
- Eine Ok1 in Wolsztyn - Harald Rossa
Zum Bestand des Betriebswerkes Wolsztyn der Polnischen Staatsbahnen (PKP) gehören noch 2 Personenzugdampflokomotiven der Baureihe Ok1. Dabei handelt es sich um die weithin bekannte Lokomotive der Baureihe P8 der Preußischen Staatabahnen bzw. BR 38 der Deutschen Reichsbahn.
Die Herkunft der Ok1 der Polnischen Staatsbahnen
Vor dem Ersten Weltkrieg wurden etwa 2350 Exemplare der preußischen P8 gebaut. 3.561 Maschinen dieser Baureihe entstanden in den Jahren zwischen 1906 und 1923 in 13 verschiedenen deutschen Lokomotivfabriken. Außerdem wurden in Rumänien noch knapp 400 Exemplare nachgebaut. Damit ist die P8 die weltweit meist gebaute Dampflokomotive für den Personenzugdienst.
190 Exemplare der P8 gingen nach dem Ersten Weltkrieg an die neu entstandenen Polnischen Staatsbahnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich der Bestand der PKP auf 429 Maschinen dieses Typs. Sie waren unter der Baureihenbezeichnung Ok1 bei der PKP die verbreitetste Lokomotive und viele Jahre das Rückgrat der Personenbeförderung auf zahlreichen Nebenstrecken. Bis in die 1980er Jahre war sie im täglichen Einsatz. Heute ist noch ein Exemplar betriebsfähig vorhanden.
Die Ok1–359
Die Lok Ok1-359 wurde 1917 von den Schwartzkopf-Werken in Berlin gebaut und trägt die Herstellernummer 6388. Sie ist gegenwärtig die älteste betriebsbereite Maschine im Bestand des Betriebswerkes Wolsztyn. Ihre Betriebsnummer der Deutschen Reichsbahn war 38 2155.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb die Lokomotive in Polen und wurde von der Polnischen Staatsbahn übernommen. Zunächst war sie in Torun (Thorn) stationiert, später in Gniezno (Gnesen), Poznan (Posen) und Miedzyrzecz (Meseritz). Seit März 1989 gehört die Maschine zum Bestand des Betriebswerkes Wolsztyn. Heute kommt die Ok1-359 vor allem im Sommer vor Plan- und Sonderzügen zum Einsatz.
Die Ok1-322
Es gibt in Wolsztyn noch ein zweites Exemplar dieser Baureihe mit der polnischen Betriebsnummer Ok1-322. Sie trägt die Fabriknummer 2269 und wurde 1921 bei den Linke-Hofmann Werken in Breslau gebaut. Diese Lok ist derzeit nicht betriebsfähig.
Modelle der Ok1
Fleischmann bot 2004 von der Ok1-322 ein Modell in Spurweite N unter der Katalognummer 984168PL an. Es wurde aber nicht produziert.
Die Merkmale der Ok1
Die Ok1 ist eine typische Personenzuglokomotive mit drei Treibachsen. Ihr Kesselüberdruck erreicht 12 bar. Sie schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h in Vorwärtsfahrt. Die Höchstgeschwindigkeit rückwärts ist, abhängig vom angehängten Tender, meist deutlich niedriger.
- Achsfolge: 2’C h2
- Spurweite: 1.435 Millimeter
- Zylinderdurchmesser: 575 Millimeter
- Kolbenhub: 630 Millimeter
- Treibraddurchmesser: 1.750 Millimeter
- Laufraddurchmesser vorn: 1.000 Millimeter
- Gesamtachsstand: 5.665 Millimeter
- Länge über Puffer: 18.590 Millimeter mit Tender 22D2 der PKP
- Höhe: 4.550 Millimeter
- Kesselüberdruck: 12 Bar
- Rostfläche: 2,64 Quadratmeter
- Verdampferheizfläche: 143,25 Quadratmeter
- Überhitzerfläche: 58,90 Quadratmeter
- max. Achsdruck: 17,7 Tonnen
- Leergewicht: 94,7 Tonnen
- Dienstgewicht mit Tender: 129,7 Tonnen
- Indizierte Leistung: 886 Kilowatt
- Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h vorwärts, 50 km/h rückwärts
Der Tender 22D2
- Raddurchmesser:1.000 Millimeter
- Wasservorrat: 21,5 Kubikmeter
- Kohlevorrat: 7,0 Tonnen
- Leergewicht: 23,0 Tonnen
- Dienstgewicht: 51,5 Tonnen
Mehr zum Thema: Karl Julius Harder: Die P8. Entstehung und Geschichte einer europäischen Dampflokomotive. Franckhsche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1974, ISBN 3-440-04116-6
