
- Rhodan Buch - Zippifoto
Am 08. September 1961 erschien der Band „Unternehmen Stardust“. Es war ein Heftroman einer Serie, die „Perry Rhodan“ heißen sollte, und von der man hoffte, dass sie zwanzig, vielleicht sogar fünfzig Bände überstehen würde. Nun feiert diese „Groschenroman“-Serie ihren fünfzigsten Geburtstag. Es ist Zeit für eine Hommage.
Die ersten Pläne beim Möwig Verlag
In der Bundesrepublik der fünfziger Jahre begann man sich schnell für Science Fiction Literatur zu begeistern. Diese gab es zu jener Zeit aber überwiegend nur in Einbänden. Eingebundene Bücher waren damals aber sündhaft teuer, das Format des Taschenbuchs war gerade entdeckt. Eine Alternative boten damals die weit verbreiteten Leihbüchereien. Kurt Bernhardt, Redakteur beim Münchener Moewig Verlag, Hatte da eine verwegene Idee. Andere Romansparten wie Western, Krimis und Liebesromane wurden damals schon in Heftform herausgegeben. Bernhardt hatte nun den Einfall eine SciFi-Romanserie aufzubauen, die wöchentlich in Heftform erscheinen sollte und deren Handlungsstränge sich jeweils über mehrere Hefte erstrecken sollte. Mit der Planung und Gestaltung beauftragte er die erfahrenen Romanautoren K. H. Scheer und Werner Ernsting alias Clark Darlton. Monatelang hockten die beiden Schreiberlinge zusammen und tüftelten an Kurt Bernhardts Grundidee. Anfang 1961 hatte die neue Romanserie ein Konzept und einen Namen. Perry Rhodan.
Mit „Unternehmen Stardust“ geht es los
Zu Scheer und Darlton stießen noch die Autoren Kurt Mahr, Kurt Brand, Hans Kneifel und William Voltz. Im April 1961 umkreiste der russische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch in einer Raumkapsel die Erde. Im folgenden Mai erklärte US-Präsident John F. Kennedy den erfolgreichen bemannten Flug zum Mond innerhalb des Jahrzehnts zum nationalen Ziel. Am 08. September 1961 erschien der Heftroman „Unternehmen Stardust“, Band 1 der neuen Romanserie „Perry Rhodan“. Die Handlung nimmt den aktuellen Wettlauf zum Mond als Thema und spielt im Jahre 1971. Die Amerikaner starten ihre erste Mission zum Mond: das Raumschiff „Stardust“. Kommandant des Unternehmens ist Perry Rhodan. Auf dem Mond finden die Astronauten ein fremdes Schiff, riesig und beschädigt. Zwei wie Menschen aussehende Gestalten entsteigen dem fremden Schiff: ein älterer Herr namens Crest und eine junge weißblonde Lady, ein echter Hingucker, namens Thora. Beide kommen vom Planeten Arkon, 36000 Lichtjahre von der Erde entfernt. 1971 sind die Völker der Erde in zwei Lager gespalten. Da ist der kapitalistische, aber demokratische Westen unter Führung der USA, und da ist auf der anderen Seite die kommunistische Diktatur unter der Leitung von...China, nicht die UdSSR. Die asiatischen Staaten haben sich China zur sogenannten Asiatischen Föderation unterworfen.
Die „Dritte Macht“ einigt die Menschheit
Perry Rhodan und seine Crew kehren mit Crest und Thora zur Erde zurück, landen aber in der Wüste Gobi. Mit Hilfe der überlegenen Technik der beiden Arkoniden gründen die abtrünnigen Raumfahrer als Gegengewicht zu den beiden politischen Blöcken die „Dritte Macht“. Hilfe leisten dabei nicht nur die beiden Außerirdischen, sondern auch Menschen mit besonderen parapsychischen Fähigkeiten, sogenannte Mutanten. Durch die Strahlung der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki wurden deren Gene verändert. Einmal auf diese Außenseiter aufmerksam geworden, sucht Perry Rhodan gezielt nach genveränderten Menschen, wie dem Afrikaner Ras Tschubai, der sich per Gedankenkraft von einem Ort zum Anderen bewegen kann. Die beiden Weltmächte haben dem nichts entgegenzusetzen und letzten Endes werden die Nationalstaaten zu Gunsten einer Weltregierung aufgelöst. Perry Rhodan rückt an die Spitze, als erster Administrator.
Der Erfolg erstaunt alle Beteiligte
Mit Band 49 endete der erste Handlungszyklus. Die Menschheit war vereinigt, und sie wagte sich mit Hilfe arkonidischer Technik hinaus in die Weiten des Weltalls. Dort lernte der Leser noch viele interessante Charaktere kennen. Auf einem obskuren Planetoiden namens Wanderer trafen die Menschen auf ein legendäres Überwesen, das nur ES genannt wurde. Perry Rhodan und seine Getreuen bekamen hier eine Zelldusche verabreicht, die den Alterungsprozess für circa 60 Jahre stoppte. Auf einen Planeten namens Tramp trafen die Menschen auf die Ilts, im Schnitt etwa einen Meter groß, halb Maus, halb Biber, aber alle Vertreter dieser Art wiesen parapsychische Fähigkeiten. Eins dieser Wesen schmuggelte sich an Bord des irdischen Raumschiffs und verblieb fortan in der Romanserie: Gucky. Erdacht vom Autor Clark Darlton, gehört Gucky noch heute zu den beliebtesten Charakteren der Serie. Die Resonanz auf diese Heftreihe überraschte alle Beteiligte. Mit vierzig, oder fünfzig Heften hatte man gerechnet, aber nun warteten die Leser gespannt auf den neuen Handlungsstrang. Und der Erfolg riss nicht ab. Aus fünfzig Bänden wurden hundert, zweihundert, irgendwann fünfhundert. Bis heute sind es etwas über zweitausendfünfhundert Bände.
Trotz gelegentlicher Krisen, so wurde die Serie von der 1968er Studentenbewegung als faschistisch und gewaltverherrlichend angeprangert, weitete die Serie ihr Angebot immer mehr aus. Es gab Gucky als Plüschtier, Romanzusammenfassungen in Buchform. Es gab Perry Rhodan als Hörspiel und 1967 erschien sogar ein Spielfilm; allerdings eine italienische Produktion, die mit den Romanen so gut wie gar nichts zu tun hatte. Eine Zeit lang gab es sogar eine Comicheftreihe: „Perry – Unser Mann im All“. Perry Rhodan erschien in den 1970er Jahren auch in den USA und musste wohl einige spätere Drehbuchautoren beeinflusst haben. Jeder Leser, der aus den Romanen das Halbrobotervolk der Posbis kannte, dürfte beim Anblick der Borg in „Star Strek“ eine Art Deja vu erlebt haben. Es beweist, dass der Einfluss dieser Heftromanserie auf das SciFi-Genre im Allgemeinen nicht zu unterschätzen ist.
Quelle: Perry Rhodan – Die Chronik/ Band 1: 1961-1974 von Michael Nagula/Hannibal Verlag 2011/ ISBN 978-3-85445-326-0
