
- Paul Grote - Ein Riesling zum Abschied - dtv
Paul Grote hat sieben Weinkrimis geschrieben, die in europäischen Weinanbaugebieten angesiedelt sind, angefangen mit „Tod in Bordeaux“ über „Bitterer Chianti“ und „Rioja für den Matador“ bis zu „Der Champagner-Fonds“. Der achte Krimi ist sein erster „Deutschland“-Krimi“. Da der Riesling eine der Hauptrollen in Paul Grotes jüngstem Krimi spielt, hat er als Schauplatz – wie er selbst sagt – den Rheingau als Wiege des deutschen Rieslings ausgewählt. Und speziell Geisenheim. „Überall, wo es um Wein ging, bin ich auf ‚Geisenheimer’ gestoßen. Es ist eine ganz besondere Spezies von Önologen, die in Geisenheim studiert haben“, sagte der Autor bei einer Lesung im Hotel Schloss Reinhartshausen, wo er einige spannende Passagen aus dem Rheingau-Krimi vortrug.
Mord im Rheingau: Eine Studentin der Internationalen Weinwirtschaft ist das Opfer
Die Fachhochschule in Geisenheim mit ihren Studenten und Dozenten steht im Mittelpunkt des Geschehens. Alexandra, eine Studentin der Internationalen Weinwirtschaft wurde ermordet und ihr Freund Manuel, ein Önologiestudent wenig später in Untersuchungshaft genommen. Damit ist sein Studium und auch sein Auftritt beim Rheingau Musik Festival gefährdet, denn Manuel ist auch ein begabter Pianist. Sein WG-Mitbewohner Thomas entwickelt detektivische Fähigkeiten, um sich auf die Suche nach dem wahren Mörder zu machen, denn von Manuels Unschuld ist er felsenfest überzeugt.
Die Dozentin Johanna Breitenbach wird zu seiner Verbündeten. Die Spuren führen von Geisenheim nach Lorch, nach Mainz und nach Frankfurt und sogar nach Südfrankreich. Die Schilderung kritischer Situationen entspannt sich immer dann, wenn Paul Grote hier einen Besuch in einem Rheingauer Weingut einbaut, da eine Weinverkostung beschreibt und dort Einblick in die Themen des önologischen Grundstudiums gibt. Alle Weine und Rheingauer Weingüter, die im Krimi vorkommen gibt es wirklich und er nennt sie mit ihrem Namen. „Bei den im Roman genannten Winzern stimmte sowohl die persönliche als auch die Weinchemie“, sagte er und so steht es auch im Nachwort seines Buches. Zu den im Buch genannten Winzern zählen beispielsweise Ferdinand Koegler, Theresa Breuer, Hans Lang, Freifrau Langwerth von Simmern und Stefan Ress, mit dem er zufällig vor der Winebank ins Gespräch kam – und die Winebank kommt auch im Krimi vor.
In einer spannenden Handlung bringt Paul Grote seinen Lesern den Rheingau näher
Paul Grote schreibt in einer angenehmen Sprache und hat einen fesselnden Stil. Anschaulich beschreibt er die Protagonisten, die Rheingauer Landschaft und so manche Eigenheiten ihrer Bewohner. „Aber die Verzögerung hatte auch ihr Gutes. Endlich konnte er sich einmal das Weingut ansehen. Den majestätischen Bau kannte er bislang nur aus der Ferne. Aristokratisch thronte er auf einem Berg aus Quarzit über den mit Reben bestockten Hängen, die langsam aus der Ebene vom Elsterbach ansteigend zum Schloss hin steiler wurden, sodass die Reben jeden Sonnenstrahl von morgens bis abends einfangen konnten, ausgerichtet von Ost nach West. (…) Er wusste, dass der Gutsverwalter auch Önologe und ehemaliger Geisenheimer war. Davon gab es inzwischen knapp dreitausend, sie hatten einen guten Ruf, und sie ackerten von Argentinien bis Neuseeland, in Büros, Kellern und Weinbergen“, heißt es in einem Ausschnitt von Kapitel 11, etwa in der Mitte des 380 Seiten starken Buches.
Paul Grote hat den Rheingau, die Landschaft, die Menschen und den Wein gut studiert
Paul Grote, der lange Zeit in Lateinamerika lebte und von dort Reportagen für verschiedene Magazine schrieb, lebt inzwischen als Autor in Berlin. Den Rheingau hat er für seine Recherchen mehrmals besucht und vier Wochen lang intensiv vor Ort an den Vorbereitungen für seinen Rheingau-Krimi gearbeitet.
Nach der Lesung hatten einige Gäste im Publikum noch Fragen an den Autor, insbesondere zu seiner Art der Recherche. „In jedem Buch versuche ich, ein Weinthema, ein soziales, ein politisches und ein regionales Thema und eine Familiengeschichte zu verarbeiten“, erklärte er. „In Geisenheim habe ich Gespräche mit Studenten geführt, ich habe mich umgeschaut am Weinstand, in den Kneipen und Geschäften, habe Unterhaltungen angehört und Weine probiert. Und wo irgendetwas offen war, bin ich hineingegangen. An der Fachhochschule wurden mir alle Türen geöffnet.“
In seinem Buch „Ein Riesling zum Abschied“ ist es ihm bestens gelungen, diese Informationen zu einem lesenswerten Kriminalroman zu verarbeiten – intelligent eingefädelt, lehrreich, was die Region, den Wein und die menschlichen Charaktere angeht, unterhaltsam und spannend bis zum Schluss.
