In Sachen Spür- und Geruchssinn ist der Hund dem Menschen weit überlegen, denn er kann schon kleinste Nuancen unterscheiden. Allerdings trifft dies nur auf spezielle Substanzen zu, die für ihn von Bedeutung sind. Auf Blumenduft zum Beispiel, der für Hunde unwichtig ist, reagieren sie nicht empfindlicher als die Nase des Menschen.
Der Hund filtert überlagerte Gerüche heraus
Zu welchen erstaunlichen Leistungen die Hundenase fähig ist, zeigt das Beispiel sogenannter Bluthunde. Diese Vierbeiner wurden extra darauf abgerichtet, Menschen zu jagen. Deren Fußschweiß können sie selbst noch nach vier Tagen ausmachen und Spuren über Hunderte von Kilometern verfolgen.
Das ist möglich, weil Hunde in der Lage sind, menschliche Füße durch Schuhe hindurch zu erschnüffeln. Selbst die Überlagerung von mehreren Abdrücken hindert die Tiere nicht, bestimmte Füße zu identifizieren. Diese außergewöhnlichen Fähigkeiten sind den 220 Millionen Geruchszellen zu verdanken. Zum Vergleich: Der Mensch besitzt "nur" etwa 20 Millionen Geruchszellen.
Der Vierbeiner ist damit zuverlässiger als viele technische Hilfsmittel beim Aufspüren von Bomben, Verschütteten, Drogen etc. Bei Kokain, Marihuana und Heroin lässt sich der speziell ausgebildete Polizei- oder Zollhund nichts vormachen. Versteckte Drogen findet er mühelos. Auch die Tricks einiger Händler, den Eigengeruch der "heißen Ware" durch Parfüm, Gewürze oder Mottenkugeln zu vertuschen, können die feinen Spürnasen nicht täuschen.
Hunde riechen Gefühle
Wie viele Tiere nutzt der Hund seinen Geruchssinn auch im sozialen Bereich, zum Beispiel, um die Läufigkeit einer Hündin festzustellen. Ein einmaliges Phänomen ist allerdings, dass er in der Lage ist, menschliche Gefühle wie Aufregung, Trauer, Wut, Freude etc. zu erschnüffeln. Das liegt daran, dass unser Körper, je nach Stimmungslage, bestimmte Geruchsstoffe produziert. So kann der Hund u. a. Angstschweiß wahrnehmen. Die ausströmenden Duftstoffe verraten ihm mehr über die Gefühle des Menschen, als es reines Beobachten könnte. So ist es zu erklären, dass Hunde beispielsweise versuchen, trauernde Personen zu trösten.
Wie das Riechen funktioniert
Der Hund atmet bis zu 300 Mal in der Minute ein. Er hat damit eine eigene Schnüffeltechnik entwickelt, die das gute Riechen unterstützt. Außerdem muss er seine Nase feucht halten. Das geschieht, indem sie ein Sekret absondert. Die Geruchspartikel können sich lösen und anschließend in die Geruchszellen gelangen. Diese wiederum senden Signale an das hochgradige Geruchszentrum.
Intensives Riechen ist für den Hund anstrengend
Das intensive Riechen steckt der Hund jedoch nicht so leicht weg, wie man vielleicht vermuten mag. Je schwieriger der Geruch zu identifizieren ist, desto mehr gleicht das Schnüffeln einer Schwerstarbeit. Denn die Momente, in denen der Hund angestrengt seine Nase einsetzt, verlängern sich. Dagegen verkürzen sich die Pausen zwischen den einzelnen Schnüffelperioden und die Herzfrequenz des Tieres steigt an. Die meisten Hunde sind deshalb nach schwierigen Suchaktionen so erschöpft, dass sie unbedingt Ruhe brauchen.
Den perfekte Geruchssinn haben die Hunde von ihren Vorfahren, den Wölfen, geerbt. Für diese ist so eine empfindliche Nase auch heute noch lebenswichtig. Wenn der Wind in die richtige Richtung weht, können sie sogar Beute in drei Kilometern Entfernung riechen.
Verlust des Geruchssinns ist eine ernste Behinderung für den Hund
Wild zu jagen, um zu überleben, ist für unsere, meist gut gefütterten Haushunde, heutzutage nicht mehr ganz so wichtig. Dennoch ist der Geruchssinn das Sinnesorgan, auf das der Hund am wenigstens verzichten kann. Ein Verlust wäre eine ernste Behinderung für ihn und ist etwa mit der Erblindung eines Menschen zu vergleichen. Denn so, wie der Mensch seine Welt in Bildern erlebt, findet sich der Hund in seiner Umwelt durch Gerüche zurecht.
Literaturhinweis:
Desmond Morris: Dogwatching - Die Körpersprache des Hundes. Wilhelm Heyne Verlag, München 1996
