Patrick Rothfuss' fulminante Bestsellerfortsetzung

Buchcover Die Furcht des Weisen Teil 1 - Klett-Cotta Verlag
Buchcover Die Furcht des Weisen Teil 1 - Klett-Cotta Verlag
"Die Furcht des Weisen" ist endlich auf Deutsch erschienen. Doch Patrick Rothfuss' lang erwartete Romanfortsetzung verbreitet einen bitteren Beigeschmack.

Mit "Der Name des Windes" gelang Patrick Rothfuss ein Überraschungserfolg. Der Fantasyroman erschien 2007 in Amerika, ein Jahr später ließen sich auch die deutschen Leser in die Welt von Kvothe, dem Königsmörder entführen. Es regnete Preise, wie dem Quill Award oder dem Phantastik Preis 2009 in der Kategorie "Bester internationaler Roman". Kritiker handelten Patrick Rothfuss bereits als legitimen Nachfolger J.R.R. Tolkiens. Dieses Mal jedoch ein gerechtfertigter Vergleich als bei manch anderem Fantasyautor zuvor.

Drei lange Jahre mussten die Fans warten, doch im Oktober 2011 stand endlich die deutsche Übersetzung von "The Wise Man’s Fear" in den Regalen der Buchhändler. Die Erwartungen lagen entsprechend hoch, kann Patrick Rothfuss sein Niveau halten oder sogar noch toppen?

Patrick Rothfuss’ modernes Universitätsleben

Der Autor setzt dort ein, wo er die Leser am Ende von "Der Name des Windes" zurückgelassen hat: an der Universität nahe der Stadt Imre. Kvothe bestreitet seinen studentischen Alltag, was sich schwierig erweist, denn er hat noch immer Hausverbot in der Bibliothek. Doch durch einen Geheimgang verschafft er sich so Zugang zu den Büchern, kann sich seinen Studien widmen und nebenbei mehr über die mysteriösen Chandrian erfahren. Ihm zur Seite stehen seine Freunde Sim, Wilem und Fela. Natürlich ist die Rivalität zwischen Ambrose und Kvothe nicht beigelegt, sie erreicht sogar noch ihren Höhepunkt, als Kvothe ein Opfer eines Sympathievergehens wird, eine Art Voodoozauber. Es kommt zu einer öffentlichen Gerichtsverhandlung, die Kvothe zwar gewinnt, doch die Professoren ihm nahelegen, ein Trimester oder zwei eine Auszeit zu nehmen.

Schirmherren und Banditen

Kvothes Freund, Graf Threpe, empfiehlt ihm, den Maer Alveron aufzusuchen, denn dieser könnte Kvothes langersehnter Gönner und Förderer seines musikalischen Talents werden.

Doch in Severen muss sich Kvothe das Vertrauen des Maers erst verdienen. Er kommt einem Komplott auf die Spur, überführt den Hofsympathiker und unterstützt den Maer erfolgreich im Werben um dessen Traumfrau.

Doch damit nicht genug: Der Maer schickt Kvothe auf eine gefährliche Mission: Er soll die Räuber dingfest machen, die seit Monaten die Steuereintreiber des Maer überfallen. Dabei macht Kvothe eine weitere verhängnisvolle Entdeckung.

Die Welt von Kvothe

Für die vorliegenden 860 Seiten wirkt der Plot sehr gedehnt, viel Spannendes passiert zunächst nicht. Aber die Leser erfahren viel über Kvothes Welt: den Universitätsbetrieb, die Tavernen Imres, die unterschiedlichen Bewohner der Stadt, Kvothes Freunde. Patrick Rothfuss verleiht so seiner Welt und seinen Charakteren Farbe und Lebendigkeit, dass es auch Spaß macht, Kvothe beim alltäglichen Umgang mit seinen Professoren oder Feiern mit seinen Freunden zu beobachten. Der Plot um seinen Erzfeind Ambrose erreicht eine neue Ebene. Es wird klar, dass er ein nicht zu unterschätzender Gegner ist. Zumal er oft nur im Hintergrund agiert.

Kvothes Freunde werden eingehender beschrieben und auch die Beziehung zu Denna erhält weitere Facetten.

Patrick Rothfuss verpackt die Ereignisse in geschickte Wendungen, so dass die Handlung nicht vorhersehbar oder langweilig wird. Das liegt auch daran, dass der Autor sein Handwerk versteht. "Die Furcht des Weisen" ist wie der Vorgänger flüssig geschrieben und überzeugt mit Sprach- und Bildgewalt. Anderes erwartet man von einem Dozenten für Creative Writing an der Universität von Wisconsin auch nicht. Patrick Rothfuss hat eine Hand für pfiffige Dialoge und authentischen wie liebenswürdigen Figuren.

Kvothes Leben in der Retrospektive

Dass es sich bei Kvothes Abenteuern um einen Rückblick des alten Tavernenbesitzers Kote handelt, merkt man dem Text nicht an. Kvothe handelt in diversen Situationen überheblich, impulsiv und arrogant, er scheint alles zu können und muss lernen, sich zurückzunehmen. Trotz Rückschau vermeidet die Erzählfigur ihre Handlungen mittels seiner Erfahrungen zu kommentieren, was Kvothe bemerkenswert authentisch und komplex erscheinen lässt.

Patrick Rothfuss hat das vorgelegte Niveau von "Der Name des Windes" mühelos gehalten, das von den Übersetzern Jochen Schweizer und Wolfram Ströle stimmig in die deutsche Sprache übertragen wurde.

Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Aufgrund des Umfangs von "Die Furcht des Weisen" splitterte der Klett-Cotta Verlag den Inhalt in zwei Teile. Ob dies nötig war, zeigt sich am 24. Januar 2012. Dann erscheint auch endlich Teil zwei. Teil eins endet jedenfalls mit einem gemeinen Cliffhänger, so dass die Leser noch aushalten müssen. Und außerdem ist bisher noch nicht geklärt, warum es sich bei Kvothes Abenteuern um die Königsmörder-Chroniken handelt. Von Mord an einem König ist bislang nicht die Rede gewesen. Ob Teil 2 die Antwort bringt?

Patrick Rothfuss – Die Furcht des Weisen Teil 1

Klett Cotta Verlag, 2011

Gebundene Ausgabe, 860 Seiten

ISBN-13: 978-3-608-93816-6

Weitere Informationen zu Patrick Rothfuss und eine Leseprobe zu "Die Furcht des Weisen Teil 1" gibt es auf der Webseite des Klett-Cotta Verlags.

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