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Parfüm benutzen wir, damit uns unsere Umgebung gut riecht. Doch drückt sich auch Sympathie darin aus, dass wir den Geruch einer Person mögen oder akzeptieren. Wer „Das Parfum“ von Patrick Süskind gelesen oder verfilmt gesehen hat, der kann erahnen, was dieser Geruchsstoffe alles bewirken können. Sind dermaßen starke Reaktionen auf Düfte überhaupt in der Wirklichkeit vorstellbar? Die Frage lässt sich mitnichten einfach beantworten.
Über unseren Geruchssinn, auf den die chemischen Substanzen wirken, wissen wir relativ wenig. Erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wurden beispielsweise gute Olfaktometer entwickelt, die eine genaue Dosierung der Riechstoffe ermöglichen und somit auch eine exakte Forschung.
Über unsere Nase denken wir im Alltag nicht viel nach. Es sei denn, sie ist gerade verstopft. Dennoch sollen die Störungen des Geruchssinnes schwere Folgen mit sich bringen, wie Gedächtnisschwäche und Depressionen. Einige Wissenschaftler wollen sogar den Ursprung der Alzheimer-Krankheit in der Rückbildung des Geruchssinnes sehen.
Jede Nase riecht etwas anderes
Von Mensch zu Mensch werden Gerüche anders wahrgenommen. Zusätzlich können sich Krankheiten oder angeborene Anomalien auswirken, die die Unterschiede noch verstärken. Zwischen zwei Extremen scheint alles möglich zu sein: von der Anosmie – einer völligen Aufhebung des Geruchsempfindens bis zur Hyperosmie – der Überempfindlichkeit auf die Geruchsreize.
Unser Empfinden kann auch von der Tageszeit abhängen, genauso wie von den Gewohnheiten. Die Kultur, zu der ein Mensch gehört, bestimmt auch das Riechen. Das Geschlecht mischt sich dazu ein: Frauen sollen im Allgemeinen ein besseres Geruchsvermögen besitzen.
Eine nicht geschulte Nase kann viel leisten: Eine durchschnittliche Person ist in der Lage schätzungsweise 400 000 Geruchsstoffe voneinander zu unterscheiden. Die Untersuchungen haben bewiesen, dass die professionellen Nasen der Parfümeure bei neuen Düften nicht wesentlich besser als die von normalen Verbrauchern abschneiden.
Gerüche klassifizieren - sieben Klassen der Gerüche
Um Ordnung in das Geruchschaos zu bringen, führte Carl von Linné - Linnaeus (1707 – 1778) sieben unterschiedliche Klassen ein. Er begann mit angenehmen Gruppen: aromatische, (wohl-)riechende, ambrosianische oder moschusartige. In der Mitte stehen scharfe oder knoblauchartige Gerüche. Ihnen folgen stinkende oder ziegenartige (Schweißgeruch), ekelerregende und widerwärtige Klassen.
Seitdem schaffte man andere, darunter auch recht komplizierte Einteilungen, aber die von Linné wird noch heute gebraucht.
Was riecht so schön?
Die Parfümindustrie verwendet reichlich Stoffe, die eigentlich übel stinken: das Indol beispielsweise. Diese chemische Verbindung bildet die Grundlage des nach Fäkalien riechenden Stoffes Skatol. Die Menge entscheidet: In niedrigen Konzentrationen glauben wir einen Blumenduft zu riechen.
Das gleiche gilt für andere Zutaten wie Zibet oder Amber. Das Zibet wird von der Zibetkatze ausgeschieden (aus einer Drüse unterm Schwanz). Nur in den niedrigen Dosierungen empfinden wir den Duft als sehr angenehm. Nach der Herkunft vom Amber muss man in den Innereien suchen: im Darm des Pottwals. Es klingt abstoßend, kostet dennoch viel. Aus diesem Grunde nutzt man heute oft synthetische Produkte statt natürlichen.
Das Herz im Parfüm
Ein gutes Parfüm entwickelt sich in drei aufeinander folgende Dufttypen: Zuerst wird die „Topnote“ freigesetzt; sie verbreitet einen frischen Geruch und verflüchtigt sich am schnellsten. Häufig enthält sie Düfte, mit denen Insekten zur Bestäubung von Pflanzen angezogen werden – eine Art pflanzlicher Pheromone. Nach der Topnote kommt das „Herz“. Es besteht aus vollem und warmem Duft, meist aus den tierischen Pheromonen. Zuletzt entwickelt sich ein Nachduft, der wie ein Hauch die parfümierte Person lange Zeit umgibt.
Pheromone das sind von den Tieren produzierte Geruchsstoffe, die die Artgenossen zu einem bestimmten (meist sexuellen) Verhalten verleiten sollen. Ahmen wir also das Balzverhalten der Tiere nur nach?
Die Wirkung der von den Menschen benutzten Düfte lässt sich nur schwer vorhersagen. Ein Parfüm entfaltet zudem nicht bei jedem Menschen einen gleichen Duft. Die Temperatur der Haut und der eigene Körpergeruch beeinflussen zusätzlich das Ergebnis.
Angeblich existiert ein Zusammenhang zwischen der Wahl des Parfüms und der Persönlichkeit. Frische Düfte sollen demnach extrovertierte Menschen bevorzugen.
Quelle: Piet Vroon, Anton van Amerongen, Hans de Vries, Psychologie der Düfte. Kreuz Verlag. Zürich 1996.
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