Pedelecs im Test: Ergebnisse einer Bremer Studie

Pedelecs - Pedelec Bremen
Pedelecs - Pedelec Bremen
300 Menschen aus Bremen und dem Umland haben je zehn Tage lang im Rahmen einer Studie Pedelecs in der Praxis getestet. Der ADFC berichtet.

Unter dem Titel "Elektrisiert Fahrrad fahren?" haben Tobias Leuze und Klaus-Peter Land vom ADFC Bremen am Abend des 24. Januar 2012 im Focke-Museum eine Studie zum Thema Pedelecs (Pedal Electric Cycles) und deren Ergebnisse vorgestellt. Fragen rund um das Thema elektrisch unterstütztes Radfahren konnten erörtert werden – ein Anschauungsobjekt stand bereit. Der Vortrag gehörte zum Rahmenprogramm der Sonderausstellung "Voll abgefahren", die noch bis zum 15. April 2012 im Focke-Museum läuft.

Die Studie "Pedelec – Testfahren mit Rückenwind"

Die Pedelec-Studie ist ein Projekt des Bremer Senators für Umwelt, Bau und Verkehr und fand zwischen Mai und Oktober 2011 statt. Die Projektarbeitsgemeinschaft bildeten der ADFC Bremen und ecolo, die Agentur für Ökologie und Kommunikation. Insgesamt 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen testeten je zehn Tage lang insgesamt 24 Pedelecs. 20 davon wurden Firmen zur Verfügung gestellt – letztlich mit dem Ziel, Autofahrer/innen dazu zu bewegen, für den Weg zur Arbeit künftig aufs Zweirad umzusteigen.

Der Anteil von weiblichen und männlichen Teilnehmern war in etwa gleich groß; überwiegend fünf bis zehn Kilometer legten die Probanden mit dem Pedelec zurück, einige Pendler aus dem Bremer Umland jedoch auch deutlich mehr. Schon in der Altersklasse der 30-Jährigen war das Interesse am elektrisch unterstützten Radfahren groß – ein Indiz dafür, dass das Image des "Rentnerbikes" bröckelt. 90 Prozent der Probanden waren insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Pedelec. Immerhin 86 Prozent der Autofahrer/innen gaben eine Weiterempfehlung fürs Zweirad.

Diejenigen, die unzufrieden waren, nannten als Hauptgründe, ihnen sei das Pedelec zu schwer (7 Nennungen), zu langsam oder die Sitzposition sei unangenehm (je 3 Nennungen). Zu den Wünschen an den Senator gehörten bessere Radwege und sichere Fahrradparkplätze für das wertvolle Stück. Vom Arbeitgeber wünschten sich die Tester unter anderem Duschen und Umkleiden sowie finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung.

Pedelecs in der Diskussion – die "moderne Art der Altersvorsorge"

Im Abschluss an den Vortrag entspann sich eine Diskussion unter den wenigen, aber interessierten Zuhörern. Es wurde die Frage der Sicherheit von elektrisch unterstützten Fahrrädern gestellt – allerdings traten im Rahmen der Studie keine mit dem Pedelec in Zusammenhang stehenden Sicherheitsprobleme auf. Im Gegenteil, manche Testfahrer berichteten, sie blieben an roten Ampeln häufiger stehen als mit dem normalen Fahrrad, da das Anfahren nicht so anstrengend sei.

Bremen ist eine Stadt mit hoher Radfahrerdichte, aber bekanntlich auch eine Stadt im Flachland. Die Sehnsucht nach Unterstützung beim Strampeln mag in bergigeren Gegenden höher sein, und auch im Tourismus spielen Pedelecs eine immer größere Rolle. So lag einer Zuhörerin dieses Thema besonders am Herzen: das Pedelec für Urlaubstouren. Doch trotz umfassender Kritik – die Räder seien zu schwer, die Akkus nicht ausdauernd genug, die Leihmöglichkeiten und Gelegenheiten zum Testfahren nicht ausreichend, in Hotels habe man mit seinem schlechten Gewissen zu kämpfen, die Akkus dort aufzuladen – zog sie ein positives Fazit: "Man kann gucken, wo die Häschen laufen und wo die Sonnenblumen blühen – das ist wunderschön."

Ein Zuhörer nannte die Anschaffung eines Pedelecs eine "moderne Art der Altersvorsorge", doch die ADFC-Vertreter betonten, dass längst nicht mehr nur ältere Menschen die Unterstützung beim Radfahren nutzen. Die Zahl der Fans nimmt zu – in allen Altersklassen. Nicht zuletzt bietet das Pedelec, um den Bogen zum Arbeitsweg zu schlagen, eine Kostenersparnis für die Fraktion der Autofahrer. Je nach den äußeren Umständen und der gewählten Stufe der Unterstützung kostet das Pedelecfahren teils weniger als einen Cent pro Kilometer. Allerdings muss früher oder später der Akku ausgetauscht werden, und allein der kostet zwischen 200 und 1.000 Euro.

Hinweise:

Ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) hat eine Motorleistung bis zu 250 Watt und eine Geschwindigkeit bis zu 25 Kilometer pro Stunde, danach schaltet sich der Motor aus. Es ist dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt und unterscheidet sich von so genannten S-Pedelecs und E-Bikes, für die gesonderte Bestimmungen gelten.

Kunden der swb können eine finanzielle Förderung beim Kauf eines Pedelecs bekommen.

Die Ausstellung "Voll abgefahren. Eine Mitmach-Ausstellung über das Gehen, Fahren und Fliegen" im Focke-Museum Bremen läuft noch bis zum 15. April 2012.

Quellen und Literaturhinweise:

  • Elektrisiert Fahrrad fahren? Vortrag des ADFC Bremen im Focke-Museum am 24. Januar 2012
  • ADFC-Information zu Pedelecs und E-Bikes – Broschüre
  • Pedelec Bremen
  • ADFC Bremen
  • Focke-Museum
Lucy M. Laube, Foto: Marc Mußmann

Lucy M. Laube - Ich liebe es, wenn Menschen auf enthusiastische Weise absurde Dinge verkünden. Diese sammle ich, leider an verschiedensten Orten, so ...

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