Paranmanjang. Erster IPhone-Film

Park Chan-Wook dreht den ersten Kinofilm mit einem iPhone und beeindruckt damit die Kinobesucher: Paranmanjang (englischer Titel: Night Fishing).

Park Chan-Wook, der südkoreanische Vorzeigeregisseur, der vielen durch den preisgekrönten Film „Old Boy“ ein Begriff ist, hat sich etwas Neues einfallen lassen. Etwas, dass sich wohl bisher noch keiner seiner Kollegen aus Hollywood getraut hat. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder, dem Medienkünstler Park Chan-Kyong, drehte er jetzt den ersten kommerziellen Kinofilm mit einem Mobiltelefon als Kamera. Genauer gesagt verwendete er zwei iPhone 4, um die Szenen seines Films aus verschiedenen Perspektiven einzufangen.

„Paranmanjang“, englischer Titel „Night Fishing“, heißt der 32-minütige Kurzfilm. Er erzählt die fantastische Geschichte über Tod und seelische Tiefen, über die Begegnung eines Fischers und einer Schamanin.

„Paranmanjang“: Kunst oder Marketingtrick?

Der Regisseur benötigte nur zehn Tage Drehzeit und 80 Mitarbeiter, um sein Projekt zu vollenden. Die Kosten beliefen sich dabei auf die überschaubare Summe von circa 103 000 Euro, die zum Teil von der koreanischen Telekommunikationsfirma KT übernommen worden. KT ist in Korea der exklusive Anbieter für iPhones und hat seit 2009 fast zwei Millionen Geräte verkauft. Damit stellt sich natürlich die Frage, ob es sich bei dem Film nicht zumindest teilweise um eine Marketingstrategie handelt. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass KT bereits ein ganzes Festival für Filme, die mit dem iPhone erstellt wurden, gesponsert hat.

Besucher und Kritiker sind begeistert

Nichts desto trotz sind die Besucher der Premiere in Seoul vom Ergebnis begeistert. Der Film wird als Kunst gelobt und die kinematographische Qualität der Bilder beeindruckt. Seit dem 27.1.2011 ist der Film nun in einer handvoll ausgewählter koreanischer Kinos für vier Tage zu sehen. Park Chan-Wook selbst sagte zu seinem Film gegenüber der Nachrichtenagentur Yonhap: "Es war eine neue Erfahrung im Vergleich zu einem genau geplanten Film, sogar spontane und zufällige Aufnahmen sorgten für überraschende Ergebnisse".

iPhone eingesteckt und losgefilmt

Allen iPhone-Besitzern, die jetzt schon auf glühenden Kohlen sitzen und losziehen wollen, um ihren eigenen iPhonefilm zu drehen, muss an dieser Stelle leider gesagt sein, dass Park Chan-Wook keinesfalls einfach ein iPhone in die Hand nahm und drauflos filmte. Er erweiterte seine Telefonkameras um diverse Objektive und Stative. Darüber hinaus filmten Mitarbeiter am Set mit ihren eigenen iPhones mit, sodass man auf eine Menge Filmmaterial zurückgreifen konnte. „Paranmanjang“ ist daher trotz allem ein professionell gemachter Film und das will er auch sein.

In einem Interview kommentierte Park Chan-Wook seinen Film mit der Aussage, er wolle junge Regisseure dazu motivieren, auch mit wenig Geld Filme zu drehen. Da kann man ihm nur zustimmen, doch bleibt dabei die Frage im Raum stehen, warum er unbedingt das iPhone verwenden musste und nicht einen x-beliebigen Camcorder oder ein weniger populäres Smartphone mit Kamerafunktion nahm. Aber vielleicht hätte der Film dann weit weniger Aufmerksamkeit erlangt.