Michael ist 16 und startet in wenigen Tagen seine Ausbildung als Technischer Zeichner bei einem mittelständischen Unternehmen in Frankfurt. Nun braucht er wie 500 000 andere "Kollegen", die in das neue Ausbildungsjahr starten, ein Girokonto. Weil der Auszubildende noch nicht volljährig und damit nur eingeschränkt geschäftsfähig ist, geht er mit seinem Vater zur Hausbank der Familie. Gemeinsam eröffnen sie ein Konto, um eine Infrastruktur für die "laufenden" Einnahmen und Ausgaben zu schaffen (italienisch "Giro" = Kreis, Umlauf). Der erste Schritt zum vollwertigen Bankkunden ist getan.
Interessante Zielgruppe
Teens sind eine gesuchte und gerngesehene Kundengruppe. Egal ob demnächst Chefarzt oder Facharbeiter – eine Karriere steht bevor, und die Banken bieten ihre Dienste an. Diese Zielgruppe ist darüber hinaus auch in der Gegenwart nicht zu verachten. Rund elf Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren leben in Deutschland. Per Taschengeld, Bargeschenken, Einkommen durch Nebenjobs oder Ferienarbeit sowie Sparguthaben verfügen sie nach Untersuchungen des Instituts für Finanzdienstleistungen über ein Vermögen von mehr als 8,8 Milliarden Euro.
Marketing-Maschine läuft
Da lassen die Institute nicht locker und werben mit Angeboten. Namen wie Spacekonto, Karrierekonto oder etwas schlichter Starterkonto und Jugendkonto locken. Wobei das einfache Konto in der Regel integriert ist in ein Gesamtpaket. So bietet die Hamburger Sparkasse Intro an, mit EC-Karte, Handy-Versicherung, Schlüsselfundservice, Ticket-Hotline, Kino-Paket, McDonald's-Menüs, Reiseangeboten, Stromgutscheinen, Service-Hotline und vierteljährlichem Newsletter. Für Schüler, Azubis oder Studenten sind Girokonten meistens kostenlos – für Jugendliche bis 18 immer. Jugendliche sind auch für andere Branchen eine interessante Zielgruppe: Per Handy in die Privatinsolvenz. Deswegen: Jugendliche: Tipps zum Sparen
Girokonto – Mittelpunkt der privaten Finanzen
Das Girokonto wird der Mittelpunkt der privaten Finanzen. Lohntüte war gestern, mindestens eine Bankverbindung gehört heute dazu. Ohne Girokonto geht nichts mehr in unserer Gesellschaft. Die Gehaltszahlung wird gegen Ende des Monats verbucht, der Dauerauftrag für Miete eingerichtet, die Überweisung der Moped-Versicherung ist fällig.
Millionen Girokonten
70 Millionen Girokonten gibt es in Deutschland, weit mehr als 90 Prozent aller Haushalte benutzen eins, 30 Millionen werden online geführt. Nach einer Jugendstudie des Bundesverbandes deutscher Banken beschäftigen sich sogar viele Kids gern mit den Finanzen. Über zwei Drittel der 14- bis 24-Jährigen finden Spaß daran, sich um die eigenen Geldangelegenheiten zu kümmern. 82 Prozent der Befragten haben ein eigenes Konto.
Lebenslange Beziehung
Oftmals ist die Bankverbindung der Start in eine lebenslange Beziehung. "Einmal Kunde – immer Kunde" gilt nach der aktuellen Marktforschung immer noch. Nur relativ wenige Menschen wechseln im Laufe ihres Lebens ihre Bank oder Sparkasse. Wichtig ist beim Girokonto die Auswahl des richtigen Konto-Typs. Keine leichte Aufgabe, denn die Banken bieten unzählige Varianten an. Prinzipiell ist zwischen Einzelabrechnungs- und Paketmodellen zu unterscheiden. Wer mehr als 200 Buchungen im Jahr veranlasst, für den lohnen sich die Paketpreise. Wenig-Nutzer sollten dagegen die preiswerten Einzelabrechnungen wählen. Mitentscheidend für die Wahl des richtigen Instituts sind die Kosten. Auskunft über die Ausgaben für Kontoführung geben die Preisaushänge, die nach der Preisangabenverordnung seit März 1985 gut sichtbar im Schalterraum und Schaufenster plaziert sein müssen.
Kostenloses Girokonto
1996 führte die damalige Bank für Gemeinwirtschaft erstmals das kostenlose Girokonto mit einer intensiven Werbekampagne ein. Mittlerweile gibt es viele Kreditinstitute, die kostenlose Abwicklung der laufenden Geldgeschäfte anbieten. Doch nicht selten stellen Banken und Sparkassen Bedingungen. Erforderlich ist dann oftmals eine Mindesthöhe beim Gehalt. Häufiger gibt es auch spezielle Angebote. Beispielsweise einen Euro pro Monat als Geschenk, Preisvorteile beim Einkauf. Junge Menschen sind gut beraten, solche Angebote wahrzunehmen und erste Schritte in die Welt der Finanzen zu gehen. Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät aber zum Vorausdenken: "Nicht nur die Gegenwart zählt. Wichtig ist auch zu prüfen, was ein Girokonto mit 18 kostet oder wenn man in einen festen Job kommt." Ist man mit den Dienstleistungen nicht mehr zufrieden oder sind diese vergleichsweise teuer, kann man immer noch mal wechseln.
Achtung: Dispo!
Einen Dispositionskredit haben üblicherweise alle Girokonten - je nch Höhe der monatlichen Überweisungen durch den Arbeitgeber. Damit können Bankkunden jederzeit bis zu einer von der Bank genehmigten Höchstgrenze ihr Konto überziehen - JUgendliche haben damit die Verantwortung über einen kleinen finanziellen Spielraum. Denn wer ein regelmäßiges Einkommen hat, gilt in der Bankenbranche als kreditwürdig. Bis zum Dreifachen des monatlichen Einkommens wird ein Dispokredit in der Regel gewährt. Zurückgezahlt wird durch zukünftige Lohn- oder Gehaltseingänge. Die Kreditlinie – auch Kreditlimit oder Kreditrahmen genannt – gibt die Grenze an, bis zu der ein Bankkunde sein Konto nutzen kann. Überziehungskredite werden von der Bank auch automatisch eingeräumt, sobald auf dem Konto regelmäßige Zahlungen eingehen. Bis zu diesem Punkt klingt es harmlos. Aktuell jedoch kostet Überziehen des Girokontos zehn bis zwölf Prozent. Wird der Kreditrahmen gar überschritten, kommt eine Provision von zwei bis fünf Prozent hinzu. "Junge Menschen bekommen üblicherweise mit 18 einen Überziehungskredit eingeräumt. Dann darf man sein Konto überziehen. Aber nicht allen ist es klar, dass dies Schulden sind", erläutert Hartmut Strube. Das jedenfalls sei kein günstiger Start in die Welt der Finanzen.
