An welchen Orten haben garstige Aliens nicht schon allerlei Unheil angerichtet. Ob im Weltall („Alien“), den USA der Gegenwart („Independence Day“) oder in der Antarktis („Das Ding aus einer anderen Welt“): Kein Ort scheint vor außerirdischen Invasoren sicher zu sein! Eine gänzlich neue Facette gewinnt „Outlander“ dem SF-Genre ab, indem er ein Monster aus den Tiefen des Alls ausgerechnet in Wikingersiedlungen des 7. Jahrhunderts sein blutiges Unwesen treiben lässt.
Was nach unfreiwilligem Trash klingt, erweist sich jedoch trotz einiger Unzulänglichkeiten als überraschend unterhaltsame Monsterhatz.
„Outlander“: Wickies starke Männer völlig wehrlos
Im 7. Jahrhundert setzt ein Raumschiff über Norwegen zur Notlandung an. Von den Crewmitgliedern überlebt nur Kainan (Jim Caviezel). Kurz nach der unfreiwilligen Bruchlandung wird er vom Wikinger Wulfric (Jack Huston) gefangen genommen und in dessen Dorf gebracht. Dort kettet man ihn an und unterzieht ihn wenig freundlichen Verhören, hält man ihn doch für den Verantwortlichen eines blutigen Gemetzels im Nachbardorf.
Zunächst schenkt ihm selbst der weise König Rothgar (John Hurt) wenig Glauben als Kainan erzählt, dass ein drachenähnliches Monster für das Blutbad verantwortlich zeichnet. Aber noch in derselben Nacht erweist sich Kainans Geschichte als wahr: Die gegen gewöhnlichen Stahl unempfindliche Bestie überfällt das Dorf und tötet zahlreiche Krieger. Langsam fassen die misstrauischen Wikinger Vertrauen zu dem seltsamen Fremden. Die hübsche Königstochter Freya (Sophia Myles) wirft gar ein begehrliches Auge auf ihn – sehr zum Missfallen Wulfrics, der in Kainan einen Rivalen sieht. Dennoch muss er sich mit dem Fremden verbünden, um dem furchterregenden Monster Paroli bieten zu können …
Mix aus „Der 13. Krieger“ und „Predator“
Mit „Outlander“ schuf Regisseur Howard McCain einen alles andere als anspruchsvollen Genremix aus „Der 13. Krieger“ und „Predator“. Trotzdem unterhält der rund zweistündige Streifen prächtig, so man die kruden Grundprämissen anstandslos schluckt. Beispielsweise jene, dass sich der technologisch weit fortgeschrittene Außerirdische körperlich in keiner Weise von den Wikingern unterscheidet und ohne jegliches Kampftraining das Schwert besser als jeder geübte Nordmann führt.
In puncto Authentizität zeigt sich John McTiernans gnadenlos unterschätzter Flop „Der 13. Krieger“ weit überlegen. Die „Outlander“-Wikinger wirken einfach viel zu kultiviert, um überzeugen zu können, während die rauen Gesellen aus „Der 13. Krieger“ todesverachtende Berserker mit düsterem Sinn für Humor waren.
Ein Alien als Ursprung nordischer Drachensagen?
Andererseits kann „Outlander“ mit einem wahrhaft furchteinflößenden Monster aufwarten. Das von Kainan als „Morween“ bezeichnete Ungetüm vermag trotz seiner Größe aus dem Hinterhalt zu attackieren, da es sich so gut wie unsichtbar zu machen versteht. Ungewöhnlicherweise wird dem Morween eine Hintergrundgeschichte verpasst, die sein Handeln in ein anderes Licht rückt. Zwar ist es eine grausame Mordbestie. Doch es hat durchaus seine Gründe dafür …
„Outlander“: Launiges Actionspektakel mit kaum geforderten Darstellern
Überhaupt bemühte sich Howard McCain bei seinem finanziell wenig erfolgreichen Actionspektakel „Outlander“ um einen an Wendungen reichen Plot. Ein hehres Ansinnen, das zwar nicht immer gelingt und streckenweise ins allzu Melodramatische abgleitet, aber einen angenehmen Kontrast zu glatter Mainstreamware von der Stange bildet.
Die Schauspielriege setzt sich aus einigen sehr bekannten Namen zusammen, allen voran der mit schleimigen Außerirdischen dank „Alien“ bestens vertraute John Hurt, „Hellboy“ Ron Perlman sowie Jim Caviezel („Die Passion Christi“). Großen Spielraum für herausragende künstlerische Leistungen bietet „Outlander“ freilich nicht. Dies erweist sich ohnehin als unnötig, denn die Actionelemente überwiegen vor allem in der zweiten Filmhälfte deutlich.
Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit
Was den Streifen deutlich von zahlreichen ähnlich gelagerten Stoffen unterscheidet, ist der hervorragend gesetzte Spannungsbogen. Selbst nachdem die Identität des Monsters geklärt ist, bleibt der Film unerhört fesselnd. Dabei tragen die Schauplätze des Geschehens wesentlich zur Spannung bei: Ein nächtlicher Überfall auf ein mit Palisaden befestigtes Dort oder ein Drachenkampf in einer düsteren Höhle sorgen für den nötigen Nervenkitzel.
„Outlander“ ist gewiss kein Meisterwerk und weist einige Schwächen auf, darunter die meist hektisch geschnittenen Kampfszenen, wie sie leider seit einigen Jahren in vielen Filmen üblich geworden sind. Jim Caviezels darstellerische Fähigkeiten halten sich in überschaubarem Rahmen und an einigen Stellen kracht es ordentlich im Gebälk des Drehbuchs. Und dennoch: Der Film ist erfrischend anders und äußerst spannend erzählt.
Wie schrieb doch der große Johannes Mario Simmel: Es muss nicht immer Kaviar sein! „Outlander“ lässt sich in diesem Sinne am ehesten wohl mit einem schmackhaften Snack vergleichen, den man kurze Zeit nach dem Genuss schon wieder völlig vergessen hat.
Originaltitel: „Outlander“
Regie: Howard McCain
Produktionsland und -jahr: USA, 2008
Filmlänge: ca. 115 Minuten
Verleih: Koch Media
DVD-Veröffentlichung: 22.1.2010
