
- Über den Inn: Fünferlsteg Passau im Winter - Johannes Flörsch
Der Spaziergang zu Stätten, die den meisten Besuchern der niederbayerischen Stadt Passau verborgen bleiben, beginnt am Innsteg, im Volksmund noch immer liebevoll Fünferlsteg genannt, und führt zur Donau und schließlich zur Ilz.
Phantastischer Blick vom Fünferlsteg aus auf Passau
Am 2. Oktober 1916 betraten die ersten Fußgänger die, wie sie damals hieß, Hindenburgbrücke. Sie war notwendig geworden, weil die Bürger der Innstadt am Südufer des Inns leichteren Zugang zur Stadt Passau haben wollten. Einen Tag vor dem Heiligabend des Jahres 1912 wurde die „Innsteg-Aktien-Gesellschaft Passau“ gegründet mit dem Zweck, einen Fußgängersteg über den Inn zu bauen. Die Innsteg AG blieb Eigentümerin und Betreiberin der Brücke, bis sie im August 1977 aufgelöst wurde, ein Jahr nach der Übernahme der Verantwortung für den Steg durch die Stadt Passau.
Mit der Übernahme durch die Stadt entfiel auch die Maut. Bis ins Jahr 1960 hatte man für die Benutzung des Stegs 5 Pfennig zahlen müssen, womit sich der noch immer verwendete Name erklärt; nach 1960 erhöhte sich die Gebühr auf 10 Pfennig. Eine Hin- und Rückwegkarte kostete fünfzehn Pfennig und ab 1973 dann 20 Pfennige. Die Monatskarte wurde auf 2,50 DM angehoben, weitere Vergünstigungen wie zum Beispiel für Arbeitslose entfielen.
Der Innsteg verbindet die Innstadt auf der Höhe der Kirche St. Severin mit der gegenüberliegenden Seite des Inns auf Höhe Universität und Nikolakloster. Ein phantastischer Blick bietet sich dem Spaziergänger hinüber zu der historischen und italienisch anmutenden Altstadt am Ufer des Inns, dessen kalte Wasser je nach Sonneneinfall auch schon einmal türkis leuchten. (Ein Foto finden Sie im Beitrag über die Buslinien von Passau.)
Auf dem Innstadtfriedhof der Stadt Passau
Gleich hinter dem Fünferlsteg liegt rechter Hand der Innstadtfriedhof, Passaus größter und ältester Friedhof. Hier werden die Honoratioren der Stadt zur letzten Ruhe gebettet, hier finden sich prachtvolle Familiengräber und uralte Gräber. Ein Gang durch die Grabreihen bringt einen weit weg von der Hektik des Alltags. Im Schatten von St. Severin liegt der weitaus ältere Teil des Friedhofs, das größere Areal des Friedhofs erreicht man, wenn man die Straße auf der Rückseite der Kirche überquert.
Ganz in der Nähe des Innstadtfriedhofs liegt das Museum des Römerkastells Boiotro. Hier wird die Passauer Siedlungsgeschichte dargestellt, Grabungsstätten schenken einen nicht alltäglichen Einblick in die Praxis der Archäologie. Auf der Rückseite des Museums befindet sich ein Teil der ehemaligen Stadtmauer – auch hier liegt eine ruhige Atmosphäre in der Luft.
Über den Fünferlsteg geht es zurück Richtung ZOB, zum zentralen Omnibusbahnhof. Alle 40 Minuten fährt von hier aus ein Bus Richtung Hals, dem idyllischen Stadtteil von Passau. Auch ein Spaziergang dorthin ist möglich; allerdings führt der teilweise am stark befahrenen Anger entlang und ist, zumindest in diesem Bereich, kein wirkliches Vergnügen. Wer es trotzdem möchte, begleitet nach der Überquerung des Fünferlstegs den Inn bis zur Innbrücke. Von hier aus führt hinter dem mächtigen Bogen der Innbrückgasse eine Treppe hinauf auf den Residenzplatz, vorbei am Bischofssitz im Schatten des Doms und hinunter zur Donau durch die Schrottgasse vorbei am Rathaus. An Donau und Rathausplatz angekommen, dort, wo die Kreuzfahrtschiffe anlegen, sieht man rechter Hand die Hängebrücke, über die man den Durchbruch erreicht, hinter dem man sich links halten muss, will man entlang des dritten Flusses, der Ilz, nach Hals.
Hals, der idyllischste Stadtteil von Passau
Man benötigt etwa 20 Minuten, dann steht man auf dem Kopfsteinpflaster des kleinen, pittoresken Halser Marktplatzes zu Fuß der Burgruine. Dort, wo es rechts zwischen den sich eng aneinander schmiegenden Häusern Richtung Triftsperre und Stausee geht, führt der Weg an einem Haus vorbei, in dem Franz Lehar 1901 seine erste Operette komponiert hat, „Wiener Frauen“. Ein kurzes, steiles Stück Weg, rechts lässt man die Staustufe liegen, dann geht man über eine asphaltierte Straße durch ein Waldstück, das man nach einem Kilometer wieder verlässt: Ein Schild zeigt den Weg nach rechts ab zum Landgasthof „Zur Triftsperre“. Unbedingt Rast machen im gemütlichen Biergarten inmitten des Landschaftsschutzgebietes und die hauchzarten Forellen probieren!
Nach der Pause führt der Weg über einen hölzernen Steg zum Durchbruch des Berges. Hier wurden früher die Hölzer aus dem bayerischen Wald angeschwemmt (die Trift), hier wurden sie Baum für Baum durch den dunklen, schmalen Felsdurchbruch hindurchgetrieben. Auf der anderen Seite geht es links ab entlang der romantischen Ilz. Bis in den späten Nachmittag scheint die Sonne auf den den Pfad begleitenden hellen Mischwald. Nach etwa einer Viertelstunde hat man den Pfad hinter sich gelassen und steht vor einer Bushaltestelle, die einen zurückbringt in die Stadt Passau. Abfahrtszeiten: alle 40 Minuten. Tipp: Vor dem Gasthof Triftsperre hängt ein Fahrplan, sodass man genau planen kann, wann man den Rückweg antreten will.
