
- Der Friedhof in Sebesh - Volksbund
Heute steht auch dieser PC in der Nähe von Kiel. Von dem aus beginnt die Spurensuche, die heute einfacher ist als noch vor zehn Jahren. Helfen kann dabei der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dessen freiwillige Helfer auch heute noch deutsche Soldaten des zweiten Weltkrieges finden und umbetten. So wird auch nach Otto Auh gesucht von dessen Nichte Gabriele, die ihren Onkel nie kennenlernt. Die aber mit dessen Witwe Erna Auh lange Jahre in der Feldstraße 100 in Kiel zusammenlebt. 1986 stirbt die Tante. Und Anfang November 2010 beginnt die Nichte mit der Spurensuche. Das kleine vergilbte schwarz-weiß-Foto hat sie noch: Es zeigt ein schlichtes weißes Holzkreuz. Ein frisch geschaufeltes Grab. Wo auch immer im weiten Rußland. Anscheinend aussichtslos, darüber etwas zu erfahren.
Nur ein kleines vergilbtes schwarz-weiß-Foto
Doch die Antwort vom Volksbund kommt schon am 06.11.2010 überraschend schnell. "Wir danken für Ihre Internetanfrage und können Ihnen nach Überprüfung der Unterlagen folgende Meldung der Deutschen Diensstelle für Ihren Onkel bekannt geben: Otto Auh, Oberfeldwebel, geboren am 26.12.1911 in Gumbinnen/ Ostpreußen, Truppenteil St./Pz.Gren.Rgt.8, Erkennungsmarke -15-1./Kav.Schtz.Rgt.9, Todestag 04.12.1942, Todesort Loknja, bestattet Loknja, Heldfenfriedhof Grab 491."
Im Rahmen der Umbettungsmaßnahmen können aber die Toten von Loknja von den Mitarbeitern des deutschen Volksbundes nicht oder nur teilweise geborgen werden. Zivilüberbettung, Bebauung und andere Gründe führen dazu, dass einige der Toten nicht mehr gefunden werden. Sie sollten eigentlich zum neuen Sammelfriedhof nach Sebesh überführt werden. Denn dort zwischen Leningrad und Lettland sind viele Gräber verloren gegangen. So auch das von Otto Auh. Damit war eine Überführung nicht mehr möglich. Trotzdem wird sein Name inzwischen im Gedenkbuch des Friedhofs von Sebesh verzeichnet.
Achtzehn Stunden und 25 Minuten dauert es bis Sebesh, sagt Google
1172 Kilometer sind es von diesem Computer bis nach Sebesh, eine ganz schöne Strecke. Google-Maps sagt, es dauert achtzehn Stunden und 25 Minuten, aber das ist sicher nur ein Google-Traum. Die Wirklichkeit sieht anders aus, denn an manchen Grenzen an der Strecke werden die Wartezeiten mit einem ganzen Tag berechnet. Das weiß allerdings Google nicht. Sebesh liegt an der Grenze zu Lettland auf der russischen Seite. In dieser Anlage werden zur Zeit noch immer Soldaten zur letzten Ruhe gebettet. Der Volksbund vermutet in der ganzen Region noch etwa 30 000 bis 40 000 Tote aus der Zeit des Vormarsches 1941 und des Rückzuges 1944. Ja und dazwischen sterben ja auch noch eine Menge Menschen.
30 000 bis 40 000 Tote liegen noch dort
Der Volksbund schreibt weiter: "Die Personalien der nicht mehr zu bergenden Verstorbenen sind in dem Friedhofsnamenbuch der Kriegsgräberstätte berücksichtigt, welches an zentraler Stelle zu finden ist. Ein Besuch der Kriegsgräberstätte ist im Rahmen unserer Angehörigenreisen möglich. Bei Interesse fordern Sie bitte das entsprechende Programm bei unserem Reisereferat an."
Spenden werden dringend gebraucht
Spenden für diese auch heute für die Nachkommen immer noch wichtige Arbeit werden dringend gebraucht und auch gerne angenommen. Sie machen es möglich, dass man die Spuren der vor hundert Jahren geborenen und leider so früh aus dem Leben gerissenen Menschen verfolgen kann. Otto Auh war jedenfalls nicht freiwillig bei den Soldaten. Er hatte andere Pläne: "Ganz viele kleine Mädchen wollte er mit mir haben und die sollten alle so hübsch sein wie ich!" erzählt Tante Erna bis zu ihrem Tod noch immer mit leuchtenden Augen. Daraus wird ja dann aber leider nichts. Die beiden sind erst wenige Monate verheiratet, als Otto Auh stirbt. Seine Witwe heiratet nie wieder.
Foto: Volksbund
