
- Professor Kerbl - kages
Die Autorin sprach mit Professor Dr. Reinhold Kerbl, Leiter der Abteilung für Kinder und Jugendliche am LKH Leoben-Eisenerz, über die Forderungen der „Resolution 2009“.
Suite101: Herr Prof. Kerbl, wofür steht die Plattform "Politische Kindermedizin"?
Professor Kerbl: Wir sind eine multidisziplinäre Gruppe – Ärzte, Kinderpsychiater, Sozialpädagogen, Elternvertreter usw. –, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gegen noch bestehende Defizite in der österreichischen Kindermedizin einzutreten. Politische Kindermedizin nennen wir uns deshalb, weil Veränderungen nur über politische Maßnahmen möglich sind, wie Gesetzesänderungen bzw. -anpassungen. In der Resolution 2009 haben wir acht wichtige Forderungen niedergeschrieben, und ersuchen die politischen Verantwortungsträger, sich für die Behebung der Mängel im Parlament einzusetzen.
Suite101: Eines Ihrer wichtigsten Ziele ist die Kostenfreiheit von Therapien für Kinder und Jugendliche…
Professor Kerbl: Ja, der Punkt ist uns deshalb so wichtig, weil Kinder nicht für sich selbst entscheiden können, ob sie Therapien – die im niedergelassenen Bereich großteils selbst zu zahlen sind –, wie die Physio-, Ergo, Logo- und Psychotherapie, in Anspruch nehmen. Ihre Eltern wollen bzw. können sie sich leisten oder eben nicht. Wenn nicht, wird jedoch das Recht des Kindes auf eine notwendige Therapie verletzt! Wir setzen uns auch deshalb dafür ein, dass die UN-Kinderrechtskonvention in die Verfassung aufgenommen wird.
Suite101: Welche Ihrer Forderungen betreffen die in der täglichen Routine arbeitenden Kollegen?
Professor Kerbl: In der österreichischen Pädiatrie fehlt es an Rechtssicherheit: Für eine Entscheidung, die wir heute als Arzt nach bestem Wissen und Gewissen treffen – z.B. die Beendigung, aber auch die Nichtbeendigung, der Therapie eines schwerst kranken Kindes – kann es sein, dass wir über ein höchstgerichtliches Verfahren in zehn Jahren verurteilt werden, weil die Eltern z.B. die aus der Krankheit resultierende Behinderung des Kindes einklagen. Wir würden uns hier eine Institution wünschen, bei der der Arzt in konkreten Situationen anfragen kann, um unmittelbare Rechtssicherheit herzustellen. Diese müsste dann unumstößlich sein.
Ein rechtliches Problem ergibt sich auch daraus, dass wir in der Pädiatrie bei Medikamenten in vielen Bereichen einen off-label-use haben. D.h. sie sind zwar zugelassen, aber nicht für Kinder. Wir Ärzte müssen die Medikamente in vielen Fällen verwenden, sind aber dann selbst für die Therapie und ev. daraus resultierende Nebenwirkungen oder gar Schäden verantwortlich. In solchen Situationen fühlt man sich als Behandler oft schon ziemlich allein gelassen!
Suite101: Was erhoffen Sie sich von der Resolution 2009?
Professor Kerbl: Dass einige der uns wichtigen Forderungen von einer politischen Partei zumindest als Entschließungsantrag im Parlament eingebracht und diskutiert werden. Und dass zumindest für den einen oder anderen Punkt ein Initiativantrag, der für die politische Umsetzung notwendig ist, gestellt wird. Auf diese Weise könnte die Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche weiter verbessert werden.
