"Paranormal Activity": Dämonen und Besessenheit!

Horrorfilm à la "Blair Witch Project" und "Exorzist" wird Kinohit

"Blair Witch Project" für Fans des Paranormalen: Frau wird von Dämon verfolgt, ihr Freund zeichnet alles mittels Digitalkamera auf. Hier wackeln Ouija-Board und Türen!

Fast exakt zehn Jahre nach "Blair Witch Project" entwickelt sich erneut ein Low-Budget-Film zum globalen Medienphänomen. Der nur 15.000 Dollar teure "Paranormal Activity" erzielt in den US-Kinos Rekordumsätze, wird auf Blogs und in Foren heiß diskutiert und löste schon vor der Premiere einen gewaltigen Hype aus. Doch vermag der mit einer einfachen Digitalkamera gedrehte Horrorfilm tatsächlich zu überzeugen, dem der Ruf vorauseilte, der furchteinflößendste Film aller Zeiten zu sein?

Dämon als unsichtbarer Stalker

Als Katie (Katie Featherston) zu ihrem Freund Micah (Micah Sloat) zieht, hängt der Himmel noch voller Geigen. Doch schon bald häufen sich beunruhigende Ereignisse: Lichter beginnen zu flackern und Wasserhähne drehen sich ohne äußere Einwirkung von selbst auf. Während sich Micah nicht den Kopf über die Ursachen dafür zerbricht, glaubt Katie, sie werde von einer unsichtbaren Entität verfolgt. Nach einem weiteren offensichtlich unerklärbaren Zwischenfall, kontaktiert sie den Parapsychologen Dr. Mark Fredrichs.

Dessen Diagnose der Ereignisse mutet dem skeptischen Micah absurd an: Katie werde von einem Dämonen verfolgt! Entgegen Dr. Fredrichs Rat, die Wesenheit nicht herauszufordern, beschließt Micah, eine Kamera im Schlafzimmer zu installieren, um jegliche paranormale Aktivität zu filmen. Dem nicht genug, versucht er mittels Ouija-Board Kontakt zum Dämon aufzunehmen. Eine fatale Entscheidung – kurz darauf eskaliert die Situation …

"Blair Witch Project"-Remake?

Von Anfang an begleitet den Zuschauer ein Déjà-vu-Gefühl: Als hätte Neo-Regisseur Oren Peli das Erfolgsrezept von "Blair Witch Project" kopiert, folgen die Handlung, wie auch der innere Aufbau der Kinosensation von 1999. Die Perspektive der Handkamera ist auch jene des Zuschauers, was schlussendlich in einem unbefriedigenden Ende mündet. Selbst die Hinweise darauf, dass es sich bei dem Film um aufgefundenes Material handle, fehlt bei "Paranormal Activity" nicht.

Der Plot entwickelt sich geradlinig: Von den harmlosen Neckereien der Verliebten über erste dunkle Omen, bis hin zu den Angriffen des Dämon und dem abrupt beendeten Showdown: Oren Peli hat Daniel Myricks Film offenbar sehr genau studiert.

Paranormale Klischees

Die beiden Hauptdarsteller meistern ihre Rolle halbwegs zufriedenstellend, agieren jedoch viel zu selbstsicher, um dem Streifen jenen amateurhaften Anstrich zu verleihen, der ihn überzeugender gestalten könnte. Gerade Micah Sloat bleibt in einigen Szenen paranormaler Ereignisse viel zu gelassen, was umso bizarrer wirkt, da diese sein rationales Weltbild erschüttern müssten.

Das größte Problem der Low-Budget-Produktion ist aber die überraschend konventionelle Umsetzung dessen, was eigentlich für Angst und Schrecken sorgen sollte. Flackernde Lichter, Ouija-Boards, Geräusche vom Dachboden oder dämonische Besessenheiten gehören längst zum Standardrepertoire von Horrorfilmen. "Paranormal Activity" setzt auf sattsam bekannte Klischees, zu denen auch das mitunter seltsame Verhalten der Protagonisten gehört.

"Paranormal Activity": Viel Hype um nichts

Stellt man das mediale Getöse auf lautlos, bleibt vom Hype rund um "Paranormal Activity" nichts übrig, das auch nur die geringste Substanz aufwiese. Die Grundidee ist von "Blair Witch Project" (welcher sich wiederum von "The Last Broadcast" inspirieren ließ) her bestens bekannt, der Plot wäre potenziell spannend, wird jedoch zäh und höchst unspektakulär abgehandelt, und vom versprochenen Meisterwerk des Horrors bleibt größtenteils Enttäuschung übrig.

Der zugegebenermaßen clever inszenierte Trailer weckt Lust auf den Film, die Horrorfans aber nach knapp zwei Stunden Laufzeit vergangen sein dürfte. Wer noch nie einen Film wie etwa "Der Exorzist" oder "Das Omen" gesehen hat, könnte "Paranormal Activity" gruselig finden. Alle anderen, die sich auf Grund des Hype nicht weniger als ein Meisterwerk und einen modernen Genreklassiker erhofften, werden enttäuscht sein. Ganz im Gegensatz zu den Filmverleihunternehmen, die über enorme Gewinne jubeln dürfen.

Wenn an "Paranormal Activity" irgendetwas unheimlich ist, dann der Umstand, dass gutes Marketing selbst dermaßen langweilige Gruselfilme für Leute, die schon beim Zuschlagen einer Tür vor Angst schreien, zum Filmhit pushen kann. Wenig überraschend folgte dem Sensationshit eine Fortsetzung, die unter dem Titel "Paranormal Activity 2" am 4.11.2010 in Deutschland anlief.

Originaltitel: "Paranormal Activity"

Regie: Oren Peli

Produktionsland und –jahr: USA 2007

Filmlänge: ca. 99 Minuten

Verleih: Central Film

Deutscher Kinostart: 19. November 2009

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

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