Papua-Neuguinea – Im Hochland der Perückenmänner

In der Region Tari lebt das Volk der Huli nach uralten Traditionen

Papua-Neuguinea, Junge Huli-Braut - Bernd Keiner
Papua-Neuguinea, Junge Huli-Braut - Bernd Keiner
Vor siebzig Jahren drangen die ersten Europäer vor in die Hochebene von Tari. Dort entdeckten sie das Volk der Huli, eine der interessantesten Ethnien in Papua-Neuguinea.

In der Hochebene von Tari haben die Regenfälle der letzten Wochen den Boden völlig durchweicht und verschlammt. Es ist glatt und rutschig. Die Füße versinken im Morast. Unweit der Lakwanda Lodge kann man Frauen beim Kultivieren ihrer Gärten beobachten. Sie legen kleine runde Hügelbeete an, in die sie Taro und Süßkartoffel-Setzlinge pflanzen. Eine schwere Schweiß treibende Arbeit. Drei Ferkel saugen an den Zitzen einer schwarzweiß gefleckten Muttersau, die mit ihrem Rüssel die lockere Erde durchwühlt. Ein friedliches Bild. Hinter den Gärten befindet sich eine Bambushütte, vor der zwei Huli kauern. Sie sind dabei ein Feuer zu entfachen, in dem sie Bambussehnen blitzschnell über den gespleißten Ast eines Mangobaums ziehen. Die Reibungswärme bringt den trockenen Zunder aus Moos und Gras zum Glimmen. Dreimal kräftig pusten und eine kleine Flamme züngelt empor.

Perücken mit Federn des Paradiesvogels

Dann erscheint Chief Mathias, ein 87-jähriger Veteran, der noch die ersten Australier erlebt hat, die in den 1940-er Jahren die Hochebene von Tari für die Gegenwart erschlossen. Er trägt eine imposante Perücke aus Eigenhaar, in die getrocknete Gänseblümchen, Chrysanthemen und bunte Federn von Papageien und Paradiesvögeln eingeflochten sind. Sein Wort ist Gesetz und entscheidet bei Ehestreit, privaten Zwistigkeiten, Eigentumsdelikten und anderen Unstimmigkeiten des Stammes. Und er achtet vor allem darauf, dass die Förderzinsen des amerikanischen Exxon Mobil Konzerns gerecht an die Klane verteilt werden, auf deren Land neu entdeckte Gasfelder ausgebeutet werden.

Huli jagen mit Pfeil und Bogen

In einer Senke fließt ein breiter Bach. Eine fragile Brücke aus Bambus und Hartholz führt ans andere Ufer. Die fragile Konstruktion ist erstaunlich stabil und elastisch. Mit ihren aus dem Stamm der Black Palm geschnitzten Bogen demonstrieren zwei junge Burschen, ausstaffiert als Jäger ihre Schießkünste. Immerhin treffen sie auf vier Meter Entfernung eine Bananenstaude. Angeblich soll die durch einen Bambuspfeil verursachte Schusswunde tödlich sein. Das klingt nach starkem Tobak, denn Pfeilgift, wie es die Amazonas-Indianer verwenden, kennen die Huli nicht.

Initiations-Rituale gehören zur Huli-Kultur

Gut zwei Kilometer von Lakwanda entfernt, liegt mitten auf einer Waldlichtung die Hütte eines Bachelors, eines alten weisen Huli, der junge Männer in die Traditionen des Stammes unterweist. Sie bleiben solange bei ihm, bis sie ihre erste Perücke aus dem eigenen Haar angefertigt haben. Diese wird, verziert mit Federn und Blüten, in einer rituellen Zeremonie gesegnet, in dem der Alte Wasser aus einem Tümpel über sie sprenkelt. Das Ganze ist eine Art Initiation, durch welche die Burschen zu Männern werden. Bachelor Mark Tumbeakes kennt sein genaues Alter nicht, es dürfte aber zwischen 86 und 90 liegen. Auch er erinnert sich noch gut an die Ankunft der ersten Weißen – an den australischer Patrouillen-Offizier, die beiden Missionare und ihre einheimischen Träger aus der Küstenregion, die durch die Tari Gap in die Hochebene gelangten.

Frauen und deren Speisen sind Tabu

Der alte Huli lebt allein ohne Frauen, da er glaubt, dass diese die Welt der Männer negativ beeinflussen. In der Huli-Gesellschaft leben und speisen Männer und Frauen getrennt von einander in eigenen Quartieren. Mark Tumbeake hat zwar keine Zähne mehr, ist aber fit wie ein Turnschuh. Seine Eleven verbringen etwa achtzehn Monate in seiner Hütte. Während dieser Zeit dürfen sie weder Frauen sehen, noch Speisen von ihnen annehmen. Das gesamte Areal rund um die Hütte ist absolute Tabu-Zone. Der Tutor allein besorgt die notwendige Nahrung für sich und seine Schüler und schneidet ihnen nach bestandener Prüfung eigenhändig mit einem scharfen Bambusmesser die Haare vom Kopf.

Die Brautschau gehört zur Huli-Tradition

Am späten Nachmittag ist im Nachbardorf Brautpräsentation. Laut preist der Brautvater die Vorzüge seiner 20-jährigen Tochter an. Natürlich ist sie noch Jungfrau. Früher ein Muss, doch heute wird es nicht mehr gar so eng gesehen. Der Brautpreis beträgt 20 bis 30 Schweine. Zusätzlich erhält die Brautmutter 500 Kina (etwa 140 Euro) und speziell angefertigten Brautschmuck aus fossilierten Scheiben der Kinamuschel. Bei der Hochzeits-Präsentation dominieren die Farben Rot und Schwarz. Die Holzlatte, welche die Braut in den Händen hält, symbolisiert einen Spaten, mit dem die Braut später ihre eigenen Gärten anlegen wird. Heiraten erfolgt in der Regel mit dem Einverständnis der Braut.

Extremes Klima im Hochland von Papua-Neuguinea

Sämtliche Verwandten und Stammesangehörige tragen ihren Anteil Schweine dazu bei, sonst wäre es für den jungen Bräutigam unmöglich, die geforderten Ansprüche der Brauteltern zu erfüllen. Nach einem Jahr etwa zieht die Frau ins Frauenhaus und trägt dort ihr Kind aus. Die Geburt erfolgt in der Regel mit Hilfe von Hebammen, erfahrenen älteren Frauen, da die Krankenstationen oft sehr weit von den Huli-Siedlungen entfernt liegen. Überhaupt, die hygienischen Verhältnisse scheinen katastrophal zu sein. Kinder und viele Erwachsene leiden unter Erkrankungen der Atemwege, Rotznasen sieht man überall und Niesen gehört zum Alltag. Es liegt an dem abwechselnd feucht-heißen, neblig-kalten Klima im Hochland von Papua-Neuguinea.

Quellen: Papua New Guinea Tourism Promotion Authority in Port Moresby, eigene Recherche in Tari

Bernd Keiner, Reisejournalist; Fotograf und Filmem, Reiner Pohl

Bernd Keiner - Bernd Keiner, geboren in Wuppertal, Sternzeichen Schütze, ist Abenteurer und Globetrotter aus Leidenschaft. Nach abgeschlossenem ...

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