
- Parade, eine Züchtung aus den USA, 1953 - Albert Caspers
Die Rose, die Königin der Blumen, spielt seit Urzeiten für die Menschen eine bedeutende Rolle. Rosen wuchsen schon in den ägyptischen Gärten der Pharaonen. Eine der ältesten Darstellungen findet sich auf einem etwa 3500 Jahre alten Fresko in Knossos. Sappho, die griechische Dichterin, besang die Rose; und die Gelehrten sind uneins darüber, ob die griechische Insel Rhodos „Ort der Rosen“ heißt.
Die Rose, ein Dauerbrenner, nicht nur im Garten
Bildende Künstler und Dichter haben sich über Jahrhunderte hinweg wohl keiner Blume intensiver gewidmet als der Rose. Sie galt und gilt nicht nur als die schönste aller Blumen. Mit ihrer Symbolkraft ist sie ästhetischer und sinnlicher Genuss im Gefühlsleben der Menschen. Die Rose ist Ausdruck von Freundschaft, von Sympathie und von Liebe. Eine getrocknete Rose mit braun gewordenen Blütenrändern und verblasster Farbe trägt noch immer den Hauch einer vergangenen Liebesbotschaft mit sich.
Die Qual der Rosenwahl
Die blumenlosen Wintermonate sind prädestiniert für das Studium der Gartenkataloge, digital oder konventionell. Beschreibungen und Bilder versprechen im wahrsten Sinn das Blaue vom Himmel, beziehungsweise das samtigste Rot der Rose, Blütenfülle garantiert. Begehrlichkeiten sind längst geweckt! Aber es ist schier unmöglich sich im Sortenangebot der Rosen zurechtzufinden. Unglaubliche 38000 Sorten führt die größte Datenbank im Internet (helpmefind.com).
Vom Steckling zur Pflanze
Die gärtnernden Vorfahren hatten in der Regel kein Geld für teure Neupflanzen. Stecklinge wanderten ein, wurden stibitzt, getauscht oder großzügig verschenkt. Mit viel Geduld und gärtnerischer Neugier, ein bisschen „krimineller“ Energie und dem sagenhaften „grünen Daumen“ gelingt dem heutigen Rosenliebhaber dieser umgekehrte Weg auch. Der Steckling, aus der blühenden Gartenhecke herausgeschnitten, in einen Topf gepflanzt, wächst im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Rosenbusch heran. Mit Forschungsdrang und Glück gelingt sogar die Identifikation der Züchtung. In diesem Fall handelt es sich um die Parade.
Portrait der Parade
Die Parade, eine Züchtung aus den USA von 1953, ist eine großblumige Kletterrose in karmesinrosa und gehört zur Gattung der Modernen Rosen. Sie hat einen schlanken, aufrechten Wuchs und wird mit einer Größe von ungefähr 2,50 m mäßig hoch und eignet sich gut für eine Säule oder eine Mauer, benötigt allerdings eine Stütze, beziehungsweise eine Anbindung. Diese Rose kann aber auch als hoher Strauch gezogen werden. Die frischen Austriebe zeigen sich mit rotem Laub und roten Stacheln; die Stacheln bleiben am grünen Holz blutrot. Also Vorsicht! Kaum eine Rose ohne verhängnisvolle Dornen. In der Frühjahrsblüte können die Blüten mit mehr als 80 Petalen, das sind die Kronblätter der Blüte, gefüllt sein. Manchmal zeigen sich auf der Rückseite der Blütenblätter weiße Streifen. Die Parade liebt einen luftigen Standort, allerdings nicht in voller Mittagssonne.
Gärtnerische Erfahrungen
Die dreijährige Pflanze, aus einem Steckling gezogen, ist robust und nicht besonders krankheitsempfindlich. Bei Gefahr von Rosenrost / Rußtau ist im Frühjahr eine Spritzung mit Netzschwefel nützlich. Am besten direkt nach dem Schnitt. Der Zeitpunkt für den Rosenschnitt ist bei Fachleuten und Liebhabern umstritten und viel diskutiert. Hier wurden gute Erfahrungen mit dem Frühjahrsschnitt gemacht, wenn die Forsythien blühen. Schneidet man die Rose stark zurück, dann entwickelt sie sich eher wie eine Strauchrose. Kletterrosen neigen grundsätzlich zur Verkahlung an den alten Haupttrieben. Das kann bei einer engen Wegsituation ein Vorteil sein, wenn nur der „Himmel“ voller Blüten hängt. Soll die Rose auf ganzer Höhe grünen, dann muss man etwa jährlich einen Haupttrieb bodennah abschneiden. So wird die Erneuerung aus dem Wurzelstock gefördert. Wie für alle Kletterrosen gilt auch hier: waagerecht gezogene Triebe blühen reicher.
Neben all den Vorzügen der Parade gibt es einen kleinen Wermutstropfen. Ihr Duft ist nur zu ahnen – und das auch nur bei warmer Witterung.
Nicht nur Blume, auch Symbol
Die Geschichte dieser hier beschriebenen Parade endet - oder beginnt - an der südöstlichen Backsteinwand eines alten Fachwerkhauses. Geschenk und Symbol einer verflossenen Liebe.
Quellen:
Die Welt der Rose, 1991, DuMont Buchverlag, Köln
Eigene gärtnerische Erfahrungen der Autorin im Austausch mit Gartenfreunden
