Wenn Chinesisch auf Englisch trifft, nennt man das was dabei herauskommt Chinglish. Chinglish ist ein in ganz China verbreitetes Phänomen. Sorgt Chinglish unter Nichtchinesen für Verwirrung und Heiterkeit, empfinden Chinesen Verdruss. Als ein Teil der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2008, hatte die Stadt Peking sich der Beseitigung des Chinglish verschrieben. Vorrangiges Ziel war dabei, jegliche Art von falschen Übersetzungen von Chinesisch ins Englische zu tilgen, denen ein Ausländer begegnen könnte.
In Peking sollte man keine "Deformed Man Toilet" (Toilette für verunstaltete Menschen) oder ein "Anus Hospital" (Darmausgangs Krankenhaus) finden. Auch den Park für ethnische Minderheiten mit ”Racist Park” (Rassistenpark) zu benennen, sollte der Vergangenheit angehören. Tummelplatz des Chinglish waren und sind Verkehrs-, Warn- und Hinweisschilder, aber auch Informationsmaterial für Touristen, Plakate und nicht zuletzt Speisekarten.Die Behörden setzten bei der Beseitigung von Chinglish auch auf die Bevölkerung. Die von Stadt eingerichtete Hotline zur Meldung von Chinglish wurde eifrig genutzt.
Chinas größte offizielle englischsprachige Zeitung, die "China Daily", unterstützte das Vorhaben ebenfalls. Die Zeitung hatte eine Internetseite mit dem Namen “Here we go“ eingerichtet. Dort konnte jeder seinen Chinglishfund als Digitalphoto veröffentlichen. Anschließend durfte online über die korrekte Übersetzung diskutiert werden. Unter der Rubrik “Chinglish signs“ fand man mannigfaltige Beispiele von Chinglish. Der Nutzer der Seite fand aber auch eine Sammlung richtig übersetzter Schilder. Neben einem Forum gab es noch eine Rubrik in der Fachleute Stellung zu Übersetzungsfragen nahmen.
Für die Beseitigung von schlechten Übersetzungen auf Pekings Speisekarten erstellten chinesische Behörden – laut staatlicher Nachrichtenagentur Xinhua - eine Liste mit exakt 2753 unerwünschten Bezeichnungen von Speisen und Getränken. Es sollte kein jungfräuliches Hühnchen (virgin chicken) mehr geben und auch keinen gedämpften Mist. Neue Bezeichnungen mussten sich nach einer von vier Kategorien richten: Zutaten, Garmethode, Geschmack und Name einer Person oder Örtlichkeit. Eine Pekingente konnte der Olympionike daher weiterhin bestellen.
Einige Fehler entstehen beim Cinglish einfach durch falsche Schreibung von englischen Wörtern. So wurde aus gedämpften Karpfen (Steamed Carp), durch das vertauschen zweier Buchstaben, gedämpfter Mist (Steamed Crap). Dank verschiedener Möglichkeiten mit denen man chinesische Zeichen übersetzen kann, erzeugen elektronische Übersetzungsprogramme ebenfalls zahlreiche Fehler. So mutiert das Nudelrestaurant zum Gesichtspuderrestaurant, weil eine mögliche Schreibweise von Nudel aus zwei Zeichen besteht, die für sich genommen Gesicht und Puder bedeuten können.
Wer nicht die Möglichkeit hat, in nächster Zeit nach China zu kommen, kann sich auch Zuhause mit Chinglish beschäftigen. Das Buch von Oliver Lutz Radtke “Chinglish: Found in Translation“ wartet mit hunderten Beispielen auf. Zahlreiche Internetseiten beschäftigen sich mit dem Thema. Auf www.chinglish.de findet man ebenfalls zahlreiche Beispiele, Informationen und ein Forum.
Einige Chinesen allerdings haben kein entspanntes Verhältnis zu solchen Seiten. Manche fühlen sich auf den Schlips getreten und fürchten eine Verunglimpfung Chinas oder sprechen sogar von Rassismus.
Dabei gibt es in vielen Sprachen der Welt ähnliche Entwicklungen wie Chinglish. Frenglais Spanglish oder nicht zuletzt das Denglisch. Auch das Deutsch-Englisch wartet mit vielen Kuriositäten, Missverständnissen und Fehlern auf. So ist das Wort Handy nur ein pseudoenglisches Wort, welches im Englischen nicht für Mobiltelefone Verwendung findet. Etwas makaber war die Idee einer deutschen Firma, die meinte das englische Wort “bodybag“ sei für ihre Produkte eine “coolere“ Bezeichnung als das biedere Wort Rucksack. Unbekannt die Zahl der Besitzer dieser bodybags, denen bewusst war einen Leichensack auf dem Rücken zu tragen.
Bei den Olympischen Spielen zeigte sich, dass der Kampf gegen Chinglish vergeblich war. Für den Besucher Chinas bleibt die Hoffnung, eine Chinglisherfahrung zu machen bestehen. China ist groß und die Fehlerquote beim Übersetzen vom Chinesischen ins Englische bleibt ebenfalls hoch.
Quellen:
Oliver Lutz Radtke “Chinglish: Found in Translation“
www.chinglish.de
