
- Radweg Nr. 1 führt zum Leuchtturm La Corbière - Judith Weibrecht
Auf der Kanalinsel Jersey kann man sich aus den vielen Radrouten, Cycle Routes und Green Lanes Jerseys, die jeweils passende Radtour zusammen stellen. Entlang der Radwege einiges an Sehenswürdigkeiten. An der Küste finden sich viele Burgen, das mächtige Mont Orgueil Castle in Gorey etwa am Radweg Nr. 1, der einmal rund um die Insel führt. Über viele verwinkelte Treppen und Räume gelangt man in dem konzentrisch angelegten Kastell, dessen innerster und ältester Teil aus dem 13. Jh. stammt, nach oben, von wo aus sich herrliche Blicke auf Land und Meer bieten. So rief denn auch Thomas, Herzog von Clarence angesichts der Lage aus: „Mont Orgueil!“, Burg Stolz, und gab damit der Festung ihren Namen. Burgenfans kommen auf ihre Kosten: Elizabeth Castle (neben Radroute Nr. 1) liegt vor der Hauptstadt St. Helier in der Bucht und kann bei Ebbe über einen Damm oder per Amphibienfahrzeug erreicht werden, St. Aubin’s Fort (ebenfalls an der Cycle Route Nr. 1) vor dem gleichnamigen Ort lässt sich während einer Wattwanderung besuchen.
Gang durch Jerseys Geschichte per Rad
Jerseys Sehenswürdigkeiten und seine Geschichte lassen sich an vielen Stellen erkunden. Das mystische neolithische Ganggrab „La Hougue Bie“ (Cycle Route Nr. 3a) wurde um 3.100 v. Chr. errichtet und soll eine bedeutende Kultstätte gewesen sein. Bis heute konnte man Einritzungen in den Steinen nicht entschlüsseln. Oben auf dem Hügel über dem prähistorischen Dolmen stehen zwei Kapellen aus dem 12. und 16. Jh., unten ein Kommandobunker aus der Zeit der deutschen Besetzung. Er ist heute ein Memorial zur Erinnerung an die Sklaven auf Jersey während des 2. Weltkrieges. Dieser Ort ist wirklich ein Gang quer durch die Geschichte.
An den Jersey War Tunnels (Radroute Nr. 4) erhält man als Eintrittskarte die Identity Card einer tatsächlichen Person. Die Kriegstunnel, auch Höhlgangsanlage 8 oder Ho8 genannt, sind die grausige Erinnerung an die fünf Jahre dauernde Besatzung. Ständig wird man gebeten, sich in die Lage von Inselbewohnern hinein zu versetzen. Teils wird man von lebensgroßen Menschen, deren Kopf eine Videoinstallation ist und zu einem spricht, angesprochen. Zwangs- und Sklavenarbeiter mussten Ho8 ausheben. Ursprünglich als Rüstungswerkstatt und Kaserne gedacht, wurde daraus ein unterirdisches Krankenhaus mit Operationssälen. Jersey war Teil des Atlantikwalls und wurde von den deutschen Invasoren einfach „Jakob“ genannt.
Jerseys Sehenswürdigkeiten mit dem Fahrrad erfahren
Und was sollte man noch alles sehen? Jennifer Ellenger von Jersey Tourism empfiehlt z. B. den Leuchtturm „La Corbière“. Zu ihm führt der Corbière Walk ab St. Aubin, ein Rad- und Wanderweg auf der alten Trasse der einstigen Dampfeisenbahn und Teil des Radwegs Nr. 1. Nun ist Vorsicht angesagt, gerade eben konnte man noch gefahrlos hinüber radeln zum Leuchtturm, doch auf dem Rückweg wird man schon arg nass. Die Flut kommt, und zwar schnell. Also weg hier und um die Ecke zum größten Strand Jerseys, der weit geschwungenen St. Ouen’s Bay im Westen.
Auch englische Gartenbaukunst und französische Gourmettempel lassen sich auf Jersey per Fahrrad besuchen.
