Ostern in Spanien: Die Semana Santa

Ungefähr eine Millionen Menschen wollen die Leidenswege Christi während der Semana Santa, der größten Festlichkeit Andalusiens, miterleben.

Die Karwoche oder „Semana Santa“, wie sie in Spanien genannt wird, ist eine der größten religiösen Feierlichkeiten dieses Landes. Vor allem in Andalusien, speziell in Sevilla, aber auch in Málaga, Granada, Cordoba und Valladolid wird sie mit viel Aufwand zelebriert. Durch ihre Berühmtheit reisen zu jener Zeit viele Touristen nach Sevilla, so dass jährlich fast eine Millionen Zuschauer erwartet werden. Unter ihnen befinden sich nicht nur die Einwohner Sevillas und ausländische Touristen, auch Spanier verschiedener Städte wollen das Spektakel bewundern. Der Zuwachs dieser steigt deshalb jährlich. Am Palmsonntag, der „Domingo de Ramos“ genannt wird, beginnt die Karwoche und somit auch die Prozessionen, die an den Leidensweg Christi erinnern und am darauf folgenden Sonntag, dem „Domingo Resurrección“, enden.

Die Prozessionen als Tradition aus dem 14. Jahrhundert

Die Tradition dieser Festlichkeit reicht bis ins Mittelalter zurück. Schon im 14. Jahrhundert fanden die ersten Prozessionen statt, durchgeführt von den ersten Bruderschaften, den Hermandades. Diese Bruderschaften existieren sogar zur heutigen Zeit noch, jedoch unter anderem Namen. Die Gemeinsamkeit aller Mitglieder einer Bruderschaft war ihr Beruf, nach welchem sie sich auch benannten. Die offizielle Entstehung der Semana Santa wird aber auf das Jahr 1521 festgelegt. In diesem Jahr kehrte der erste Marquis von Tarifa, Fadrique Enríquez de Ribera, aus Jerusalem zurück und bestimmte daraufhin einen Kreuzweg. Die Stationen die dieser beinhaltet, bilden den heutigen Verlauf der Bußprozessionen Sevillas. Die Prozessionen wie auch die Kasteiung durch Geißelung, wie sie damals ausgeführt wurde, sollten zum Erlass der Sünde führen. Letztere Variante wurde später jedoch kritisch betrachtet, da jene Selbstkasteiung sich nicht mehr unter Kontrolle der Kirche befand.

Aus diesem Grund wurde die Geißelung im Jahr 1604 von Kardinal Niño de Guevara eingeschränkt, indem er die kirchlichen Vorschriften erneuerte und somit die Basis der heutigen Prozessionen schaffte. So bestimmte er zum Beispiel als Station die Kathedrale Sevillas während der Prozession dort und die Parroquía de Santa Ana auf dem Bußweg in Triana. Ein Jahrhundert später wurden die Bruderschaften nicht mehr nach Beruf zusammengesetzt, sondern Einwohner eines gemeinsamen Wohnortes fanden sich zusammen und bildeten die "hermandades de barrio". Viele Bruderschaften wurden im 19. Jahrhundert wieder aufgelöst, weil sie sich der französischen Besatzungsmacht entgegensetzten. Nach der Niederlage Napoleons dann, begrenzte die spanische katholische Kirche die Ausführungen der Bruderschaften auf die Religion und Marienverehrung. Im 20. Jahrhundert entstanden die Bruderschaften, wie wir sie heute kennen und in welchen auch Frauen mit eingeschlossen werden.

Prozessionen in Málaga: Ein bisschen anders als gewohnt

Wichtige Bestandteile der Feier der Semana Santa sind neben den Prozessionen die geschmückten Altäre, Trommeln und Fanfaren. Die Prozessionen unterscheiden sich hauptsächlich darin, dass sie sich entweder durch Musik und Gesang oder Trommeln auszeichnen. Gegensätzlich hierzu gibt es auch Schweigeprozessionen, die in einigen Städten durchgeführt werden. Das Zeigen der Christus- und Marienfiguren, welche auf Trageflächen namens „Paso“ positioniert werden, haben alle gemeinsam. In Málaga werden diese Pasos als „Tronos“ bezeichnet, weil sie hier mehr als vier Tonnen wiegen. Aus diesem Grund müssen sie von mehr als 250 Mitgliedern der Bruderschaft, welche hier „Hombres de Trono“ genannt werden, getragen werden. In den Prozessionen, in denen die Tragflächen leichter sind, werden die Mitglieder, welche sie auf den Schultern tragen, „Costaleros“ genannt. Bei diesen ist es nötig, Kommandos und Klopfzeichen zu geben, um zu signalisieren, dass sie die Pasos anheben oder absetzen sollen, da sie sich unter den Seitenbehängen dieser befinden.

Der Leidensweg dauert bis zu acht Stunden

Die Prozessionen beginnen und enden an dem Sitz der Bruderschaft, welcher meistens eine Kapelle oder eine Kirche ist. Der Anfang wird als „Salida“ bezeichnet, als Auszug, und stellt den emotionalsten Teil des Prozessionszuges dar. Die offizielle Strecke, welche die obligatorischen Stationen beinhaltet, befindet sich im Zentrum der jeweiligen Ortschaft und führt zu einer Kathedrale. Nachdem die Bruderschaft hier ausgiebig Buße getan hat, begibt sie sich auf den Rückweg. Meistens endet die Prozession bei Dunkelheit, sodass die Pasos von Kerzenlicht geflutet sind. Der Eintritt mit diesen in ihren Sitz ist ebenfalls ein emotionaler Moment. Obwohl die Beschreibung den Anschein einer kurzen Prozession macht, kann sich je nach Entfernung eine Prozession bis zu acht Stunden ziehen.

Die ganze Bevölkerung nimmt daran teil

Neben der Bruderschaft, ziehen auch Freunde und Verwandte mit, Zuschauer dagegen betrachten den Zug stillschweigend von den Seiten, auf denen Stühle und Tribünen aufgestellt werden. Unter den Teilnehmern befinden sich auch die sogenannten „capillitas“, welche Interessierte ausführlich über die Geschichte und Hintergründe der Prozessionen informieren. Um die Kinder etwas aufzumuntern, werden in den Pausen Süßigkeiten verteilt. Das lockert die etwas bedrückte Stimmung wieder auf. Anders als während des Zuges ist auch die Stimmung anschließend: Tabernen, Bars und Restaurants sind gefüllt von gut gelaunten Menschen, die ausgelassen feiern.

Die Anordnung des Prozessionszuges

Nicht nur die Strecke, auch der Prozessionzug hat eine festgelegte Strukturierung: Ganz am Anfang steht das sogenannte „Cruz de Guía“, was so viel wie „Leitkreuz“ bedeutet, das die Prozession eröffnet. Es ist mit Silber verziert und besteht meist aus Holz. Je nach Bruderschaft folgt hier die erste Kapelle, gewöhnlicher ist es aber, dass der erste Teil der Büßer in Zweierreihe hinterher zieht. Dieser trägt Kerzen, Silberstäbe, Fahnen und weitere Holzkreuze und wird als „Nazarenos del Cristo“ bezeichnet. Im Anschluss folgen an die 50 Costaleros, von einem sogenannten „Capataz“ angeführt, die den ersten Paso tragen. Dieser wird als „Paso del Cristo“ benannt und bildet einen Ausschnitt einer Leidensgeschichte ab. Meistens folgt hier eine Musikkapelle, festgelegt ist dies aber nicht. Sollte diese allerdings folgen, ist es wichtig, dass sie auf Blas- und Schlaginstrumenten langsame Marschmusik spielt.

Als „Nazaremos de la Virgen“ wird der zweite Teil der Büßer bezeichnet. Im Gegensatz zu dem ersten Teil tragen sie oft lange Kutten, Spitzhauben und marschieren barfuß. Auf dem ihm folgenden Paso ist die Jungfrau Maria in einem Baldachin dargestellt. Nach der anschließenden Kapelle, schließt die „Saeta“ oder auch „Pfeil“ den Zug. Dieser besteht aus einem Sänger, der mal von einem Balkon aus, mal in der Menschenmenge ohne Musikbegleitung die Marienstatuen oder die Christusfigur besingt. Dabei wird oft sein verzehrtes Gesicht bestaunt.

Quellen:

Sevilla, Semana Santa

Semana Santa de Sevilla - Karwoche in Sevilla

Santana Overath - Seit 2008 studiere ich an der Universität Mannheim das Kernfach Germanistik und das Beifach Hispanistik. Mein vorausgesehener ...

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