1941 veranlassten die Nationalsozialisten viele Schließungen von Tageszeitungen, die vor allem lokale Blätter, aber auch noch bestehende Zeitungen des Zentrums betrafen. Auf lokaler Ebene griffen die SS- und SA-Truppen durch. Mit Druckerei- oder Redaktionsbesetzungen versuchten sie die Journalisten, Verleger und sonstige Mitarbeiter einzuschüchtern. Dies gelang oft. Der Dortmunder General Anzeiger etwa wurde am 20. April 1933 besetzt. Zwei Beschlagnahmungen später erfolgte am 10. März der erste offensichtliche Eingriff, den die Zeitung ihren Lesern sogar mitteilte: „Diese Forderung wurde gestern Abend bei der Fertigstellung der Zeitung von Personen in SA-Uniformen dem Betriebsleiter abverlangt, der die Erfüllung dieser Forderungen, um die angedrohte Stilllegung zu vermeiden, zusagte."
Der Chefredakteur, Dr. Stöcker, wurde massiv unter Druck gesetzt und trat schließlich zurück. Trotzdem blieb die Redaktion oppositionell eingestellt. Als in der Ausgabe vom 20. April 1933 eine Karikatur Hitlers erschien, die als Verunglimpfung empfunden werden konnte, wurde die Redaktion komplett be- und ersetzt. Fortan trug der Anzeiger ein Hakenkreuz auf der Titelseite. Im April 1934 wurde der Verkauf des Verlages erzwungen, eine Klage der Besitzer scheiterte. Im Gegenteil, im Dezember 1934 legalisierte das „Gesetz über den Ausgleich bürgerlich-rechtlicher Ansprüche" dieses Vorgehen nachträglich und konnte so auf andere Zeitungsübernahmen übertragen werden.
Zeitungslandschaft schnell ausgedünnt
Das Vorgehen der Nationalsozialisten in diesem geschilderten Fall lässt sich auf viele andere Städte und Zeitungen übertragen. Nach einer ersten Besetzung, dem Verbot für einige Tage oder Wochen, der Einschüchterung der leitenden Mitarbeiter folgen entweder die Anpassung der Zeitung oder der - erzwungene - Verkauf. Im Frühjahr 1943 und im Herbst 1944 wurden weitere Zeitungen - aus „kriegswirtschaftlichen Gründen" - geschlossen, unter ihnen auch renommierte Blätter wie die Münchener Zeitung oder die Frankfurter Zeitung.
Die Zeitungslandschaft in Deutschland war zu diesem Zeitpunkt ausgedünnt, von der Zeitungslandschaft der Weimarer Republik war nichts mehr übrig geblieben; nur sehr wenige private Zeitungen und vor allem die NS-Zeitungen existierten noch. Gegen Ende des Krieges im Jahr 1945 schließlich mussten aber auch sie immer mehr Restriktionen hinnehmen (Erscheinungsweise, Umfang), so dass sie zu diesem Zeitpunkt eher Flugblättern als Zeitungen glichen.
Sonderfall Parteizeitungen
Die Auflagen der Parteizeitungen und damit zusammenhängend deren Wichtigkeit war vor 1933 sehr gering gewesen. 1930 hatte die Presse der NSDAP 70 Organe umfasst. Diese erschienen größtenteils in Preußen und Bayern, hatten also keine größere Bedeutung im Reichsgebiet. Zwei Jahre später hatte sich die NSDAP sieben Tageszeitungen, 16 Wochenzeitungen und eine Halbwochenzeitung einverleibt. 1930 gelang der Durchbruch mit der Gründung von zahlreichen Nebenausgaben im gesamten Reichsgebiet oder der Umwandlung von Wochen- zu Tageszeitungen. Finanzielle Unterstützung dafür kam vom Eher-Verlag.
Die relative Bedeutungslosigkeit der Parteipresse - zumindest bis 1933 - lässt sich auch an der Tatsache festmachen, dass diese lange Zeit umsonst ausgegeben wurde. Es ist zudem nicht zu sehen, dass die Presse einen entscheidenden Anteil am Erfolg der NSDAP bei den Wahlen hatte - dem eigentliches Ziel einer Parteizeitung. Denn bis 1932 betrug die Tagesauflage 782.12; 1939 lag sie bei mehr als sechs Millionen. Bereits am 4. Juli 1926 war der Kurs für die lokalen NS-Zeitungen festgelegt worden: Ein ernanntes Mitglied der NSDAP überwacht das Zeitungsimperium. Und: Die Zeitungen führen den Adler mit Hakenkreuz als äußeres Erkennungsmerkmal auf dem Titel. Die Partei wollte eine strikte Kontrolle der Zeitungen. Deshalb wurden auch für die Parteizeitungen Einzelanweisungen ausgegeben, Rügen ausgesprochen und Verbote erlassen.
Den Völkischen Beobachter hatte die Partei im Dezember 1920 in München erworben. Er war in der Weimarer Republik mehrmals wegen antisemitischer Tendenzen verboten worden. 1923 hatte er eine Auflage von 30.000, 1931 nach der Ausweitung des Verbreitungsgebietes auf Berlin und Süddeutschland 130.000. Seit 1933 war der Beobachter quasi Regierungsorgan, was ihm 1941 eine Auflage von 1,2 Millionen Exemplaren bescherte. Die Zeitung hatte besonders in den Anfangsjahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich nur durch den Verkauf von „Mein Kampf" aus dem gleichen Verlag überwinden ließen.
