Peru: Ollanta Humala ist neuer Präsident

Humala gewinnt in Peru  - Sabrina Železný
Humala gewinnt in Peru - Sabrina Železný
In den Stichwahlen am 05. Juni 2011 setzte sich Ex-Militär Humala gegen Mitbewerberin Keiko Fujimori durch.

Es war kein schöner Wahlkampf in den vergangenen Wochen in Peru. Die beiden Präsidentschaftskandidaten Keiko Fujimori und Ollanta Humala polarisierten – und spalteten das Land. Humalas Gegner setzten ihn für seine linken Tendenzen in Beziehung mit Venezuelas Präsident Hugo Chávez und malten das Schreckgespenst eines kommunistischen Regimes an die Wand.

Fujimoris Gegner hingegen erinnerten an die Regierung von Keikos Vater, Alberto Fujimori, der wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption im Gefängnis sitzt. Im Wahlkampf hatte Keiko damit geworben, ihren Vater begnadigen zu wollen, obwohl sie das in der letzten, heißen Phase dementierte.

Der Wahlkampf verlief somit höchst personen- anstatt inhaltsbezogen. Die verschiedenen Medien Perus positionierten sich mehr oder weniger deutlich – die eher linksgerichtete Tageszeitung »La República« für Humala, die eher konservative »El Comercio«-Gruppe für Fujimori. Für Schlagzeilen sorgte die Entlassung mehrerer Journalisten, die sich einer einseitigen Berichterstattung zugunsten Keikos verweigerten.

Mario Vargas Llosa unterstützte Ollanta Humala

Auch peruanische Prominente bezogen Stellung. Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa hatte sich schon zuvor als erbitterter Gegner Fujimoris gezeigt. Dass er zur Wahl von Ollanta Humala aufrief, obwohl er allem politisch Linken eher ablehnend gegenüber steht, gab vielen zu denken. Vargas Llosa ging sogar so weit, seine Kolumne in »El Comercio« einzustellen – seit dem 5. Juni schreibt er nun für »La República«.

Humala setzt sich nur knapp gegen Fujimori durch

Das Ergebnis ist am Ende sehr knapp ausgefallen. Nach Auszählung von gut 93 % der Stimmen liegt Humala bei rund 52 %, Fujimori bei etwa 48 %. Keiko Fujimori hat ihre Niederlage bereits öffentlich eingestanden und Humala zu seinem Wahlsieg gratuliert, ebenso wie verschiedene Staatsoberhäupter Lateinamerikas. Die öffentliche Gratulation von Hugo Chávez sorgt für Polemik unter jenen, die einen zu engen Schulterschluss Humalas mit dem venezolanischen Populisten sehen – obwohl Humala in diesem Wahlkampf versuchte, sich von Chávez zu distanzieren und seine politische Linie eher mit der von Lula aus Brasilien verglich.

Erinnerung besiegt Furcht – Keine zweite Fujimori-Regierung in Peru

»Die Erinnerung hat über die Furcht gesiegt«, titelte die spanische Tageszeitung »El País«. Mit der Erinnerung ist jene an Alberto Fujimori gemeint. In den letzten Wochen vor der Wahl war in Peru immer wieder ein Satz zu hören: »An Ollanta können wir zweifeln – aber gegen Keiko haben wir Beweise.« Mit Humalas Sieg haben sich somit jene durchgesetzt, die vor einer Wiederholung der Vergangenheit warnten. Das im April 2009 gegen Alberto Fujimori gefällte Urteil war ein wichtiges Signal auch in Bezug auf Unabhängigkeit und Integrität der peruanischen Justiz – Keikos Niederlage bedeutet, dass dieses Signal nicht im Nachhinein ad absurdum geführt wird.

Ollanta Humala ist nicht unproblematisch

Gleichwohl wird Ollanta Humala nun von vielen misstrauisch beäugt. Er hatte im Wahlkampf von einer Verfassungsreform gesprochen, die auch das Aussetzen der aktuellen Verfassung bedeuten könnte und somit viele alarmiert. Sein stark nationalistischer Diskurs könnte die ohnehin angespannten Beziehungen zum Nachbarland Chile zusätzlich belasten, und auch die Tatsache, dass er einst als Militär in einen Putschversuch verwickelt war und seine Familie für faschistische Aussagen bekannt ist, machen ihn zu keinem ganz einfachen Kandidaten.

Humala versprach in einer Rede am 6. Juni jedenfalls »eine Regierung der Hoffnung und des Wandels«, die sich der Armen annehmen wolle. Er habe keine Verpflichtung gegenüber irgendwelchen wirtschaftlichen Akteuren, sagte er. »Ihr habt mich gewählt, ihr seid meine Vorgesetzten, und euch bin ich Rechenschaft schuldig. Meine einzige Verpflichtung besteht gegenüber dem peruanischen Volk.«

Die Vereidigung Humalas wird am 28. Juli 2011 stattfinden, dem Nationalfeiertag Perus, an dem der Unabhängigkeit des Andenstaates gedacht wird.

Sabrina Zelezny, Sabrina Zelezny

Sabrina Železný - " ... volando vengo, volando voy deprisa, deprisa al rumbo perdido ..." (Manu Chao) Ich wurde 1986 geboren und schreibe, seit ich ...

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