
- Was ist mit der Pressefreiheit in Peru? - Rainer Sturm / pixelio.de
Am 5. Juni wählt Peru in einer Stichwahl seinen neuen Präsidenten. Dass die beiden extremen Kandidaten – Linksnationalist und Ex-Militär Ollanta Humala sowie die rechtskonservative Präsidententochter Keiko Fujimori – das Land polarisieren, ist keine Neuigkeit. Doch nun sorgt die Entlassung zweier Journalisten des Nachrichtenkanals »Canal N« für Schlagzeilen und wirft ein unangenehmes Licht auf die peruanische Presselandschaft.
Zu neutral: Journalisten wollten Fujimori nicht unterstützen
Patricia Montero und José Jara wurden am 20. April 2011 entlassen – von Seiten des Senders »Canal N« ohne Angabe von Gründen, nachdem sie seit Jahren für den Nachrichtenkanal tätig gewesen waren. Doch schon am nächsten Tag äußern sich Montero und Jara zu den Motiven des Senders, der zur Verlagsgruppe »El Comercio« gehört. José Jara sagte gegenüber dem spanischen Nachrichtenportal elmundo.es, sie seien gekündigt worden, »weil wir nicht der Linie folgten, Fujimori zu unterstützen und Humala anzugreifen«. Patricia Montero bestätigt: »Es gab keine schriftliche Anordnung, aber es gab Andeutungen und Druck, einer fujimori-freundlichen Linie zu folgen.« Die beiden Journalisten erklärten, sie seien nicht bereit, einen der beiden Kandidaten zu unterstützen. »Wir machten Journalismus«, sagt Montero. »Wir stellten die Vorschläge beider Kandidaten vor, das Gute und das Schlechte.« Aber der Kanal »fujimorisiere« sich, erklärte Jara. Den beiden Journalisten soll vorgeworfen worden sein, dass sie Ollanta Humala als »zu menschlich« darstellen und somit zu seinem Erfolg im ersten Wahlgang beigetragen hätten.
»Canal N« stand für unabhängige Informationen während Alberto Fujimoris Regierung
Besonders brisant an dieser Episode ist die Tatsache, dass »Canal N« während der Regierung von Keikos Vater, Alberto Fujimori, gegründet wurde. Der Sender sei ein »Fenster der Freiheit« unter Fujimoris Autokratie gewesen, die damals die Presselandschaft kontrollierte, formulierte die Nachrichtensprecherin Rosa María Palacios vom Kanal »Prensa Libre«, die ihre Sendung mit einer Hommage an Patricia Montero begann. Montero arbeitete bei »Canal N« seit seiner Gründung.
Gemeinsam mit ihren Kollegen habe sie in jener Zeit den Peruanern den Zugang zu unabhängigen Informationen garantiert. Es war »Canal N«, der im Jahr 2000 das erste »Vladivideo« zeigte – ein Video, in dem Fujimoris Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos dabei gezeigt wurde, wie er einem Oppositionsangehörigen Schmiergeld zahlte. Der Skandal um die »Vladivideos« spielte eine maßgebliche Rolle im anschließenden Sturz Alberto Fujimoris.
Verlagsgruppe »El Comercio« soll Fujimori-freundliche Linie fahren
Glaubt man Montero und Jara, so ist von den Bemühungen um unabhängigen Journalismus im Zeichen der Objektivität und Meinungsfreiheit wenig übrig bei »Canal N«. Der Sender solle auf eine Linie mit den anderen Medien der »El Comercio«-Gruppe gebracht werden, sagten sie. Außer »Canal N« gehören dazu noch der Fernsehsender »América TV« sowie die Zeitungen »El Comercio«, »Perú 21« und »El Trome«. »El Comercio« gehört zu den ältesten Tageszeitungen in Peru und ist bekanntermaßen eher rechtskonservativ orientiert. Dass sich die Seite des Mediums in Orange präsentiert, der Wahlkampffarbe von Keiko Fujimori, dürfte nun für Polemik sorgen. Auf dieser Seite findet man jedenfalls keine Stellungnahme der Verlagsgruppe zu den Vorwürfen von Montero und Jara – man hüllt sich in Schweigen.
Keiko Fujimori dementiert Beteiligung
Keiko Fujimori hingegen hat reagiert und dementiert, dass sie mit der Kündigung der beiden Journalisten etwas zu tun habe. Sie werde es nicht dulden, dass der Fujimorismus mit der Beschneidung der Pressefreiheit in Verbindung gebracht werde, sagte sie gegenüber der Tageszeitung »Correo«.
Das peruanische Institut für Presse und Gesellschaft (IPYS) sprach sich in einer Pressemitteilung gegen die Entlassungen von Montero und Jara aus. »Diese Maßnahmen sind politisch motiviert«, heißt es darin. IPYS ist eine zivile Organisation, die sich für Pressefreiheit, Zugang zu Informationen und investigativen Journalismus in Lateinamerika einsetzt.
Quellen: La República, peruanische Tageszeitung, tvoperu.com, peruanisches Nachrichtenportal, elmundo.es, spanisches Nachrichtenportal
Bildnachweis: Rainer Sturm, pixelio.de
