Im November 2011 trat Patrick Gläser in Wolbeck bei Münster in der Kirche auf. Kind und Kegel kamen an diesem Abend und füllten die Kirche bis auf die letzte Kirchenbank, um eine rockende Orgel zu erleben. Mit Kamera und Beamer wurde das Geschehen von der Orgelempore für alle sichtbar auf die Leinwand vorn gezaubert, so dass jeder Zuhörer und jede Zuhörerin bewundern konnte, was dieser Kirchenmusiker aus der Orgel hervorzaubert - ohne Noten, aus dem Bauch, mit Herzblut und viel musikalischem Gefühl. Einmal mehr konnte sich jeder von der Vielseitigkeit dieses Instrumentes überzeugen bei dem virtuosen Spiel.

Kommentare zum Konzert erwünscht

An der Kirchentür wurde den Besuchern gleich Papier und Bleistift in die Hand gedrückt und der Organist lud seine Zuhörer ein, ihre Empfindungen zum Konzert aufs Papier zu bringen. Er nutzt die Kommentare für seine Homepage und - wer nicht veröffentlicht werden mag - trägt zur Frühstückslektüre des Organisten bei. Der gelernte (und auch noch aktive) Kirchenmusiker begann sein Konzert mit dem Zitieren eines Gebetes über das Leben und die Musik. Er bewies gleich zu Beginn, dass er den Kirchenraum als sakralen Raum schätzt und diese Erfahrung mit seiner Musik unterstützen möchte.

Improvisationen auf der Orgel

Patrick Gläser aus Öhringen/Nahe Heilbronn hat kein starres Konzept für seine Auftritt. Er stellt sich jeweils auf die Orgel ein, die er vorfindet. Hier war es eine Sauer-Orgel mit 29 Stimmen - und er zog alle Register. Bei der Stückauswahl spielt auch die Reaktion des Publikums und die Stimmung beim Konzert eine Rolle, wie er vor Konzertbeginn betonte. Alles ist improvisiert und nichts per Noten aufgeschrieben. Auf dem Notenpult lag eine Liste mit seiner Stückauswahl statt Noten. Und folglich gab es auch keinen Programmzettel.

Das Konzertpublikum lag altersmäßig deutlich unter dem Durchschnitt eines normalen Konzertpublikums klassischer Orgelstücke. Gläser wies zu Beginn darauf hin, dass manchmal das Mitsummer schwer werden kann, da er ja improvisiert und aus seinem Gefühl heraus spielt. Doch das Wiedererkennen fiel dem Publikum nicht schwer und zauberte immer wieder ein Lächeln auf die Gesichter, ob bei Beatles- oder alten Queen-Klassikern.

Schon als Gläser sein Spiel begann, wurde es so still, dass jeder fallende Bleistift bereits als Störung empfunden wurde. Gläser zog alle Register, mit Füßen und Händen zauberte er geniale Klangteppiche, nutzte alle Schattierungen und Varianten, die das Instrument beinhaltete. Das Publikum belohnte es mit donnerndem Applaus und Begeisterungsrufen. Zum Schluss erklatschten sich die Zuhörer stehend drei Zugaben.

Rock und Pop für die Orgel

15 Rock- und Popstücke sowie etliche Filmmelodien spielte Gläser auf der Orgel. Aus der "Star Wars"-Filmmelodie wurde eine Improvisation zu einem Oster-Kirchenlied, fließende Übergänge, so genial gespielt, als ob alles schon immer so komponiert und gedacht war. Sogar Unheilig hat er im Programm und Rod Stewarts "Sailing" lässt das plätschernde Wasser gegen ein Segelschiff hörbar werden. 15 Stücke - und es hätte noch ewig so weiter gehen können, der reine Klanggenuss.

Als instrumental "Music" von John Miles erklang, schien es gleich wie ein Vermächtnis für den Organisten, dessen Begeisterungsfunke bei jedem Stück auf die Zuhörer übersprang, egal ob im Schul- oder Rentenalter.

Rock und Orgel, es passt zusammen und Musik, die Gefühle ausdrückt passt auch in die Kirche. Das verdeutlichte Gläser an dem Abend auch seinem Wolbecker Publikum. Gut, dass die Musik zum Mitnehmen per CD angeboten wurde, so haben auch die Musikfreunde was von dem Können, die den Organisten nicht live erleben können.