
- Blumenmädchen - adlugokinski@t-online.de
In der Inszenierung von Stefan Herheim mit den Kostümen von Gesine Völlm ist dieses Bemühen die reinste Augenweide.
"Parsifal"-Inszenierung von Stefan Herheim bei den Bayreuther Festspielen 2010
Vorn buhlen noch die Krankenschwestern um Parsifals Gunst. Sie drängen sich gegenseitig weg und schmeißen sich so nah an ihn heran, wie es eben geht. Auf dem Bett, das vorn auf der Bühne steht, herrscht ein reges Treiben. Eine nach der anderen schiebt sich möglichst dicht an Parsifal, wird aber von den nachkommenden Krankenschwestern wieder verdrängt.
Hinten formieren sich die eigentlichen Blumenmädchen. Zu ihnen geht Parsifal, als er sich der aufdringlichen Pflegerinnen überdrüssig ist.
Auffallende Kostüme der Blumenmädchen von Gesine Völlm
Sie sehen aus wie Revuegirls der wilden Zwanziger und beginnenden Dreißiger. Bikinimädchen mit den typischen ausgestellten Höschen – jede in einer anderen Farbe bunten Glitzerstoffen – liegen auf dem Brunnenboden und heben ihre Beine wie beim Wasserballett.
Es sind aber nicht alles die gleichen Uniformen wie in einer Revue. Gesine Völlm kreierte für jedes Blumenmädchen ein eigenes Kostüm. Bei allen fällt der Kopfputz auf; Räder von Pfauenfedern oder Straußenfedern, die bei jeder Bewegung auf und ab wippen. Ein Blumenmädchen sieht eher nach Muschelmädchen aus. Die Pfauenfedern drapieren sich um ihre Hüfte, als ob sie gerade einem Gehäuse entspringt. Eine trägt an der Taille ein Rad, auf dem Federn verschiedener Vögel befestigt sind – teils gefärbt oder zu Ornamenten geschnitten. Dieser Kreis wippt nach allen Seiten.
Unübersehbar ist die Dompteurin, der nur noch die Peitsche fehlt; sowie eine gestandene Varieteedirektorin mit Turban-Kopfputz und langem Glitzerkleid – eine stattliche Frau. Eine ebensolche Figur trägt die die Bauchtänzerin zur Schau, deren beeindruckende Speckröllchen gut sichtbar mit Perlenketten betont werden und bei jedem Schritt sanft wabbeln.
Die Schmetterlingsfrau hält einzelne Flügelsegmente, an langen Handschuhen befestigt. Bei jeder Armbewegung nach oben oder unten zeigt sie ihr Sommervogelkleid. Greift die Trägerin nach vorn, sieht es nach einem pumpenden Falter aus.
Ebenfalls an den Stulpen befestigt – von den Handgelenken bis zum Ellenbogen – reicht die gefaltete Schärpe. Verbunden ist das andere Ende an der Hüfte. Hält sie die Arme waagerecht, formt die Schärpe einen Volant, ähnlich einer Schlossgardine.
Vergebens – auch diese Blumenmädchen schaffen es nicht
Parsifal geht auf dem Brunnenrand entlang und berührt entzückt jede der ausgestreckten Hände. An jedem Blumenmädchen kommt er vorbei. Dazu tönt die lockende Musik, duftig und leicht, mit der die Blumenmädchen Parsifal bezirzen möchten. Er soll im Garten vergessen, dass er eigentlich vorhatte, Titurel zu erlösen. Das war zu viel des Guten. Zum Schluss hin wird Parsifal nachdenklich, die Blumenmädchen sauer. Die Krankenschwestern straffen sich und gehen ihrer Arbeit nach.
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Richard Wagners "Parsifal" – Bayreuther Festspiele 2010
Besetzung:
- Musikalische Leitung – Daniele Gatti
- Regie – Stefan Herheim
- Kostüme – Gesine Völlm
- Parsifal – Christopher Ventris
- Klingsor – Thomas Jesatko
- Kundry – Susan Maclean
- Klingsors Zaubermädchen – Julia Borchert
- Klingsors Zaubermädchen – Martina Rüping
- Klingsors Zaubermädchen – Carola Guber
- Klingsors Zaubermädchen – Christiane Kohl
- Klingsors Zaubermädchen – Jutta Maria Böhnert
- Klingsors Zaubermädchen – Ulrike Helzel
