Pandemien - Von der Antike bis zum Mittelalter

Geschichten von Leid, Elend und vielen Toten

Infektionskrankheiten hielten die Welt schon früher in Atem. Insbesondere die, im Vergleich zu heute, schlechte medizinische Versorgung war dabei ein Problem.

Ob sich die, derzeit vor allem in Mexico, grassierende Schweinegrippe tatsächlich zu einer Pandemie, also zu einer globalen Ausbreitung der Infektionskrankheit entwickelt, ist noch nicht sicher. Tatsache ist, dass es in der Weltgeschichte einige solcher Beispiele mit verheerenden Ausmaßen gibt. Insbesondere der Pest, die durch das Bakterium Yersinia pestis hauptsächlich über Rattenflöhe übertragen wird und in verschiedenen Varianten auftreten kann, fielen im Lauf der Jahrhunderte Millionen von Menschenleben zum Opfer.

Die Antoninische Pest

Die Infektionskrankheit beherrschte von 165 - 180 n. Chr. fast das gesamte Römische Reich. Entgegen ihrer Namensgebung war diese wohl eine Form der Pocken oder der Masern und nicht der Pest an sich. Vermutlich schleppten heimkehrende Legionäre die Erreger aus dem damaligen Mesopotamien ein, einem Gebiet, das man geographisch heute im mittleren Osten, genauer im Irak, Syrien und der Türkei ansiedeln kann. Die seinerzeit moderne Verkehrsinfrastruktur im Römischen Reich, die auf der ganzen Welt bewundert wurde, sorgte dafür, dass sich die Krankheit sehr schnell und weitläufig ausbreiten konnte. Über den Seeweg teilweise bis nach Britannien vorgedrungen, forderte sie insgesamt, Schätzungen zufolge, sieben bis zehn Millionen Tote und stürzte das Reich in ein tiefes Chaos. Inwieweit diese Pandemie zu gravierenden politische Destabilisierungen innerhalb des Römischen Reiches und schließlich zur Reichskrise im 3. Jahrhundert n. Chr. geführt haben könnte, ist umstritten.

Die Justinanische Pest

Ihren Anfang nahm diese Pandemie, die nach dem damaligen oströmischen Herrscher, Kaiser Justinian I. benannt wurde, im Jahre 540 n. Chr. in Ägypten. Es wird vermutet, dass es damals die Beulenpest war, die sich vom nordöstlichen Afrika bald über den gesamten Mittelmeerraum ausbreitete. Die am stärksten betroffenen Länder waren Tunesien, Italien und Spanien. Auch im damaligen Gallien, einem Gebiet im heutigen Süden Frankreichs und dem Einzugsgebiet des Rheins, breitete sich die Infektionskrankheit aus. Infolge des erstmaligen Vorkommens im Jahre 540 gingen von da an, bis in das 8. Jahrhundert hinein, mehrere Pestwellen über den Europäischen Kontinent. Auch deshalb ist die Zahl der Todesopfer, die diese Pandemie forderte, nicht bekannt.

Der Schwarze Tod

Dieser Seuchenzug dauerte von von 1347 bis 1353 an, forderte Millionen von Todesopfern und brachte Schrecken über ganz Europa sowie Teile Asiens und Afrikas. Alles begann mit einer schweren Epidemie in China, die dort Schätzungen zufolge 60 Prozent der Bevölkerung forderte. Über die genauen Krankheitsauslöser sind sich die Forscher uneins. Eine Theorie besagt, dassYersinia pestis Bakterien von Ratten, die über Schiffe nach Europa kamen, eingetragen wurden. Gegner dieser Theorie führen an, dass die Krankheit, nach Berichten von Zeitzeugen, direkt von Mensch zu Mensch übertragen wurde, was auch eine Erklärung für die rasante Ausbreitung sei. Nach ihrem Ausbruch in Asien bahnte sich die Krankheit ihren Weg nach Europa und wurde damit zu einer pandemischen Bedrohung für die dortige Bevölkerung. Dabei breitete sie sich nicht gleichmäßig aus. Teile Polens, Belgiens und Prag blieben sogar fast vollständig verschont. In anderen Orten hingegen, zum Beispiel in Florenz in Italien, starben rund vier fünftel der Einwohner. Vor allem Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten waren, infolge der schlechteren Hygienebedingungen, von den letalen Auswirkungen der Pandemie betroffen. Die Gesamtzahl der Todesopfer wird auf rund 25 Millionen geschätzt. Neben den demographischen Folgen zog die Pandemie im damaligen Europa auch soziale Unruhen nach sich, ausgelöst durch den Gedanken, die Krankheit sei bewusst über die Leidtragenden gebracht worden. Insbesondere die jüdische Bevölkerung wurde damals verdächtigt. Die beschränkte medizinische Kenntnis in der damaligen Zeit sowie die Abergläubigkeit vieler Menschen sorgte dafür, dass sich viele bald fürchteten einander nur anzusehen, da in manchen Kreisen vermutet wurde, dass die Krankheit schon bei bloßem Blickkontakt übertragen werden könne.

Pandemien wirkten sich früher besonders verheerend aus

Im Gegensatz zu heute war das medizinische Wissen in der antiken Zeit, bis ins Mittelalter hinein, sehr gering. Deshalb und auch wegen den schlechten Wohn- und damit auch Hygienebedingungen, unter denen ärmere Bevölkerungsschichten, die früher einen weitaus größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung Europas ausmachten, lebten, fielen den dargestellten Pandemien enorm viele Menschenleben zum Opfer. Sie lösten soziale Unruhen, Aberglauben und massive Fluchtbewegungen aus und veränderten oft die gesamte Bevölkerungsstruktur in den betroffenen Gebieten. Auch heute blickt die Welt wieder sorgenvoll auf die Problematik der Schweinegrippe, die vor allem in Mexico dramatische Auswirkungen zeigt. Fest steht jedoch, dass wir heutzutage weitaus besser gewappnet sind, als die Menschen, die von den großen Pandemien von der Antike bis zum Mittelalter betroffen waren.

Simon Strauch, Simon Strauch

Simon Strauch - Geboren und aufgewachsen in Wuppertal. Interesse an fremden Kulturen durch ausgedehnte Reisen nach der Schulzeit geweckt. Mittlerweile ...

rss