Patrick Carman: Atherton – Das Haus der Macht

Atherton - Das Haus der Macht - Kosmos Verlag
Atherton - Das Haus der Macht - Kosmos Verlag
Atherton steht eine gewaltige Bedrohung bevor. Ein Junge ist auserwählt seine Welt zu retten. Eine Rezension.

Der amerikanische Autor Patrick Carman versucht in seinem als Trilogie angelegten Fantasy-Roman Atherton auch gegenwärtige Themen wie Machtmissbrauch und Umweltverschmutzung als spannende Erzählung für Jugendliche und junge Erwachsene unterzubringen. Allerdings ist ihm sein Vorhaben nur bedingt geglückt.

Geschichte von Atherton

Atherton ist der Name eines kleinen Planeten in der Umlaufbahn der Erde, oder wie er im Jahre 2105 genannt wird, des Dunklen Planeten. Auf Atherton existieren drei Ebene, die durch steile Felswände voneinander getrennt werden: die Highlands, auf denen sich das Haus der Macht und die einzige Wasserquelle befindet, Tabletop, welches die Arbeiter beherbergt und die Flatlands ganz unten, wo allem Anschein nach lediglich grausige Monster überleben können. Edgar, der 11-jährige Held der Geschichte, lebt auf Tabletop und arbeitet in den Feigenplantagen. Verbotenerweise klettert Edgar Nacht für Nacht ein Stück weit die Felsen hoch, bis er schliesslich ein Buch findet. Dummerweise ist es den Menschen seines Standes aber nicht erlaubt lesen zu lernen. So beschliesst er bis ganz nach oben, in die Highlands zu klettern und erfährt dort durch den jungen Samuel, dass die Highlands auf Tabletop absinken. Die letzte Seite, die Samuel nicht mehr vorzulesen schafft, birgt jedoch noch ein weiteres, erschreckendes Geheimnis.

Verrückte Wissenschaftler und die seltsame Welt von Atherton

Bald einmal erfährt der Leser, dass Atherton einst durch einen Wissenschaftler geschaffen wurde, als die Erde durch Umweltzerstörung und Verschmutzung zum Dunklen Planet wurde. Doch offenbar war der Wissenschafter mehr als nur ein wenig verrückt, und seine neu erschaffende Welt befindet sich ebenfalls im Zerfall, was Dr. Kincaide, ein weiterer Wissenschaftler, in seinem für Edgar in den Klippen hinterlassenen Buch festhält. Wie genau die absinkende Welt zu retten ist und wieso gerade Edgar dazu auserwählt ist, erfährt der Leser hingegen nicht. Auch das ganz Tabletop lediglich aus drei Dörfern besteht, in denen es nichts anderes als Schafe, Kaninchen und spezielle Feigenbäume gibt, womit sowohl die Arbeiterebene, wie jene der herrschenden Highlands versorgt werden, muss schlichtweg einfach hingenommen werden. Zudem lebt der elternlose Edgar offenbar einfach irgendwo im Wald, in dem er tagsüber für den strengen Aufseher Mr Ratikan schuftet.

Gute Idee, schlechte Umsetzung

Obwohl die Idee Umweltverschmutzung, Freundschaft und Machtmissbrauch in einer Geschichte für ältere Kinder und Jugendliche umzusetzen sicherlich ausgezeichnet ist, lässt die Umsetzung leider zu wünschen übrig. Obwohl der Spielraum bei Jugendliteratur sicherlich grösser ist, haben sich einfach zu viele Logikfehler und ziemlich abstrakte Abläufe eingeschlichen. Auch die Charaktere mögen nicht zu überzeugen. Die Bösen sind einfach nur böse, wodurch offenbar auch gerechtfertigt wird, wenn diese verletzt oder umgebracht werden und die Guten weisen kaum Makel auf. Höchstens noch Edgar und Isabel lassen einen Hauch von Tiefe erkennen. Etliche Widerholungen und Fehler tragen ihr Übriges dazu bei, den ersten Teil der Atherton-Trilogie langatmig und uninteressant zu machen. Der Autor beweist streckenweise geradezu ein Talent, jegliches Aufkommen von Spannung sogleich im Keim zu ersticken.

Altersempfehlung und Aufmachung von Atherton

Für welches Alter das Buch genau geschrieben wurde ist ebenfalls nicht ganz klar ersichtlich. Im Englischen findet sich die Altersempfehlung acht bis zwölf Jahre, im Deutschen zwölf bis fünfzehn. Für die jüngeren dürfte „Atherton – Das Haus der Macht“ allerdings zu brutal und zu lang sein. Manche Formulierungen erinnern hingegen eher an ein Buch für kleinere Kinder.

Durchwegs gelungen ist hingegen die Gestaltung. Mehrere gelungene Skizzen veranschaulichen die Welt von Atherton und die Struktur von Gestein auf zahlreichen Seiten sind ein optischer Hingucker. Das im Anhang untergebrachte Interview mit dem Autor ist ebenfalls sehr lesenswert und der Verweis auf eine Internetseite mit den Gedankencodes des verrückten Professors eine vielversprechende Idee. Schade nur ist der Inhalt des Buches nicht ebenfalls so interessant geworden. Nicht einmal das sehr abrupte Ende machen auf die beiden noch 2012 erscheinenden Fortsetzungen neugierig.

Fazit zu „Atherton – Das Haus der Macht“

Der erste Blick auf das Buch scheint äusserst vielversprechend. Leider vermag die Geschichte dies nicht zu halten. Die in einfachem Stil verfasste Erzählung plätschert dahin, ohne dass Spannung aufzukommen vermag. Zahlreiche Logikfehler, Wiederholungen und andere Ungereimtheiten tragen ihr übriges dazu bei, Atherton auf den hintersten Platz im Regal zu verbannen, obwohl es als Dekoration vielleicht noch taugen würde. Ausserdem ist es für Kinder zu anspruchsvoll und für Jugendliche zu kindisch.

Das Buch:

Patrick Carman, Atherton – Das Haus der Macht, Kosmos Verlag 2011, 347 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-440-12815-2, Preis: 16,95 Euro (D)

Sarah A. Friedli, Sarah A. Friedli

Sarah A. Friedli - Kurzvita: Geboren wurde ich 1985 in der Schweiz. Nach der Schulzeit absolvierte ich den Vorkurs für Gestaltung und anschliessend ...

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