
- Liebe in der zweiten Lebenshälfte - © Günter Menzl - Fotolia.com
Die erste große Liebe kommt in der Jugend: Sie ist ungestüm, die Gefühle überwältigend, die Dramatik mitreißend. Aber wie ist es nach der ersten Liebe? Wenn jemand enttäuscht wurde und verletzt, kann dann trotzdem die zweite Liebe, die dritte oder gar die vierte noch großartig sein, begeisternd und tiefgreifend erfüllen?
Verletzungen aus früheren Beziehungen können neue Partnerschaften belasten
Man braucht sich nichts vorzumachen: Wer über 50 Jahre alt ist, hat schon einiges gesehen vom Leben - und zwar nicht nur Gutes. Enttäuschende Beziehungen, Vertrauensbrüche, Fehleinschätzungen begegnen uns auf dem Lebensweg; viele Menschen auf Partnersuche in der zweiten Lebenshälfte haben eine Scheidung hinter sich.
Menschen über 50 haben zwar häufig Sehhilfen, aber das sind selten “rosarote Brillen”. Viele werden vorsichtiger und skeptischer. Man lässt es nicht mehr zu, dass Gefühle den Verstand besiegen, manche Reaktionen sind geradezu gegenüber anderen Menschen: anstatt zu vertrauen, zieht man sich lieber in die schützende Festung der Oberflächlichkeit zurück. Wenn aber die Prinzessin in dieser Burg der Belanglosigkeit bleibt und der rettende Ritter die aalglatten Fassaden der Höflichkeit auch nicht erklimmen kann oder will, wie kann dann Liebe entstehen?
Wie kommt man wieder zu erfüllter Liebe?
Um trotz enttäuschender Erfahrungen und Verletzungen wieder eine vertraute Beziehung eingehen zu können, braucht es zweierlei: zunächst Aufarbeitung und dann eine Neubewertung der Lage.
Vor der Partnersuche: Vergangenheit aufarbeiten
Zur Aufarbeitung gehört, dass Sie sich schonungslos mit früheren Problemen in Beziehungen auseinander setzen. Muten Sie sich eine gründliche Analyse zu: was konkret ist falsch gelaufen? Am besten stellen Sie dabei stets die Frage: was kann ich nächstes Mal besser handeln, um ein Scheitern zu verhindern? Habe ich Warnzeichen übersehen, hätte ich früher reagieren müssen, war ich zu kompromisslos oder zu nachsichtig?
Erst wenn man Lösungen für vergangene Probleme gefunden hat, gewinnt man wieder den Mut und die Zuversicht, dass die Zukunft besser laufen kann als die Vergangenheit - das gilt auch bei der Partnersuche für Senioren. Wichtig ist es auch, blockierende Gefühle zu lösen. Wer aus früheren Beziehungen noch Bitterkeit und Rachegelüste mit sich herumschleppt, wird in einer neuen Partnerschaft nur schwerlich unbeschwert Vertrauen fassen können. Wer freimütig vergeben kann, gewinnt hier die Leichtigkeit des Lebens zurück.
Selber denken - hören Sie nicht auf Werbung von Partnerbörsen!
Schließlich braucht es eine Neubewertung der Dinge: wer einmal tief verletzt wurde, wird in Zukunft schwerlich vor Liebe blind werden oder gar in stürmischen Gefühlen den Verstand verlieren. Aber: das ist auch gar nicht wünschenswert! Die Werbestrategen der Partnerbörsen für Senioren preisen zwar leidenschaftliche Verliebtheit im Alter, aber damit zeichnen sie falsche Ziele. Denn: Wer auf Wolke 7 schwebt, hat zwar ein tolles Gefühl, gibt sich aber trügerischen Illusionen hin. Wer hingegen mit beiden Beinen auf festem Boden steht, der kann auch eine Partnerschaft auf festem Grund aufbauen. Eine solche Partnerschaft treibt zwar den Puls nicht ständig nach oben, aber sie gibt Geborgenheit, Sicherheit und Vertrauen. Es geht nicht mehr darum, dass überall sprühende Funken fliegen - stattdessen entfacht man eine lodernde Glut - die ist nicht so spektakulär, wärmt aber viel stärker und hält auch viel länger.
Eine Beziehung, die nicht nur auf hormongetriebenem Gefühlsdusel besteht, sondern die vorsichtig und sorgsam durchdachte, willentliche Entscheidung zweier Menschen ist, bietet besonders viel Sicherheit: sie ist den Stürmen und Wogen der Emotionen nicht hilflos ausgeliefert. Denn reife Menschen führen reife Beziehungen.
