Paul Ekman, geboren 1934 in Washington, D.C., ist ein amerikanischer Psychologie-Professor, der sich über 40 Jahre nur mit Lügnern und Betrügern befasst hat. Die ersten zwanzig Jahre erforschte er alles, was mit Lügen zu tun hat. Die restlichen Jahre brachte er Polizisten bei, wie man Mörder enttarnt, CIA-Agenten, wie man Spione entdeckt, und den Beamten der amerikanischen Flughafensicherheit, wie man verdächtige Passagiere aus der täglichen Masse von zwei Millionen Fluggästen heraus filtert.
FACS - Ein objektives System zur Erfassung der Gesichtsausdrücke
Gemeinsam mit Wallace Friesen entwickelte er FACS (Facial Action Coding System), ein objektives Instrumentarium zur Erfassung des mimischen Ausdrucks. Mit FACS können sämtliche beobachtbaren Bewegungen im Gesicht erfasst und genau beschrieben werden. Nach der Codierung der mimischen Aktivitäten werden diesen in einem zweiten Schritt Emotionen zugeordnet.
Verräterische Mikroausdrücke
Grundlage der Gesichtserkennung sind so genannte micro expressions. Ausdrücke im Gesicht, die oft nur für Sekundenbruchteile zu erkennen, für die meisten Menschen jedoch nicht einmal wahrnehmbar sind. Nur ungefähr jeder 300ste Mensch ist ohne Training in der Lage, diese Mikroausdrücke wahrzunehmen. Die sechs wichtigsten Gefühle, die von den Mikroausdrücken verraten werden, sind Glück, Traurigkeit, Ekel, Verachtung, Angst und Überraschung.
Die sechs größten Mythen über Lügen
Ekman deckte die sechs größten Mythen über Lügen auf:
- Wer lügt, kann seinem Gegenüber nicht in die Augen schauen. Falsch. Gerade weil alle denken, dass es so sei, halten Lügner besonders intensiven Blickkontakt. Ununterbrochener Blickkontakt ist deshalb eher ein Indiz für Lüge.
- Wer die Arme vor der Brust kreut, hat etwas zu verbergen. Falsch. Es ist eher eine Schutzhaltung oder es bedeutet, dass es einem zu kalt ist. Ein Indiz für Lügen ist es nicht.
- Wer sich am Ohr zupft oder kratzt lügt. Falsch. Das zeigt vielleicht einen gewisse Nervosität, hat mit Lügen aber rein gar nichts zu tun.
- Wer lügt, blinzelt öfters. Falsch. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Bewegung der Augenlider und der Unwahrheit.
- Wer zögert, bevor er etwas sagt, schwindelt. Falsch. Viele Leute zögern grundsätzlich vor jeder Aussage - und es bedeutet gar nichts. Betrüger, die ihre Lügengeschichte gut geplant haben, antworten oft sogar schneller.
- Nach rechts (oder links) oben schauen ist ein Zeichen für Falschaussagen. Falsch. Auch dies bedeutet gar nichts.
Hot Spots - Bill Clinton hat gelogen
Wenn man Lügen aufdecken möchte, empfiehlt Ekman, zunächst auf so genannte Hot Spots zu achten: Dinge, die nicht zueinander passen. Wenn die Stimme nicht zum Inhalt der Aussage passt oder der Gesichtsausdruck nicht zur Stimme. Etwa wenn der Verdächtige zwar lächelt, seine Stimme aber gepresst oder angespannt klingt.
Außerdem sollte man analysieren, was der Verdächtige sagt und wie er es tut. Wer lügt, neigt dazu, weniger zu reden und sich oft zu wiederholen, um sich nicht in Widersprüche zu verwickeln. Er vermeidet Personalpronomen (ich, du) und Possessivpronomen (mein, dein), weil er sich nicht festlegen will (das Wörtchen "man" ist dagegen bei Lügnern beliebt). Er neigt dazu, negative Wörter wie hassen, wertlos oder traurig zu verwenden und weniger Handbewegungen zu machen, um seine Aussage zu unterstreichen. Außerdem versucht er, eine distanzierte Wortwahl zu verwenden ("diese Frau" statt des konkreten Namens).
Das beste Beispiel dafür ist der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, als er im Januar 1998 über seine Ex-Praktikantin Monica Lewinsky sprach: "Ich hatte keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau".
