Paul Ekman - Gefühle lesen

Paul Ekman - Gefühle lesen - Spektrum, Akademischer Verlag
Paul Ekman - Gefühle lesen - Spektrum, Akademischer Verlag
Die Serie "Lie to me" basiert auf seinen Forschungen, er wird der menschliche Lügendetektor genannt. In seinem Buch erklärt er, wie jeder Gefühle lesen kann

Der Psychologe Paul Ekman hat in letzter Zeit vor allem durch die TV-Serie "Lie to me" an Bekanntheit gewonnen. Dass er sich bereits seit Jahrzehnten mit menschlichen Emotionen und deren Universalität über Kulturen hinweg beschäftigt, erfährt man unter anderem in seinem Buch "Gefühle lesen - Emotionen verstehen". Dieses prall gefüllte Buch erklärt auch für Laien verständlich, wie Emotionen entstehen, wie sie sich auf dem menschlichen Gesicht äußern und wie man das Wissen um diese Emotionen nutzen kann, um Konflikte zu lösen, andere besser zu verstehen und es sich selbst im Leben leichter zu machen.

Emotionen sind universell

Jahrelange Forschungsarbeit von Ekman selbst sowie von seinen Kollegen hat ihn zu dem Schluss geführt, dass gewisse Basis-Emotionen bei allen Kulturen, Völkern, sozialen Schichten und Religionen gleich aussehen. So zeigt das Gesicht eines Mannes, der mit seinem Stamm irgendwo auf einem entlegenen Berg in Peru lebt, denselben Ausdruck, wenn er zornig ist, wie jemand, der in der Großstadt in den USA aufgewachsen ist, wie ein Italiener, ein kleines Kind aus Asien oder ein Psychologe aus Russland. Der Ausdruck von Emotionen, wie sie sich auf unseren Gesichtern abzeichnen, ist universell.

Wie entstehen Emotionen?

Ekman führt mehrere Möglichkeiten an, wie ein Mensch zu einer emotionalen Reaktion kommen kann. Sei dies durch etwas, das geschieht und eine Emotion auslöst, durch eine Erinnerung an ein solches Geschehnis, durch Mitgefühl mit jemand anderem, der emotional reagiert oder durch den Versuch, selbst eine Emotion hervorzuführen, indem man das passende Gesicht aufsetzt, Ekman erklärt alle Möglichkeiten ganz genau und beschreibt simpel aber verständlich, warum dies so ist.

Die Emotionen - Zorn, Angst, Trauer, Ekel, Freude

In jeweils einem eigenen Kapitel bespricht Ekman die unversell gültigen Emotionen, meistens als Zweierpaar. So gibt es ein Kapitel über Trauer und Verzweiflung. Er beschreibt, wie solche Emotionen ausgelöst werden, wie sie auf dem Gesicht aussehen - dazu gibt es auch immer passendes Bildmaterial, welches das Gesicht von Ekmans Tochter mit verschiedenen emotionalen Ausdrücken zeigt - und wie man mit dieser Emotion umgehen kann. Ekman betont stets, dass man zwar mit etwas Training die Emotion auf den Gesichtern anderer Menschen lesen kann, dass das Vorhandensein einer bestimmten Emotion wie etwa Zorn in einer bestimmten Situation nichts darüber aussagt, was die Emotion ausgelöst hat. Wenn man etwa seinem Partner etwas erzählt und dieser (der eigenen Meinung nach) unangemessen emotional reagiert, heißt das nicht, dass er so auf unsere Erzählung reagiert. Er kann sich auch einfach an seinen schlechten Tag in der Arbeit erinnert haben und sein Gesicht daher Züge von Zorn oder Ekel zeigen. Paul Ekman weist darauf in jedem Kapitel hin, um den Lesern klar zu machen, dass man eben nur die Existenz einer Emotion, nicht aber ihren Grund erkennen kann.

Wie kann man emotionales Reagieren verhindern?

Äußerst hilfreich sind Ekmans Tipps dazu, wie man verhindern kann, eine Emotion die Oberhand gewinnen zu lassen. Jeder kennt das Gefühl, wenn man vom Ärger übermannt wird, aggressiv und uneinsichtig ist und dadurch mehr Schaden anrichtet, als wenn man sich einfach beruhigen könnte. Er beschreibt, wie man es schaffen kann, eine Emotion - die immer unfreiwillig passiert - so zu lenken, dass man den Schaden, der dadurch entsteht eingrenzt. In der sogenannten Refraktärphase, wenn eine Emotion gerade aufgekommen ist, ist es unmöglich sich "vernünftig" zu verhalten. Das Gehirn hört nur, was die Emotion anfeuert. Wenn man traurig ist, dringen nur Dinge, die einen weiter traurig machen zu einem durch, dasselbe gilt für Zorn oder Ekel.

Paul Ekman hat mit diesem Buch eine solide Grundlage für Interessierte geschaffen, die tatsächlich schnelle Ergebnisse zeigt. Die Autorin hat es sich beim Trivial Pursuit Spielen zunutze gemacht, auf den Gesichtern ihrer Mitspieler lesen zu können und einige unerwartete Siege kassiert. Ein spannendes Buch, das jeder und jedem im täglichen Leben, in der Arbeit und Beziehung, helfen kann und dass Fernsehen - zumindest "Lie to me" - noch interessanter macht. Auf Paul Ekmans Homepage finden sich nicht nur viele weitere Infos, sondern auch Testversionen seines Programmes, mit dem das Erkennen von Mikroexpressionen erlernt werden kann, ein blog, in dem er Youtube-Videos auf Lügen analysiert und vieles mehr.

Paul Ekman: Gefühle lesen - Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Spektrum, 2010. Taschenbuch, 396 Seiten. Euro 14,95

Nadine Gemeinböck, Nadine Gemeinböck

Nadine Gemeinböck - Nadine Gemeinböck begann ihre Karriere im zarten Alter von 3 Jahren, mit dem sie das Lesen und Schreiben erlernte. Von dahin war es ...

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