht, unglaublichem Reichtum, besessenen Sammlern, aber auch von einer Revolution. Diese Eier sind Kleinodien, aus schimmerndem Emaille, funkelnden Diamanten, kostbaren Juwelen und Perlen vom legendären Goldschmied Carl Peter Fabergé gefertigt. In Baden-Baden wurde für sie, am 9. Mai 2009, das weltweit erste Museum eröffnet. Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner schwärmt: "Fabergé steht für Exklusivität und passt deshalb zum Image der Stadt".
Baden-Baden und das Mineralogische Museum Fersman, in Moskau, werben mit dem leuchtend blauen Konstellations-Ei. „Wir haben selbstverständlich das echte Ei", heißt es selbstbewusst im Baden-Badener Museum. "In Moskau werden lediglich Teile einer Tischlampe ausgestellt." 17 Millionen Euro hat Ivanov nach eigenen Angabe in den Umbau des Gebäudes investiert; eine Million Euro habe allein das Sicherheitssystem gekostet.
Der Ostereier Kult in Russland
Der Kult ums Osterfest und seinen Bräuchen in Russland, dem Osterei und seine Funktion als Glücksbringer, wird in Russland seit Jahrhunderten gepflegt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen, neben den verzierten Eiern, hölzerne, gedrechselte und Exemplare aus Porzellan, Glas oder Edelstein in Mode. Ostereier erfolgreich zu verstecken, ist eine Kunst. So wird Ostern und Pfingsten in Deutschland gefeiert.
Fabergé Eier erzielten einen hohen Wert
Zar Alexander III. wollte 1885 seiner Frau Maria Feodorowna ein besonders wertvolles Osterei schenken: und bestellte ein solches beim Hoflieferanten Carl Fabergé. Fabergés Osterpräsente sind kostspielig. Kostete das Hennen-Ei noch 4000 Rubel, musste der Zar 1898 für das aus Elfenbein gefertigte Maiglöckchen-Ei schon mehr als 6000 Rubel bezahlen. Die Arbeit für den Zaren macht Carl Fabergé berühmt. An die 300 000 Schmuckstücke sollen zwischen 1842 und 1917 die Werkstätten in St. Petersburg verlassen haben.
Vor gut zwei Jahren machte ein Osterei der russischen Zaren als Versteigerungsobjekt des Londoner Auktionshaus Christie’s Furore. Das Schmuckstück aus dem Besitz der Familie Rothschild wechselt für 12,5 Millionen Euro den Besitzer. Das ist der höchste Preis, der für ein Stück russischen Kunsthandwerks bezahlt wurde. Es ist auch der höchste Preis, den ein Fabergé-Ei erzielte.
So sieht eines der das wertvollen Objekte aus
Das Ei aus weißer Emaille ist etwa zehn Zentimeter groß. Wer es öffnet, findet einen Dotter aus Gold. Darin brütet eine winzige Henne mit Augen aus Rubinen. Das Huhn hat eine Miniaturkrone aus Diamanten und Rubinen; in der Krone hängt ein winziges Rubin-Ei. Das mit einem Uhrwerk und einem diamantbesetzten Miniaturhuhn versehene Schmuck-Ei schenkte Beatrice Rothschild ihrer künftigen Schwägerin Germaine Halpen zur Verlobung. Der anonyme Bieter war, wie erst jetzt bekannt wurde, Alexander Ivanov.
Das luxuriöse Leben am Zarenhof findet ein jähes Ende
Die Oktoberrevolution beendet das luxuriöse Leben am Hof; Prunk und Geschmeide wurden beschlagnahmt. „ Armand Hammer, ein junger amerikanischer Arzt, Freund Lenins und Kunstsammler, soll nicht nur 13 Eier, sondern auch Originalwerkzeuge aus den Fabergé-Werkstätten gekauft haben. Eine damit gefertigte Produktion muss als Fauxbergé (faux bedeutet falsch) statt Fabergé, ausgezeichnet werden.
Während die kostbaren Ostereier des Zaren über jeden Fälschungsverdacht erhaben sind, weil jedes einzelne dokumentiert wurde, sind bei den anderen Arbeiten durchaus Zweifel angebracht. "Auf jedes echte Stück, das heute angeboten wird, kommen zehn Fälschungen", schätzt der bei New York lebende Geza von Habsburg, Ur-Ur-Enkel des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. und ausgewiesener Kenner der Fabergé-Eier.
Die heutigen Besitzer der kostbaren Schmuckstücke
Von den 50 kaiserlichen Eiern sind acht seit der russischen Revolution verschollen. Zehn besitzt heute das Kreml-Museum, neun der russische Selfmademan und Oligarch Viktor F. Vekselberg, drei die englische Königin, eins das Fürstentum Monaco. 14 Eier erwarben reiche Amerikanerinnen, die sie Stiftungen oder Museen in Richmond, New Orleans, Washington oder Cleveland übergaben. Zwei Eier sind in der Schweizer Sandoz-Stiftung zu finden, vier in Privatsammlungen.
Welche Exponate sind im Museum in Baden-Baden zu sehen
In der Sammlung des Museums ist das ganze Spektrum der Arbeiten Fabergés vertreten, von den berühmten kaiserlichen Ostereiern der Zarenfamilie bis hin zu Schmuckstücken und Gebrauchskunst. Innerhalb der Ausstellung von Juwelierobjekten befindet sich unter anderem auch die weltgrößte Sammlung von noblen Zigarettenetuis und Tierminiaturen aus Edelsteinen. Daneben werden auch Arbeiten zeitgenössischer Goldschmiede wie z. B. Bolin, Boucheron, Cartier, Ovtschinnikov, Sazikov, Khlebnikov, Falize zu sehen sein. Der Wert der 3000 Exponate kompletten Sammlung wird auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.
Warum das Museum in Baden-Baden steht
Auf die Idee, das Fabergé-Museum in Baden-Baden zu eröffnen, kam Ivanov, weil die Immobilienpreise in Moskau zu hoch sind.
Bisher noch keine offizielle Stellungnahme vom Kreml
Das Ivanov seine Sammlung ins Ausland brachte, kommt beim Kreml und bei der Regierung nicht gut an. Die Kostbarkeiten, Sinnbilder einer dem Untergang geweihten Welt, sind eine Art Nationalheiligtum.
Das Fabergé-Museum ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet
Quelle Badische Zeitung
Elke Windisch, Moskau
