Papageien nie allein halten: Partnerschaftsagentur für Papageien

Pia und Tobi in der Papageienvermittlung - Rita Ohnhäuser
Pia und Tobi in der Papageienvermittlung - Rita Ohnhäuser
Der Papagei ist ein Schwarmvogel - wird aber oft allein gehalten und vereinsamt so. Abhilfe bringt Rita Ohnhäusers Partnerschaftsvermittlung für Papageien.

Welche Geschichte würden Pia und Tobi wohl erzählen, wenn sie sprechen könnten? Die eine zehn, der andere sieben Jahr alt, sind sie erst vor kurzem aufeinander getroffen und haben sich in ihrem so ähnlichen Schicksal gegenseitig getröstet: Pia ist eine Verstoßene, Tobi litt unter einem Rabauken, der ihn so schwer verletzte, dass Gelbbrust-Ara Tobi seitdem nicht mehr kann, was er für sein Leben gerne täte: sich in die Lüfte erheben und einfach fliegen. Gott sei Dank, dass es Pia gibt. Und Rita. Pia, die jetzt tagein, tagaus neben ihm hockt, und Rita aus Großziethen im Süden Berlins. Rita, die Frau um die 50, die die beiden zusammengeführt hat in ihrer Partnerschaftsvermittlung für Papageien.

Papageien mögen keine Zwangsheirat

Man kann ja viele Einfälle in seinem Leben haben, die deshalb noch lange nicht umgesetzt werden. Aber wohl zu keiner Minute hat Rita Ohnhäuser daran gedacht, dass sie und ihre Schützlinge einmal würden berühmt werden! Und das alles wegen einer bedauernswerten Amazone, die sie vor 15 Jahren aus einer Berliner Tierhandlung nach Hause brachte: „Das arme Tier war völlig verstört und zeigte große Angst.“ Geduldige Zuwendung beruhigte den Vogel – aber nur, solange Ohnhäuser in der Wohnung war: allein gelassen, erwachte seine Panik.

Das Tier entwickelte sich zu einem Pflegefall. „Ich habe ihm dann eine Gefährtin in den Käfig gestellt, eine Blaustirnamazone, das half: Drei Monate ging‘s gut mit den beiden.“ Dann zog der Alltag ein in die Beziehung: Die Amazonen gerieten sich ins Gefieder. Und Ohnhäuser vermutete, weil sich die beiden gegen ihre Zwangsehe, wie das bei Vögeln wohl heißen muss, sträubten.

Von der Vermutung zum Wissen ist es ein Stück Weg. Ein Weg, der in ihrem Fall Mut benötigte. Man kann sich förmlich die an die Stirn pochenden Zeigefinger vorstellen, die Ohnhäuser zu sehen bekam, wenn sie mit ihrer Absicht herausrückte: „Ich gründe eine Dating-Agentur für Papageien.“ Eine Partnerschaftsvermittlung, die, man mag es kaum glauben, dringend notwendig ist: Aus der ganzen Republik reisen mittlerweile die Müllers und Meiers an, um ihrer Lore ein Männlein und ihrem Papageno, Entschuldigung: ihrem Papagei, ein Mädchen oder Weibchen auf die Stange, sprich: in die Voliere zu stellen.

Papageien brauchen Zuwendung

Es geht turbulent zu bei Ohnhäusers! Gut 140 Papageien in bester Stimmung können schon einen Lärmpegel verursachen. Von den nahen Feldern jagen dann die Großziethener Spatzen heran und äugen, was da wohl los ist. Und manchmal kommen sie in Begleitung: „Jedes Jahr können wir sechs, sieben Wellensittiche anlocken, die ihren Eigentümern entwichen sind“, sagt Ohnhäuser und bestätigt die Beobachtung, die der Autor selbst einmal gemacht hat, dass nämlich Wellensittiche durchaus Unterschlupf finden in einem Spatzenschwarm. „Die Sittiche lernen sogar die Flugkunststücke der Spatzen!“

In den seltensten Fällen aber kommen die Vögel selbst, sondern werden gebracht – aus unterschiedlichen Gründen. „Papageien brauchen Zuwendung“, sagt Ohnhäuser, „doch nicht jeder bringt die Zeit und Geduld dafür auf. Wir bekommen kranke Tiere, Tiere mit Einsamkeitssymptomen, und manchmal ist ein Vogel dabei, dessen Besitzer gestorben ist. Das alles sind unsere freien Vögel, also die Vögel, die vermittelt werden können.“ Und wie läuft das Verkuppeln ab? „Ach, verkuppelt wird gar nicht – die Tiere finden von selbst zueinander.“

Weil eine Geschlechtsbestimmung teuer ist, lässt Ohnhäuser nur ihre freien Großpapageien untersuchen. Und wenn, nennen wir ihn mal: Herr Meier seinen Aladin bringt, um ihm eine neue Freundin zu spendieren, dann zieht Aladin, das Männchen, in die Voliere zu den Damen – und zugleich das große Los: freie Auswahl!

Agaporniden und die Liebe auf den ersten Blick: Auch Papageien beherrschen diese Kunst

Papageien leben monogam, Agaporniden heißen sie deshalb auch, die Unzertrennlichen. Und als ob sie um die Verantwortung wüssten – drum prüfe, wer sich ewig bindet –, lassen sich die Papageien Zeit. Es gibt aber auch die von der flinken Truppe, die keine drei Monate suchen, sondern sich Hals über Kopf verlieben. „Liebe auf den ersten Blick? Die findet sich bei Papageien genauso wie bei den Menschen“, sagt Ohnhäuser und beschreibt die Zeichen der Liebe, die sich Papageien schenken: „Sie füttern sich gegenseitig, putzen sich das Gefieder und flirten mit aller Hingabe. Wenn es soweit ist, wissen wir, unser freier Vogel wurde ‚gefreit‘.“ Und dann heißt es für den freien Vogel Abschied nehmen von der Agentur Ohnhäuser. „Der auserkorene Vogel bekommt ein neues Zuhause: bei seinem Partner.“

Die Vermittlung selbst ist kostenlos. Aber Ohnhäuser freut sich und ist dankbar über jede Spende, denn Futter, Arztbesuch, Medikamente und Haltung gehen ins Geld. All die Arbeit kann sie auch deshalb nur machen, weil ihr ehrenamtliche Helfer zur Seite stehen, wie zum Beispiel Benjamin: Der 24-jährige Student kümmert sich um defekte Stangen, kaputte Volieren, füttert die Tiere oder holt Vögel ab, die als ‚Freie‘ in die Agentur vermittelt wurden. Und weil das nicht gerade wenige sind, hat Ohnhäuser auch keine E-Mail-Adresse mehr auf ihrer Website mitgeteilt: „Ich kann am Telefon besser beurteilen, wo das Problem liegt, und auch wesentlich schneller.“

Wer also eine zickige Amazone oder ein verkümmerndes Ara-Männlein zu Hause sitzen hat, darf sie anrufen, die Partnerschaftsvermittlung Ohnhäuser, Telefon 03379/370720. Denn es ist nicht gut, dass der Papagei allein sei.

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