
- Der Schmerzkreis - Jörg Hebing
Was Tumorpatienten am meisten fürchten, sind die bevorstehenden Schmerzen in den letzten Monaten und Wochen ihres Lebens. Mit einer angemessenen Schmerzversorgung lässt sich für todkranke Menschen, aber auch für chronisch erkrankte Patienten mit fortschreitenden degenerativen Krankheiten ein Leben ermöglichen, dass nicht allein von Schmerz bestimmt ist.
Ursprung der „Palliative Care“
Das lateinische Wort „pallium“ bedeutet Mantel und steht für beschützen, umhüllen. Die spezielle Schmerztherapie und die Palliativmedizin sind noch recht junge Spezialgebiete der Medizin. Und auch erst seit 2004 legt ein so genannter Expertenstandard in Deutschland Richtlinien fest für das Schmerzmanagement in der Krankenpflege.
„Palliative Care“ hat sich aus Initiativen der in den 1960er Jahren in Großbritannien entstandenen Hospizbewegung entwickelt. Die Sozialarbeiterin, Krankenschwester und spätere Ärztin Cicely Saunders gründete damals das erste „Hospiz“ und bald darauf den ersten palliativen Hausbetreuungsdienst. Sie wollte nicht länger hinnehmen, dass schwerstkranke Menschen in den Kliniken unter unmenschlichen Bedingungen starben, weil niemand die Symptome behandelte, die Schmerzen linderte und keiner die Sterbenden psychosozial begleitete.
Damit sind auch die Grundpfeiler genannt, auf der palliative Pflege beruht: Schmerz- und Symptomkontrolle sowie Begleitung. Die Symptome – wie zum Beispiel Schmerzen – werden umfassend behandelt und weitestgehend gelindert – das unterscheidet palliative von curativer, also heilender Therapie. Und so können auch Patienten, die unter degenerativen Krankheiten mit hoher Schmerzsymptomatik leiden von palliativer Medizin profitieren. Ergänzt wird Palliativ-Medizin durch Hospizarbeit: Unheilbare Patienten mit geringer Lebenswartung werden zusammen mit ihren Angehörigen in jeder Hinsicht unterstützt – sozial, psychologisch und spirituell. Der Patient entscheidet, ob er bis zu seinem Tod zu Hause, auf der Palliativ-Station einer Klinik, in einem Hospiz oder Tages-Hospiz leben möchte.
Hospizbewegung in Deutschland
Zu Hause möchten die meisten Menschen (rund 90 Prozent) sterben. Die Realität aber sieht anders aus, denn schätzungsweise 50 Prozent sterben im Krankenhaus und weitere 20 Prozent im Pflegeheim. In den vergangenen Jahren haben sich in Deutschland viele Initiativen entwickelt, die es den Menschen ermöglichen sollen, umfassend betreut und begleitet die letzten Wochen ihres Lebens zu verbringen.
In den vergangenen 20 Jahren bildete sich hierzulande dem britischen Beispiel folgend die so genannte Hospizbewegung. Durch den unermüdlichen Einsatz ehrenamtlich arbeitender Menschen entstanden so mehr und mehr Hospize und Hospizdienste.
Der Begriff Hospiz hat sich gewandelt: Lange Zeit waren Hospize Herbergen für Durchreisende, heute sind sie für Sterbende die letzte Herberge. Entsprechend wohnlich und einladend sind die Häuser auch konzipiert. Alles, was Krankenhaus-Atmosphäre schafft, wird in einem Hospiz möglichst vermieden – bis auf die für den Sterbenden notwendige medizinische und pflegerische Ausstattung. In einem Hospiz arbeiten interdisziplinäre Teams, die sich zusammensetzen aus Pflegepersonal, Ärzten, Sozialarbeitern, Psychologen, Psycho- und Physiotherapeuten und freiwilligen Begleitern. Auf Wunsch und je nach Konfession stehen auch Vertreter aller Glaubensrichtungen für Gespräche zur Verfügung. Manche Hospize bieten auch die Möglichkeit, Patienten nur tagsüber zu versorgen.
Ambulante Palliativpflege- und Hospizdienste kommen zu den Patienten nach Hause. Auch hier betreuen Teams aus Fachkräften der schon genannten Bereiche. Ohne den Einsatz von ehrenamtlichen Helfern wäre das ganzheitliche Versorgungskonzept mit einer persönlichen Begleitung von Patient und Familie aber ebenso undenkbar wie auf den Pallitativstationen von Krankenhäusern und in Hospizen.
So findet man Hospize, Palliativstationen, teilstationäre und ambulante Palliativ- und Hospizdienste
Die Deutsche Hospiz Stiftung ist mittlerweile zu einer Organisation gewachsen, die sich stark macht für den Patientenschutz von Schwerstkranken und Sterbenden. Sie bietet auf ihrer Internetseite unter anderem auch ein Verzeichnis von Hospizdiensten – ambulante und stationäre.
Fünf weitere Vereine, der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V., die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), der Verein „eigenes leben - Hilfen für Kinder mit Schmerzen oder lebensverkürzenden Erkrankungen e.V.“ und schließlich die Deutsche Krebshilfe e.V. betreiben gemeinsam ein Verzeichnis mit Postleitzahlen-Suchfunktion.
Die Menschen, die sich in Palliativ-Medizin, in Palliativ-Pflege und in der Hospizarbeit engagieren, definieren diese Bereiche immer als Gesamtkonzept, das nur einem Ziel dient: der Verbesserung und Erhaltung von Lebensqualität bis zum Tod, nicht aber der Lebensverlängerung um jeden Preis. Damit verstehen sie palliative Pflege und hospizliche Begleitung aber auch als eine deutliche Absage an die aktive Sterbehilfe.
