
- Hot Cross Buns - eine englische Osterspezialität - Peggy Richter
Das Osterfest kennt viele Bräuche – christliche wie heidnische. Auch in England suchen Kinder am Ostersonntag Süßigkeiten und Ostereier, die vom Osterhasen versteckt wurden. In einigen Gegenden werden hartgekochte, buntbemalte Eier kleine Hügel hinuntergerollt. In der englischen Tradition gibt es aber noch weitere Bräuche, die sich teilweise über mehrere Jahrhunderte entwickelt haben.
Gründonnerstag – Royal Maundy Service
Das Wort „maundy“ stammt vermutlich vom lateinischen „Mandatum“ ab, dem „Gebot“ der Nächstenliebe, das Jesus seinen Jüngern beim Abendmahl verkündete. King Edward I. begann im 13. Jahrhundert als Teil des Gottesdienstes am Gründonnerstag Kleidung, Lebensmittel und Geld, sogenanntes maundy money, an Bedürftige zu geben. Während der Zeremonie wusch der Herrscher den Bedürftigen die Füße. Dieser traditionelle Gottesdienst, der sogenannte Royal Maundy Service, existiert bis heute. Einige Rituale wurden in Laufe der Jahrhunderte allerdings verändert. So wird man heute vergeblich darauf warten, dass die Queen den Begünstigten die Füße wäscht. Die Fußwaschung, ein Ritual des Abendmahls, wurde das letzte Mal vom katholischen König James II. im 17. Jahrhundert zelebriert. Auch werden heute keine Kleidung und Lebensmittel mehr verteilt. Maundy money ist kein Almosen mehr, sondern eine Auszeichnung für ältere Menschen in Anerkennung ihrer Dienste für die Kirchengemeinde. Die Anzahl der Begünstigten richtet sich nach dem Alter der Monarchin. So erhalten im Jahr 2011 85 Männer und 85 Frauen die speziell für dieses Ritual geprägten Münzen. Der Royal Maundy Service findet am 21. April 2011 in Westminster Abbey in London statt.
Karfreitag – Kreuzigungsprozession auf der Victoria Street
Karfreitag ist der Trauertag der Osterfeiertage, weil Jesus an diesem Tag gekreuzigt wurde. Zum Gedenken treffen sich Christen kurz vor Mittag vor der Methodist Central Hall in Westminster. Nach einer Begrüßung durch den Lord Mayor von Westminster und einer Ansprache des Kaplan wird ein hölzernes Kreuz in einem Schweigemarsch über die Victoria Street bis zur Westminster Abbey getragen. Der Prozession folgt ein Gottesdienst.
Hot Cross Bun – traditionelle Osterbäckerei
Einer alten viktorianischen Tradition folgend werden vor der Priory Church of St. Bartholomew the Great, einer Kirche in Londons Cloth Fair nahe U-Bahn-Station Barbican, während des Karfreitags-Gottesdienstes Hot Cross Buns verteilt. Hot Cross Buns sind süße Brötchen mit Rosinen und getrockneten Beeren. Vor dem Backen wird auf der Oberseite des Brötchens ein Kreuz eingeritzt, das nach dem Backen mit Zuckerguss gefüllt wird. Hot Cross Buns wurden traditionell am Karfreitag gegessen, gibt es heute aber während der gesamten Voroster- und Ostersaison.
Widow’s Son – Hot Cross Buns für den Sohn der Witwe
Eine weitere Karfreitagstradition ist die Widow’s Son Bun Zeremonie im Widow’s Son Pub in Ostlondons Devons Road nahe DLR Station Devons Road. Im frühen 19. Jahrhundert stand an der Stelle des Pubs ein Cottage. In dem Cottage lebte eine Witwe, deren einziger Sohn zur See fuhr. Der Sohn versprach seiner Mutter, dass er zu Ostern zurückkehren würde. So backte sie zum Karfreitag ein Hot Cross Bun und wartete auf die Ankunft ihres Sohnes. Der Sohn kehrte nicht zurück. Die Witwe verlor aber nicht die Hoffnung. Sie backte jedes Jahr am Karfreitag ein Hot Cross Bun in Erwartung ihres Sohnes bis sie starb. Als 1840 anstelle des Cottages ein Pub gebaut wurde, entschied der Besitzer ihn „Widow’s Son“, „Sohn der Witwe“, zu nennen, so dass der Sohn, sollte er eines Tages zurückkehren, seine Heimat erkennen würde. Der Pub führte die Tradition der Witwe fort und backt bis heute am Karfreitag ein Hot Cross Bun, das in ein Netz zu den Brötchen der Vorjahre gelegt wird. Jedes Jahr nimmt ein Matrose der Royal Navy an der Zeremonie, die nachmittags zwischen 2 und 4 Uhr stattfindet, teil. Was aus dem Sohn der Witwe geworden ist, bleibt bis heute ungeklärt.
Frühlingshauben auf der Osterparade in Battersea
Es gibt eine Reihe von Osterparaden in und um London. Die berühmteste ist jedoch die Ostersonntags-Parade im Battersea Park. Battersea Park liegt auf der Südseite der Themse zwischen Vauxhall und Clapham und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Jeden Ostersonntag wird eine große Ostereiersuche organisiert. Gegen 3 Uhr nachmittags findet ein Festumzug statt. Seit Königin Victoria 1858 an der Parade teilnahm und dabei ihr neues Frühlingskleid und eine passende Frühlingshaube trug, ist es zur Tradition geworden, dass Frauen und Mädchen jedes Jahr ihre teilweise handgemachten Frühlingshauben zur Osterparade in Battersea tragen. Ostern ist eben ein Fest für Traditionen. Und Engländer sind Meister der Traditionspflege.
