Paranormal Activity 2: Horrorfilm im Reality-TV-Format

Überraschungsfreie Fortsetzung des Sensationshits von 2009. Auch in "Paranormal Activity 2" halten sich die Dämonen sowie das Drehbuch bedeckt.

Der monströse Erfolg von "Paranormal Activity" – Kosten von 15.000 Dollar standen über 200 Millionen Dollar an Kinokasseneinnahmen gegenüber – musste zwangsläufig in einer Fortsetzung münden. Tatsächlich konnte das simple Konzept erneut Millionen Zuschauer in die Kinosäle locken. Bereits kurz nach Kinostart wurde ruchbar, dass es einen dritten Teil geben würde. Nicht nur das Eisen, auch der Hype muss geschmiedet werden, solange er noch heiß ist. Indes gerät die Qualität des Horrorfilms "Paranormal Activity 2" beinahe schon in den Hintergrund der Berichterstattung und Kritiken.

"Paranormal Activity 2": Dämonen würden Poolreiniger kaufen!

Die Handlung setzt kurz vor den finalen Geschehen von "Paranormal Activity" an. Katies (Katie Featherston) Schwester Kristi Rey (Sprague Grayden) ist gerade mit ihrem neugeborenen Jungen Hunter (William Juan Prieto) in ihr schickes Haus zurückgekehrt, das sie mit Ehemann Dan (Brian Boland) und dessen Tochter aus erster Ehe, Ali (Molly Ephraim), bewohnt. Eines Tages finden die Reys ihr Zuhause verwüstet vor und machen Vandalen für das Zerstörungswerk verantwortlich. Dan installiert deshalb sowohl im Haus, als auch im Garten Kameras, um etwaige Störenfriede auf Film zu bannen.

Doch es sind nicht menschliche Eindringlinge, die den Reys zu schaffen machen, sondern unerklärliche Vorkommnisse, scheinbar ohne Zusammenhang, die für Kopfzerbrechen sorgen. Der Familienhund bellt die Wände an, Bratpfannen lösen sich von den Haken und knallen zu Boden und jeden Morgen befindet sich der automatische Poolreiniger von Neuem außerhalb des Beckens. Für die mexikanische Haushälterin Martine (Vivis Cortez) ist der Fall klar: Ein böser Geist treibt sein Unwesen! Zunächst schenkt ihr niemand Glauben. Aber nach einer Reihe weiterer rätselhafter Zwischenfälle beginnen Ali und Kristi zu begreifen, dass sie es mit einer übernatürlichen Macht zu tun haben. Eine Macht, die ihre unsichtbaren Arme nach dem kleinen und hilflosen Hunter auszugreifen scheint …

Es fliegt … es fliegt … die Bratpfanne!

Auf den Punkt gebracht bietet "Paranormal Activity 2" lediglich einen erheblich kostspieligeren Aufguss des Originals von 2009 und setzt auf bekannte Klischees: Das verletzliche Kind, der den unsichtbaren Mächten gegenüber sensible Hund, eine selbstverständlich streng abergläubische mexikanische Nanny. Und als verbindende Klammer all dieser Storyelemente dient ein Familienidyll, das durch den Spuk zu zerbrochen droht.

Als Manifestationen übernatürlicher Mächte dienen unter anderem geräuschvoll zu Boden fliegende Bratpfannen, Spielzeug, das ein Eigenleben zu entwickeln scheint, und ein offenbar wasserscheuer Poolreiniger. Gleich "Paranormal Activity“ kann sich auch der Nachfolger nicht so recht entscheiden, ob er subtiler Gruselfilm oder plakativer Horrorfilm sein möchte. Die anfangs noch harmlosen Streiche steigern sich plötzlich zu rabiaten, tätlichen Angriffen auf die Protagonisten. Einem solchen Feind kann man natürlich wenig entgegensetzen, was in einer ausweglosen Situation endet und somit kaum Spannung erzeugen kann. Denn so furchterregend die Vorstellung eines unsichtbaren und übermächtigen Dämons auch sein mag: Der Mangel an geeigneten Gegenmaßnahmen lässt die menschlichen Figuren zu bloßen Spielbällen des Schicksals mutieren und entzieht dem Film somit jegliche potenzielle Spannung.

Sequel? Prequel? Equal?

Überhaupt stellt sich die Frage, inwiefern es sich bei "Paranormal Activity 2" um eine Fortsetzung handelt. Da die Handlung vor den finalen Ereignissen des Originalfilms beginnt, könnte man sogar von einem Prequel sprechen. Andererseits werden die zentralen Plotpunkte des ersten Teils lediglich aufgewärmt. Den meisten Raum nehmen die reichlich unspektakulären Gespräche und Alltagsszenen ein, wohingegen jene Sequenzen, die schockieren sollen, viel zu kurz geraten sind und ins dramaturgische Nichts führen. Einer Plotauflösung im eigentlichen Sinne verweigert sich "Paranormal Activity 2" ebenso wie zumindest rudimentären Charakterisierungen.

Zeitgemäßes Reality-Format mit Ablaufdatum

Nicht zufällig erinnert "Paranormal Activity 2" an Streifen wie "The Blair Witch Project" oder Eli Roths "Der letzte Exorzismus". Die dem Reality-TV-Format entlehnte Amateurfilmer-Perspektive spiegelt den Zeitgeist wider. Billige Unterhaltung auf qualitativ bescheidenem Niveau, wobei die schauspielerischen Leistungen völlig nebensächlich sind, ebenso wie die Story selbst. Mit dem Zauberwort „Realismus“ lässt sich jede offensichtliche Schwäche geschickt kaschieren.

Nur selten vermag ein solches Format tatsächlich zu überzeugen. Als seltenes Beispiel hierfür sei J. J. Abrams "Cloverfield" erwähnt, der trotz aller Schwächen dem Genre eine spannende neue Facette abgewinnen konnte. Mit "Paranormal Activity 2" inszenierte Regisseur Tod Williams jedenfalls nur ein marginal aufgepepptes Remake des Originals und macht deutlich, weshalb ein fesselndes Drehbuch durch kein Gimmick ersetzt werden kann.

Wie man atemlose Spannung ohne bombastische Action oder sündteure CGI-Effekte erschafft, bewies der wenige Wochen vor "Paranormal Activity 2" in den Kinos angelaufene Sarg-Thriller "Buried – Lebend begraben". Finanziell war dem psychologischen Horrorfilm weitaus weniger Erfolg beschieden. Allerdings wird sich dieser im Gegensatz zu "Paranormal Activity 2" zum Genreklassiker mausern, da er zudem kein Ablaufdatum aufweist. Davor, lebendig begraben zu werden, wird sich das Publikum auch zukünftig noch fürchten. Auf den Anblick von Poolreinigern oder zu Boden fallenden Bratpfannen dürfte dies wohl kaum zutreffen.

Originaltitel: "Paranormal Activity 2"

Regie: Tod Williams

Produktionsland und -jahr: USA, 2010

Filmlänge: ca. 91 Minuten

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Verleih: Paramount Pictures Germany

Deutscher Kinostart: 4.11.2010

Offizielle Website: www.paranormalmovie.com

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