Paddeln auf der Peene

Mit dem Kanu durch unberührte Natur

Peene hinter Aalbude - Anke Pfistner
Peene hinter Aalbude - Anke Pfistner
Natur erleben, wie es sonst in Deutschland kaum mehr möglich ist. Hier gibt es noch Biber, Fischotter und Seeadler in großer Zahl.

Die Peene entsteht bei Malchin durch den Zusammenfluss von Ost- und Westpeene. Hier liegt der offizielle Flusskilometer 0. Von hier aus fließt die Peene mehr als 100 km durch naturnahe Landschaften und Naturschutzgebiete in Vorpommern, bis sie schließlich ins Oderhaff mündet.

Für Wanderpaddler luxuriös: Es gibt keine Schleusen oder sonstige Hindernisse. Einfach Einsetzen und tagelang Paddeln – hier ist kein Umtragen nötig. Die Natur im Peenetal ist einzigartig in Deutschland. Wasserflächen, Röhrichte, Gehölze und Verlandungszonen wechseln sich ab. Diese Strukturvielfalt bietet Raum für Tierarten, die europaweit sehr selten geworden sind, wie zum Beispiel Fischotter, Biber, verschiedene Adlerarten und Wasservögel. Hier gibt es sogar noch Flussneunaugen, seltene Süßwassermuscheln und Libellenarten wie die Grüne Mosaikjungfer.

Über den Kummerower See bis zum Wasserwanderrastplatz Trittelwitz

Von Malchin aus paddelt man zuerst den Peenekanal bis zum Kummerower See hinunter. Den See sollte man möglichst am Ostufer bepaddeln. Hier findet man in regelmäßigen Abständen Rast- und Campingplätze. Vorsicht bei Wind: Es bauen sich schnell unangenehme Wellen auf. Aufgrund der langen Stellnetze muss man auch manchmal weiter auf den See hinaus als einem lieb ist. Bei schönem Wetter ist der See allerdings traumhaft. Die Ufer sind unverbaut, es gibt nur einige kleine Örtchen und der Massentourismus ist hier noch lange nicht angekommen. Am Nordufer bei Aalbude beginnt die eigentliche Flusspeene. Ab hier paddelt man durch eine nahezu unberührte Landschaft mit kilometerlangen Schilfufern und Erlenbruchwäldern. Bei Dämmerung kann man mit etwas Glück Biber beobachten. Man sollte aber nicht versuchen an die Tiere heranzupaddeln, um sie nicht zu stören. Kurz vor Kilometer 25 liegt hinter einer kleinen Insel der idyllische Rastplatz Trittelwitz.

Ehemalige Torfstiche beherbergen seltene Tierarten

Von Trittelwitz bis zur kleinen Stadt Demmin, immerhin mit Bahnhof, sind es nur noch etwa 8 Kilometer. Hier münden die Tollense und die Trebel in die Peene und insbesondere die Trebel lohnt sich für ausgedehnte Abstecher. In Demmin gibt es auch einen Wasserwanderrastplatz, den man als Basislager nutzen kann. Auf der Tour von Demmin bis zum Wasserwanderrastplatz in Alt Plestlin zweigen rechts und links immer wieder kleine Seen ab. Hier handelt es sich meist um alte Torfstiche. Torf wurde noch im Zweiten Weltkrieg als wichtiges Brennmaterial in großen Mengen abgebaut. Heute sind diese Nebengewässer besonders für den Naturschutz wichtig. Fischotter ziehen hier zum Beispiel ihre Jungen auf. Auch Wasser- und Greifvögel finden hier Rückzugsgebiete.

Artenreiche Feuchtwiesen und Moore

Von Alt Plestlin geht es weiter bis Flusskilometer 74 die Peene hinunter. Kurz danach mündet auf der linken Seite die Swinow ein. Etwa 1,5 Kilometer die Swinow hoch kommt man zum Kanuverein Gützkow. Wer nicht immer nur zelten möchte, kann hier im schönen reetgedeckten Bootshaus übernachten. Von hier aus lohnen sich Wanderungen in das Naturschutzgebiet Peenewiesen bei Gützkow. Eine Besonderheit sind die heute selten gewordenen artenreichen Feuchtwiesen mit bedrohten Pflanzen wie Trollblumen und Orchideen. Von Gützkow aus paddelt man weiter bis zum Wasserwanderrastplatz in Anklam. Anklam ist die größte Stadt auf dieser Tour. Sie liegt inmitten des Naturschutzgebietes Peenetalmoor. Landausflüge lohnen. Zum Beispiel die wieder vernässten Polder westlich von Anklam. Hier gibt es eine artenreiche Vogelwelt zu bestaunen.

Organisation der Paddeltour

Die Westpeene kann bereits ab dem Malchiner See befahren werden. Malchin selbst eignet sich aber besser als Startpunkt einer selbst organisierten Tour, da sich ein Bahnhof nahe der Einsatzstelle befindet. Weitere Ziel- oder auch Startpunkte mit Bahnhof sind Demmin und Anklam. In regelmäßigen Abständen gibt es Rastplätze mit Übernachtungsmöglichkeit. Man kann hier mit gelegentlichen Landausflügen problemlos zwei Wochen verbringen. Die Peene hat zwar keine bemerkenswerte Strömung, der Wind kann aber sehr stark werden. Bei vorherrschendem Ostwind sollte man seine Tour lieber in Anklam starten. In Anklam gibt es eine Kanustation, die einem die komplette Tour inklusive Leihboote und Transfers organisieren kann. Wenn man nicht soviel Zeit hat, gibt es auch eine besonders schöne Tagestour zum Einstieg: Etwa 10 Kilometer Peene-aufwärts von Anklam zum Rastplatz Stolpe paddeln. Die alte Klostersiedlung Stolpe ist einen Rundgang wert. Von hier aus geht es dann zu Fuß oder mit dem Rad durch das Naturschutzgebiet im Peenetal zurück nach Anklam. Eine gute Informationsquelle zu Fauna und Flora ist der Verein „Naturschutz im Peenetal“.

Anke Pfistner, Anke Pfistner

Anke Pfistner - Nach meinem Studium der Elektrotechnik in Hamburg-Harburg und Karlsruhe hatte ich verschiedene Jobs in den Bereichen Umwelt und Technik. ...

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