
- Spirale der Angst - Lopatina Kristina
Angst und Furcht erlebt jeder Mensch in bestimmten Lebenssituationen. Sollte diese Angst jedoch die Fähigkeit im alltäglichen Leben zurechtzukommen beeinflussen, dann wird sie zu einem Problem und es wird von einer Angststörung gesprochen. Wird eine Person wiederholt von plötzlichen Panikattacken geplagt, dann handelt es sich um eine Panikstörung. Die Attacken beginnen ganz unerwartet mit einem starken Gefühl der Angst, die sich in Panik verwandelt und die Betroffenen lähmt. Begleitet wird der Angstzustand auch von körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwindel, Benommenheit oder auch von dem Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Egal wie schwer eine Panikattacke ist, die Dauer beträgt normalerweise nur wenige Minuten. Wenn eine Person einmal eine, auf den ersten Blick unbegründete Unruhe ohne konkreten Auslöser gehabt hat, fängt sie an, sich darüber Sorgen zu machen, von einer weiteren Attacke befallen zu werden. Die Angst vor einer erneuten Befangenheit kann dazu führen, dass tatsächlich weitere Attacken ausgelöst werden.
Agoraphobie, die Angst vor der Öffentlichkeit
Oft tritt eine Panikstörung gemeinsam mit Agoraphobie auf. Agoraphobie ist die Angst vor öffentlichen Plätzen und großen Räumen, wo ein Zurückziehen peinlich wäre oder nicht möglich ist. Sich peinlich zu machen in der Öffentlichkeit, ist eines der größten Ängste der Betroffenen. Sie haben Angst, sich oder ihren Körper plötzlich nicht mehr unter Kontrollen zu haben und sich dadurch vor anderen Menschen zu blamieren. Der Zusammenhang zwischen einer Panikattacke und Agoraphobie besteht darin, dass Menschen, die an Panikattacken leiden, sich ausgeliefert fühlen und Angst davor haben, die Kontrolle über sich selbst vor fremden Mitmenschen zu verlieren. Das kann dazu führen, dass die Betroffenen sich nicht mehr trauen ihr sicheres Zuhause zu verlassen. Um Angst- und Panikstörungen behandeln zu können, sollte erst einmal die Ursache herausgefunden werden. Panikattacken scheinen nur auf den ersten Blick plötzlich und unbegründet aufzutreten. Mehrere Faktoren können zusammenspielen, um eine Attacke auftreten zu lassen.
Biologisches Modell der Angststörung
Der biologische Ansatz geht davon aus, dass Angststörungen biologische Ursachen haben. Die Bereitschaftshypothese besagt, dass Menschen, evolutionär bedingt, eine Tendenz dazu besitzen, auf ehemals bedrohliche Reize schnell und automatisiert zu reagieren. Bei einer Panikattacke allerdings, reagiert der Körper über und es kommt zu einem Schwindelgefühl und Benommenheit. Aber auch bestimmte Substanzen können Panik auslösen oder sie dämpfen. Zum Beispiel kann die Verringerung vom Neurotransmitter GABA im Gehirn ein starkes Gefühl der Angst hervorrufen.
Psychodynamisches Modell der Angststörung
Der psychodynamische Ansatz besagt, dass die Symptome der Angststörungen durch zugrunde liegende Ängste und psychische Konflikte ausgelöst werden. Demzufolge versuchen diese Symptome, die Betroffenen vor psychischem Schmerz zu bewahren. Panikattacken sind somit das Ergebnis von Konflikten im Unterbewussten, die plötzlich durch einen kleinen Auslöser an die Oberfläche treten. Ein Auslöser kann alles sein, was mit dem Konflikt in Verbindung gebracht wird. Da dies unterbewusst geschieht, ist es oft schwer die wahre Ursache zu finden.
Behavioristisches Modell der Angststörung
Bei diesem Modell gehen die Forscher davon aus, dass ein anfangs neutrales Objekt oder neutrale Situation zu einem Angstauslöser werden kann, wenn dieses Objekt mit einer Angst auslösenden Erfahrung gepaart wird. Je öfter gepaart wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser Gegenstand im späteren Leben mit Angst verbunden sein wird. Wenn eine Mutter in Anwesenheit ihres kleinen Kindes, zum Beispiel jedes Mal laut schreit, wenn sie einen bestimmten Gegenstand sieht, dann kann das Kind gegenüber diesem Objekt eine Angststörung entwickeln.
Kognitives Modell der Angststörung
Der kognitive Ansatz beschäftigt sich mit den Einstellungen und Wahrnehmungen, welche die Einschätzung einer Gefahr durch eine Person verzerren. Die Person überschätzt oder unterschätzt die Situation und kann sie nicht erfolgreich bewältigen. Zum Beispiel, wenn die Person einen Vortrag halten muss und alles schief läuft, kann es passieren, dass beim nächsten Mal wieder alles schlecht läuft, nur weil die Angst vor dem Vortrag und alles, was falsch laufen könnte, so groß war. Damit drängen sich die Menschen selbst in eine Spirale der Angst, denn ihre Bestätigung, dass alles schief laufen wird, wird immer wieder aufs Neue bestätigt.
Alle vier Modelle können dazu beitragen, die Angst- und Panikstörungen zu verstehen, um sie schließlich kurieren zu können. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, möglichst viele Ursachen herauszufinden. Eine oberflächliche Therapie, die nur die offensichtlichen Symptome behandelt, kann vorübergehend zwar hilfreich sein, wird aber langfristig gesehen nicht empfohlen, da die Panikstörung jederzeit wieder auftreten kann.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
Quelle: Gerrig & Zimbardo (2008). Psychologie. (18. akt. Aufl.). München: Pearson Studium
