Otto I. und die Gründung des Erzbistums Magdeburg

Im Verlauf seines dritten Italienzuges konnte Kaiser Otto I. endlich seine lang gehegten Pläne zur Gründung des Erzbistums Magdeburg realisieren.

Unter Otto I. setzte das Ostfrankenreich auf Expansion in Richtung Osten und Norden. Die dort lebenden Slawen sollten zum Christentum bekehrt und sich der ostfränkischen Oberhoheit unterwerfen. Die Ostmark, das das ganze vom Ostfrankenreich beherrschte Gebiet östlich und nördlich der Elbe umfasste, wurde seit 937 vom Markgrafen Gero mit harter Hand verwaltet und teilweise brutaler Gewaltanwendung beherrscht.

König Otto I. verfolgte an der Ostgrenze seines Reiches den Plan der Schaffung einer prächtigen Residenz Magdeburg. Zu diesem Plan gehörte auch die Schaffung eines Erzbistums Magdeburg.

Die Entwicklung Magdeburgs im Mittelalter

Magdeburg wurde 805 erstmals als Magadoburg erwähnt. Ab 919 ließ König Heinrich I. Magdeburg gegen befestigten. Die Magdeburger Furt durch die Elbe war der Handelsweg zu den östlich der Elbe lebenden Slawen.

929 arrangierte Heinrich I. die Heirat seines Sohnes Otto I. mit Editha. Sie war die Tochter von Edward dem Älteren von England. Zur Hochzeit erhielt Editha Magdeburg als Morgengabe.

König Otto I. nutzte Magdeburg als Pfalz. 937 wurde nach seiner Thronbesteigung in Magdeburg eine Reichsversammlung abgehalten. Bei dieser Gelegenheit stifte der junge König das Mauritiuskloster.

946 starb Königin Editha. Sie wurde in der Klosterkirche, die später zum Magdeburger Dom wurde, beigesetzt.

Erster Versuch der Gründung des Erzbistums 955

Nach seinem Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld fasste König Otto I. konkrete Pläne zur Errichtung eines Erzbistums Magdeburg. Dort ließ er 955 ein neues Gotteshaus über dem Grab von Königin Editha errichten. Thietmar von Merseburg beschrieb es als mit Marmor und Gold geschmückt.

Im Sommer 955 schickte er Abt Hademar vom Kloster Fulda nach Rom. Der sollte bei Papst Agapet II. für den König die Erlaubnis zur selbstständigen Gründung von Bistümern einholen. Der Mainzer Erzbischof Wilhelm schrieb in diesem Zusammenhang an Agapet II. Aus diesem Schreiben ist zu schließen, dass Otto das Bistum Halberstadt nach Magdeburg verlegen und zum Erzbistum zu erheben. Damit wäre das Erzbistum Mainz verkleinert worden. Das war aber nur mit der Zustimmung der betroffenen Bischöfe möglich. Erzbischof Wilhelm und der Halberstädter Bischof Bernhard verweigerten standhaft die Zustimmung zu den Plänen von Otto I. Der vertagte die Angelegenheit deshalb.

Zweiter Versuch der Gründung des Erzbistums nach der Kaiserkrönung 962

962 regelte nach der Kaiserkrönung in Rom eine Synode die Zusammenarbeit zwischen Kaiser und Papst. Otto erhielt von Papst Johannes XII. eine Urkunde, die die Erhebung des Moritzklosters in Magdeburg in ein Erzbistum vorsah. Aber auch diesmal widersetzten sich der des Mainzer Erzbischof und der Halberstädter Bischof mit Erfolg. Das Moritzkloster wurde ein Domstift.

Der dritte Anlauf zur Gründung des Erzbistums ab 967

967 trafen sich auf seinem dritten Italienzug Kaiser Otto I. und Papst Johannes XIII. in Ravenna und feierten dort das Osterfest. Die folgende Synode von Ravenna behandelte erneut die Probleme mit dem Erzbistum Magdeburg. In einer Urkunde des Papstes wurde nun das Gebiet der angestrebten Kirchenprovinz festgelegt. Dem neuen Erzbistum Magdeburg sollten die Bistümer Brandenburg und Havelberg, die bis dahin zur Mainzer Diözese gehörten, zugeordnet werden. Außerdem sollten in Merseburg, Meißen und Zeitz neue Bistümer errichtet werden. Diese Pläne konnten aber nur mit der Zustimmung des Bischofs von Halberstadt Bernhard von Hadmersleben sowie des Mainzer Erzbischofs Wilhelm umgesetzt werden. Der Bischof von Halberstadt verweigerte sich.

Gründung des Erzbistums Magdeburg 968

Im Februar 968 starb der Halberstädter Bischof Bernhard von Hadmersleben. Im März 968 starb auch Erzbischof Wilhelm von Mainz und Königin Mathilde, die Witwe Heinrich I. Otto, der sich seit 965 zum dritten Mal in Italien aufhielt, konnte nun seine Pläne zur Gründung des Erzbistums Magdeburg endlich umsetzen. Denn als Nachfolger der verstorbenen Bischöfe ließ er nur Kandidaten zu, die die Pläne des Kaisers zur Bildung des Erzbistums Magdeburg unterstützten. Adalbert von Trier wurde 968 zum ersten Erzbischof von Magdeburg bestellt.

Das neue Erzbistum Magdeburg sollte für die Ausbreitung des christlichen Glaubens im Osten dienen. Erst im Frühjahr 973, viereinhalb Jahre nach der Gründung des Erzbistums, kam Otto nach Magdeburg.

Der erste Dom wurde 955 begonnen. Der war vermutlich eine dreischiffige, kreuzförmige Basilika mit Ostquerhaus, Ostkrypta und großem Atrium im Westen. König Otto I. ließ zahlreiche Kostbarkeiten für den Dom nach Magdeburg bringen. Der Dom zu Magdeburg wurde auch zur Grablege des Kaisers bestimmt.

Literatur zum Thema

  • Ludger Körntgen: Ottonen und Salier. 3. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-23776-0