
- Ciro Castillo verschwand beim Wandern im Colca-Tal - Sabrina Železný
An den Zeitungskiosken der südperuanischen Stadt Arequipa beherrschte an diesem 23. August 2011 ein Gesicht die Titelseiten. Kein Politiker und keine Sängerin, sondern die 24jährige Studentin Rosario Ponce aus Lima – die in den vergangenen Monaten zu trauriger Berühmtheit gelangte. Im April verirrten sie und ihr Freund Ciro Castillo sich beim Wandern im nahe Arequipa gelegenen Colca-Tal. Rosario wurde gefunden, von Ciro fehlt jede Spur – und das Mädchen verweigert die Mithilfe.
Bewohner von Arequipa empfangen Rosario Ponce und fordern die Wahrheit
Am Vortag war Rosario Ponce in Arequipa angekommen. Bereits am Flughafen empfingen sie Einheimische mit empörten Rufen: »Rosario, sag die Wahrheit« - »Wo ist Ciro?« Über einen Zeitraum von sieben Stunden wurde sie zu den Geschehnissen im April diesen Jahres befragt. Dass sie dabei mehrmals in Tränen ausbrach, machen Klatschblätter wie »Ojo« zum Titelthema. Ob die junge Frau zur Rekonstruktion des Tathergangs mit ins Colca-Tal kommen würde, war bis zuletzt fraglich.
Den Morgen und Vormittag dieses Tages verbrachte sie dann doch im Colca-Tal. Wie »La República« berichtet, waren gut sechzig Personen in dem Team, das den Weg des jungen Paares rekonstruieren sollte, darunter nicht nur Rosario Ponces Anwalt und ihre Mutter, sondern auch Familienangehörige von Ciro Castillo, Journalisten, Bergsteiger und Rettungskräfte sowie zum Schutz Rosarios abbestellte Polizisten.
Rosario Ponce im Colca-Tal: Versuch einer Rekonstruktion
Der Aufbrauch erfolgte um vier Uhr früh aus dem Dorf Madrigal. Acht Stunden später, schreibt »La República«, gab Rosario Ponce bekannt, den Weg nicht weiter fortsetzen zu wollen, da sowohl ihre Mutter als auch ihr Anwalt unter dem Einfluss der Höhe litten. Der Weg von Arequipa (2.300 Meter Höhe) über den Pass Patapampa (4.750 Meter) nach Madrigal (3.200 Meter) ist durchaus geeignet, auch bei Einheimischen für körperliche Beschwerden und die berüchtigte Höhenkrankheit zu sorgen.
Rosarios Abbruch der Rekonstruktion – Farce oder Notwendigkeit?
Doch vielen gilt Rosario Ponces Abbruch der Rekonstruktion als Farce - zumal bekannt war, dass Ponce bereits einen Rückflug nach Lima für den Abend des 23. Augusts gebucht hatte. Dr. Ciro Castillo, der Vater des Verschwundenen, fühlt sich »La República« zufolge »verspottet«. Bereits während des Aufstiegs in Richtung des Berges Bomboya warf er Rosario Ponce vor, die Aktion mutwillig zu verzögern, indem sie wie auf einem touristischen Ausflug immer wieder anhielt und Fotos machte, berichtet das Blatt »Correo«.
Rosario Ponce wurde am 14. April von den Rettungskräften gefunden, die seit über einer Woche nach ihr und ihrem Freund Ciro Castillo suchten. Ihre widersprüchlichen und vagen Aussagen gegenüber der Polizei machten sie im Fall des Vermissten schnell zu einer Verdächtigen. Ihre standhafte Weigerung, ins Colca-Tal zurückzukehren, brachte ihr das Misstrauen der Bevölkerung ein. Mit wem auch immer man in Arequipa und im Colca-Tal selbst das Thema Ciro anspricht, der Tenor ist stets gleich. »Rosario weiß etwas.«
Widersprüche und Zweifel
Mit ihrem vorzeitigen Abbruch an der versuchten Rekonstruktion hat die junge Frau nun wieder Öl ins Feuer gegossen. Zudem hat sie sich währenddessen wohl in weitere Widersprüche verwickelt, berichtet das Magazin »Trome«. So existiert ein Foto von Rosario und Ciro, das in der Ruine Chimpa aufgenommen wurde. Rosario Ponce bestreitet, dass eine dritte Person das Foto gemacht habe, konnte aber heute auch nicht mehr nachvollziehen, wo sie die Kamera hingestellt und den Selbstauslöser betätigt hatte. »Wie soll ich mich erinnern, auf welchen Stein ich die Kamera gestellt habe? Ich erinnere mich nicht – verlangt das nicht von mir. Sind doch alles Steine«, soll sie auf die Nachfrage gesagt haben.
Bewohner des Colca-Tals wollten Rosarios Abreise verhindern
Die Bewohner des Colca-Tals solidarisierten sich mit der Familie Ciro Castillos und blockierten am Nachmittag zeitweise den Ausgang des Tals, um eine Abreise Rosario Ponces zu verhindern. Die Studentin verließ das Tal zwar trotzdem, aber einem Bericht von »La República« zufolgte dürfen die Bewohner zumindest ein wenig an ausgleichende Gerechtigkeit glauben: Aufgrund eines Motorschadens kam Rosario Ponces Bus nicht rechtzeitig in Arequipa an – sie verpasste ihren Rückflug nach Lima am gleichen Abend.
Quellen: »La República« (Artikel: »Rosario Ponce abandonó el Colca«, »Arequipa: pobladores de Chivay se agrupan para impedir salida de Rosario Ponce«), »Correo«, »Trome«
