Perspektiven künstlicher Intelligenz – Rezension

Sind wir so schlau, wie wir denken? von Bas Haring

Bas Haring, Sind wir so schlau..., Detail  - Ullstein Verlag, ISBN-10: 3-548-36849-2
Bas Haring, Sind wir so schlau..., Detail - Ullstein Verlag, ISBN-10: 3-548-36849-2
Der holländische Autor thematisiert den Wettstreit zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz. Verständlich erklärt er, ob Roboter wirklich denken können.

Bas Haring arbeitet an der Universität Leiden. Er promovierte in Utrecht über künstliche Intelligenz. Der wissenschaftliche Experte hinterfragt in seinem Buch, ob wirklich die Menschen so einzigartig Bewusstsein, Emotionen und eigenen Willen entwickeln, wie bislang behauptet. In spannenden Exkursionen vergleicht er Kapazitäten bei Mensch, Tier und Computer. Erklärt, wozu Roboter in der Lage sind. Und was sich vermutlich zukünftig noch alles ergeben kann.

Mit gesundem Menschenverstand Möglichkeiten begreifen

In seinem Vorwort klärt der Autor, das hier kein Buch voll technischer Einzelheiten entstand. Sein Ansatz sei es, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. So geht es ihm bei seinen Kapiteln rund um die Möglichkeiten künstlichen Denkens nicht um Genauigkeit bis ins Detail. Er möchte Grundzüge von Ideen verdeutlichen, mehr nicht.

So schildert er, was ein Computer im Verhältnis zum Gehirn leisten kann. Ob intelligentes Denken auf künstlicher Basis überhaupt möglich ist. Und wie wahrscheinlich es wäre, das ein Roboter Angst vor dem Tod hat. Spannende Fragen, in verständlicher Sprachform beantwortet.

Etwa 1300 Gramm denkendes Fleisch - das Gehirn des Menschen

Bas Haring beschreibt das menschliche Gehirn als eine Art Blumenkohl mit zehn Milliarden Gehirnzellen. Jede einzelne Zelle davon weiß nicht, was sie tut. Sie tun nur einfach etwas. Doch nicht wie eine perfekte Fabrik. Eher spontan funktionieren Gehirnzellen miteinander wie ein Haufen kopfloser Hühner.

Man kann sich vorstellen, das menschliches Denken auf millionenfache Reaktionen durch Versuch und Irrtum entsteht. Gehirnzellen lernen in großen Gruppen, als Basis dient ein relativ einfaches Reiz-Reaktions-System. Gehirnströme fließen durch den Kopf wie elektrische Leitungen. Ein Computer ist im Aufbau das Gegenteil. Ein straff geführtes Rechenwerk, rasend schnell und klar strukturiert.

Je komplizierter die Lösung, um so höher die Intelligenz

Intelligenztests stecken voll schwieriger Aufgaben. Logisches Folgern wird immer verlangt. Kann ein Affe eine Kiste unter ein Bündel Bananen schieben, aufsteigen und sich die begehrten Früchte angeln, gilt er auch als intelligent. Auch Computer können solche Aufgaben lösen. Sie tun es durch das Abspulen einer mechanischen Prozedur. Sie klappern einfach sämtliche Möglichkeiten ab, bis die richtige Lösung greift.

Im Prinzip kommt es immer auf das Ergebnis an. Nicht auf den Lösungsweg. Unter diesen Maßgaben ist auch ein Computer intelligent. Doch es klappt nicht in jedem Fall. Sagt ein Lügner, das er lügt, würde das ein Computer nicht begreifen. Er sagt, er lügt, also sagt er die Wahrheit. Doch er ist ein Lügner. Das würde ihn heißlaufen und im Kreis drehen lassen. Ohne Lösung. Der Mensch dagegen zuckt die Schulter. Solche Banalitäten sind ihm egal.

Menschen lernen, Tiere lernen, Computer auch

Ein Computerprogramm kann eine menschliche Gehirnzelle leicht imitieren. Auch mehrere hundert Zellen als Netzwerk nachahmend sind machbar. Doch zehn Milliarden Gehirnzellen, das leistet er nicht. Mit einfachen Systemen können Programme lernen. Auf der Ja-Nein Basis wird einem Software-Programm etwas beigebracht.

So kann Software sogar klüger werden als seine Programmierer. Schachprogramme haben das längst bewiesen. Maschinen können logisch folgern und sind somit in gewissem Sinn intelligent. Doch ob sie denken können, hängt davon ab, wie man das Denken als Vorgang begreift. Denken als reden mit sich selbst, ohne die Lippen zu bewegen. So tun, als ob etwas geschieht. Das leistet der Computer nicht. Er folgert, indem er emsig rechnet.

Roboter können auf Todesangst programmiert sein

Es gibt mechanische Emotionen, da mechanisches Folgern möglich ist. Nur ist es ein maschineller Wille, keine menschliche Emotion. Ob Emotionen durch die Evolution oder einen Programmierer eingeben werden, spielt keine Rolle. Sie finden einfach statt, wenn sie vorgegeben sind.

Auch menschliche Emotionen gleichen in gewisser Weise den Reaktionen eines Roboters und umgekehrt. Sie sind real. Angst ist nicht rational. Sie ist irrational und trotzdem im menschlichen Reiz-Reaktions-System fest installiert. Sie hat eine evolutionär bedingte Schutzfunktion. Hat man keine Angst vor dem Tod, stirbt man schneller. Die Vorsicht fehlt. Programmierte Angst dient auch im Roboter als funktional erhaltend. Doch können Menschen sich in diese Angst nicht einfühlen. Da sie nur funktioniert.

Bas Haring erklärt recht präzise die Unterschiede von menschlicher und künstlicher Intelligenz. Und die sind wesentlich geringer, als man vermutet. Ein spannendes Buch, locker und mit viel Humor geschrieben. Es lohnt sich zu lesen, da viele Erkenntnisse des Autors wirklich verblüffend sind.

Bas Haring, SIND WIR SO SCHLAU WIE WIR DENKEN?Der Wettstreit zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz, 2006, Berlin, Ullstein Verlag, 175 Seiten, 7,95 Euro

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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