Die Chinesen haben ein Tauchboot entwickelt, das in diesen Tagen erste Tests bestand und 2012 einen Weltrekord aufstellen soll – es ist geplant, das Boot "Jiaolong" dann mit einer dreiköpfigen Besatzung rund 7.500 Meter tief tauchen zu lassen. Damit hätten die Chinesen Zugang zu 99,8 Prozent des Meeresbodens. Den jetzigen Rekord halten die Japaner, deren Boot "Shinkai" 6.500 Meter erreichte. Im Gegensatz zu den Japanern aber scheinen die Chinesen auch Hoheitsansprüche geltend zu machen. Darauf deutet die Tatsache hin, dass ihr Tauchboot "Jiaolong" kürzlich an einem bestimmten Punkt der Südchinesischen See in gut drei Kilometern Tiefe eine chinesische Flagge im Meeresboden verankerte. Wang Weizhong, als Vizepremier zuständig für Wissenschaft und Technologie, sprach in diesem Zusammenhang begeistert von einem "Meilenstein auf Chinas Weg zu globaler Erforschung".
Peking beschaffte Technologien im Ausland
Westlichen Geheimdiensten zufolge begannen die Chinesen um das Jahr 2002, ihre bis dahin getrennt verlaufenden Tiefseeforschungen zu koordinieren und entsprechenden Projekten höchste Priorität zu verleihen. Sie bedienten sich dabei, so weiß die "New York Times" zu berichten, sowohl getarnter als auch offener Methoden. So bestellten sie in Russland einen sphärischen, also kugelförmigen Rumpf mit einem Durchmesser von knapp acht Metern. Diese Größe war gewählt worden, um drei Mann Besatzung unterbringen zu können – sicher: auf knappest denkbarem Raum. Diese stählerne Kugel sollte sieben winzige Ausblicksluken aufweisen. Gleichzeitig kaufte Peking in den USA modernste Unterwasserbeleuchtungen und -Kameras sowie Roboterarme.
Chinesische Tauchpiloten in den USA ausgebildet
Die USA erfüllten den Chinesen auch diesen doch eher ungewöhnlichen Wunsch: Fünf chinesische U-Bootpiloten und ein Wissenschaftler besuchten für mehrere Wochen die weltberühmte Woods Hole Oceanographic Institution auf Cape Cod. Diese Chinesen durften sogar an Tauchmanövern des Forschungsbootes "Alvin" teilnehmen, das dieser Institution gehört. Von wenigstens acht Tauchmanövern der Chinesen ist in Cape Cod die Rede. Einer dieser Chinesen war Ye Cong – er steuerte jetzt bei den Tests das chinesische Tauchboot "Jiaolong". Die "Alvin" allerdings kann nicht tiefer als 4.500 Meter tauchen.
Meeresböden sehr reich an Mineralien
Sowohl "Jiaolong" als auch "Alvin" oder vergleichbare russische, französische und japanische Konstruktionen können nicht als "U-Boote" bezeichnet werden, denn sie können nicht unabhängig von einem Mutterschiff operieren und sind außerordentlich klein. Für sie gilt die Bezeichnung "Tauchboot". Die Flaggenverankerung auf dem Meeresgrund der Südchinesischen See wurde übrigens im Pekinger Fernsehen gezeigt, und Liu Feng, Direktor aller "Jiaolong"-Manöver, kommentierte dazu: "Das ist für uns ein enormer Fortschritt". Die Meeresböden, so William Broad von der "New York Times", "haben Milliarden-Werte allein an Mineralien".
