Ostseebad Binz auf Rügen

Der beliebteste Rügener Badeort und seine Geschichte

Das Kurhaus in Binz - S.Adler
Das Kurhaus in Binz - S.Adler
Binz ist das größte Seebad der Insel Rügen und hat eine lange und wechselhafte Geschichte hinter sich. Die alte Bäderarchitektur kann man heute wieder bewundern.

Erstmals im Jahr 1318 als kleines Fischerdorf namens Byntze urkundlich erwähnt, hat sich Binz bis heute zu einem der bedeutendsten und beliebtesten Badeorte an der Ostsee entwickelt. Traumhaft gelegen an der Prorer Wiek, einer Bucht an der Ostküste Rügens, umgeben von den Waldgebieten der Granitz und der Schmalen Heide, sowie dem Schmachter See, ist das größte Seebad der Insel Jahr für Jahr Anziehungspunkt für zigtausende Besucher. Vor allem der feinsandige kilometerlange Traumstrand und die fast 2.000 Sonnenstunden pro Jahr machen Binz zum echten Urlaubsparadies. Die einzigartige Bäderarchitektur und die beeindruckende Seebrücke sind die bekanntesten Wahrzeichen der kleinen Stadt, deren Einwohnerzahl von normalerweise rund 5.500 jedes Jahr in den Sommermonaten vorübergehend um ein Vielfaches steigt.

Die ersten Badegäste im 19. Jahrhundert

Bereits um 1830, noch lange bevor das Baden im Meer allgemein in Mode kam, badeten Gäste des Fürsten zu Putbus an der Mündung der Ahlbeck, einem Abfluss des Schmachter Sees und der Fürst ließ erste Badebrücken bauen. Ab 1860 gab es bereits regelmäßig Badegäste im Dorfkrug von Binz, um 1870 waren es ungefähr achtzig pro Jahr.

Binz wird zum führenden Badeort auf Rügen

Im Jahr 1846 wurde das Jagdschloss Granitz eingeweiht, bis heute eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Insel und beliebtes Ausflugsziel für viele Inselbesucher. 1876 eröffnete das erste offizielle Hotel in Binz und eine erste Verbindungsstraße zwischen Dorf und Strand wurde angelegt. Im Jahr 1884 wurde Binz offiziell zum Badeort erklärt, was einen regelrechten Bauboom und Besucheransturm in dem bisher eher beschaulichen Dorf auslöste.

Kurhaus, Seebrücke und Strandpromenade locken Besucher nach Binz

Die im Jahr 1888 gegründete Aktiengesellschaft Ostseebad Binz eröffnete 1890 das erste Kurhaus und es entstanden zahlreiche weitere Hotels und Gasthäuser, fast alle im Villenstil der damals typischen Bäderarchitektur. 1895 wurde die Strandpromenade angelegt sowie die Kleinbahnstrecke zwischen Putbus und Binz in Betrieb genommen. Um die Jahrhundertwende entstanden die ersten Damen- und Herrenbäder mit Umkleiden direkt am Strand, 1904 kam noch ein Familienbad dazu, welches sich der größten Beliebtheit erfreute. Die berühmte Seebrücke mit ihrer wechselhaften Geschichte wurde in ihrer Ursprungsform 1902 fertig gestellt. 1906 kam es zu einem verheerenden Brand, der das Kurhaus völlig zerstörte, zwei Jahre später wurde es allerdings wieder neu aufgebaut.

Die Badeanstalten am Strand wurden in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach und nach abgerissen, da sich inzwischen das freie Baden im Meer durchgesetzt hatte.

Der Nationalsozialismus und seine Spuren in Binz

1936 begannen die umfangreichen Bauarbeiten am „Kraft durch Freiheit“ – Seebad Prora, welches von den Nationalsozialisten als größtes und modernstes Seebad Europas geplant wurde. Außerdem entstanden der Kurplatz sowie das Bahnhofsgebäude in Binz während dieser Zeit.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Hotels und Villen in Binz zur Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen genutzt, ab 1950 wurden außerdem die Bauarbeiten in Prora fortgesetzt, zunächst entstanden dort Kasernen für die Volkspolizei, später wurden diese auch von der Nationalen Volksarmee genutzt.

Binz wird zum "Arbeiterseebad"

Durch die „Aktion Rose“ wurden 1953 die meisten Hotel- und Villenbesitzer verhaftet, enteignet oder vertrieben und ihre Häuser zu Mietwohnungen oder Ferienheimen umfunktioniert wurden. 1956 übernahm der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) das erste Ferienheim in Binz, es folgte der Bau weiterer FDGB - Heime, vor allem in den siebziger Jahren. Außerdem entstanden Plattenbausiedlungen im Norden und Westen des Ortes. Binz wurde zum „Vorzeige-Arbeiterseebad“ der DDR.

Ostseebad Binz heute - das moderne Seebad mit altem Flair

Nach der Wiedervereinigung 1990 erhielten viele der früheren Eigentümer ihre Häuser und Villen zurück und die FDGB-Ferienheime wurden privatisiert. Im gesamten Ort wurde saniert, restauriert, modernisiert und neu gebaut. Dabei wurde sehr auf die Erhaltung und Rekonstruierung der alten Bäderarchitektur geachtet, die Binz heute wieder das typische Gesicht eines mondänen Seebades verleiht. Im Sommer tummeln sich die Urlaubermassen am Traumstrand, im Winter hat sich Binz als beliebter Standort für Wellnessurlaub auf Rügen etabliert.

Susanne Adler - Ich lebe, studiere und arbeite in Berlin. Das Schreiben betreibe ich seit 2006 als freie (Online-)Autorin nebenbei, bei suite101.de vor ...

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