Vierhundert Jahre lang, von 1517 bis 1917, war Palästina - das damals noch aus den Gebieten westlich und östlich des Jordans bestand - Teil des Osmanischen Reiches. Während dieser Zeit stellte es keine eigenständige politische Einheit dar, hatte keine eindeutigen Grenzen.
Das änderte sich nach dem Ersten Weltkrieg: Die Briten hatten Palästina 1917 von den Türken erobert, 1922 übertrug der Völkerbund Großbritannien das Mandat über Palästina. Im Jahr darauf wurde das Gebiet östlich des Jordans als „Emirat Transjordanien“ von Palästina abgetrennt, fortan wurde unter dem Begriff „Palästina“ ein etwa 30.000 Quadratkilometer großer Landstreifen zwischen Mittelmeer und Jordan verstanden.
Jüdische Minderheit
Unter osmanischer Herrschaft war Westpalästina vorwiegend von muslimischen Arabern bewohnt, die jüdischen Einwohner bildeten lange Zeit eine kleine Minderheit. Für Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Bevölkerungszahl mit etwa 500.000 angegeben, von denen nur rund 30.000 oder sechs Prozent Juden waren.
Mit dem gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Mittel- und Osteuropa aufkommenden Zionismus begann jedoch eine immer stärker werdende Einwanderung von Juden nach Palästina, so dass der Anteil der jüdischen Bewohner zu Beginn der dreißiger Jahre bei knapp siebzehn Prozent der Gesamtbevölkerung lag.
Einwanderungswellen
Die zionistisch motivierte, zahlenmäßig bedeutende Einwanderung von Juden nach Palästina begann im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Sie verlief in mehreren großen Wellen, die im Allgemeinen als „Alijoth“ (Sg. :“Alijah“) bezeichnet werden.
Bis zu Beginn der dreißiger Jahre gab es vier große Einwanderungswellen, mit denen insgesamt etwa 175.000 Juden ins Land kamen, die allermeisten stammten aus Russland und Polen. Auslöser waren häufig Antisemitismus und Pogrome in Osteuropa, jedoch entsprang die Motivation eines großen Teils der Einwanderer auch und vor allem der neu aufgekommenen zionistischen Ideologie. Sie hofften, in „Erez Israel“ einen sicheren Zufluchtsort, eine eigene jüdische Heimstätte mit einer unabhängigen jüdischen Kultur zu schaffen.
Die meisten dieser frühen Einwanderer waren sozialistisch eingestellt, der Idealtyp war – vor allem seit der dritten Alijah – der „Chaluz“, der Pionier, der das Land mit der Arbeit seiner eigenen Hände und unter großen Entbehrungen kultivierte und bewohnbar machte, der den Dienst für die Gemeinschaft über die eigenen Bedürfnisse stellte.
Der Anteil der Einwanderer aus Deutschland im Rahmen der ersten bis vierten Alijah war äußerst gering - bis 1932 hatten sich lediglich etwa 2.000 Juden aus Deutschland entschlossen, nach Palästina auszuwandern. Bei einer jüdischen Gesamtbevölkerung von etwa 175.000 lag der Anteil der deutschstämmigen Bewohner 1932 somit bei gut einem Prozent.
Pionierarbeit
Die Einwanderer der ersten vier Alijoth hatten die Basisarbeit beim Aufbau des Jischuw geleistet. Sie hatten Sümpfe trockengelegt, große Flächen landwirtschaftlich nutzbar gemacht, Städte und rund einhundert landwirtschaftliche Siedlungen gegründet sowie mit dem Aufbau von Industrie begonnen. Zu Beginn der dreißiger Jahre wohnten die meisten von ihnen längst in Häusern statt in Zelten, es gab elektrischen Strom, Busse und Eisenbahnen.
Das Parteienspektrum war breit, die Mandatsregierung hatte eine jüdische Selbstverwaltung anerkannt. Die hebräische Sprache lebte wieder. Das kulturelle Leben in jener Zeit wird mit Vorträgen, Theater-, Konzert- und Opernaufführungen als „überaus reich“ beschrieben, und sowohl ein hebräisches Schulsystem als auch ein Pressewesen hatte sich bis zum Beginn der 1930er Jahre in Palästina etabliert - bis zu der Zeit also bereits, als die große Welle jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland Palästina erreichte.
