Peter Alexander, der etwas andere Nachruf zu seinem Tod

Die Zeichen des Fernsehzeitalters im "Showbusiness" haben sich geändert. Peter Alexander das letzte "Allroundtalent" des deutschen Fernsehens.

Ein Schauspieler, Sänger, Musiker und Showmaster hat viele von den heute 40-Jährigen durch Nachmittag- und Abendprogramme begleitet.

Peter Alexander, ein Entertainer der alten Schule.

Ein qualifizierter und disziplinierter, in seinem Beruf vollständig aufgegangener Mensch ist gegangen. Ein Österreicher, der übers deutsche, schweizerische und natürlich österreichische Fernsehen in den 50er bis 90er Jahren eine bunte, schöne, lausbubenhafte, charmante und heile Welt ins Wohnzimmer brachte.

Hier war ein Mensch der, wie heute Thomas Gottschalk, die Menschen noch vor den Fernsehgeräten bannen konnte. Gerade die einfache Perfektion, die Flexibilität, die Vielfältigkeit und natürlich die Sympathie an sich, die man Peter Alexander entgegen brachte, lockten die Zuschauer vor den Fernseher.

Die neuen Showmaster

Das TV-Bild hat sich gewissermaßen, was die Unterhaltungsshows des Abends angeht, sehr gewandelt. Heute wird Leichtigkeit in der Volksmusik präsentiert, Spannung ist bei Stefan Raab angesagt, Sarkasmus bei Harald Schmidt (der übrigens auch in einer Peter Alexander Show einen Auftritt hatte), für Nervenkitzel im Wissensbereich sorgt Günther Jauch und für sportliche, ideenreiche, wechselnde Sofagäste sorgt einfallsreich Thomas Gottschalk. Ja, das alles ist TV-Unterhaltung, aber es steckt der harte Kern des Einschaltquotenkrieges dahinter.

Was macht eine Unterhaltungssendung heute aus

Was die harte „Qual“ der Programmauswahl angeht. Der war Peter Alexander (natürlich auch aufgrund der etwas geringeren Programmauswahl) nicht ausgesetzt. Und doch gelten bis heute nur vier Sender als „Garanten“ für abendfüllende Shows: PRO 7, RTL, ZDF, ARD. Günther Jauch besticht durch Sachlichkeit, Intelligenz und Charme. Er erreicht zumindest bei „Wer wird Millionär“ fast jedes Alter. Stefan Raab beweist mit sportlichem Können, sehr gutem Allgemeinwissen, charmanter Frechheit und viel Mut neue Projekte anzustreben und auch durchzuführen großen Unternehmensgeist, zieht jedoch mehr das jüngere Publikum an, zum Beispiel in „Schlag den Raab“. Thomas Gottschalk ist ein Bäumchen-Wechsel-Dich, erscheint jedes Mal sympathischer, sorgt für Unterhaltung, moderiert schwungvoll mit Seitenstichen versehen „Wetten Dass ..?“, zieht magnetisch jedes Alter vor das Fernsehgerät, wenn es um „die“ Samstagabendshow geht. Jörg Pilawa ist nett, professionell und erobert langsam, jedoch sicher immer mehr Zuschauer. Florian Silbereisen kam vor Jahren als junger neuer Moderator für „Die Feste der Volksmusik“ ins Fernsehen. Auch er kann, wie die oben genannten, nicht an den tatsächlich einzigartigen Peter Alexander heranreichen. Jedem der heutigen durchaus ebenfalls talentierten Showmaster/Moderatoren fehlen mehrere „Quäntchen“, um sich als Kosmopolit präsentieren zu können. Talente, die jedes Publikumsalter mehr als 2 Stunden vor den Fernseher locken, ohne Zappen davor „halten“ können, werden immer rarer.

Wie sieht die einladende Familienshow Samstagabends heute aus

Es sind wohl mehr einzelne auf spezielle Themen ausgerichtete Showmaster die das Heutige Fernsehbild bestimmen. Der immer rasanter werdende und ins „Dümmling“-Milieu herabsetzende „nationale Wettkampf“ erfüllt die Ansprüche, die das Publikum möglicherweise eigentlich hegt, schon lange nicht mehr. Peter Alexander war zu seiner Zeit in der Sparte der Unterhaltungsshow und der leichten / seichten Heimatfilme, unerreichbar, ein „Außerirdischer“, der keine Rebellion, wie sie heute bekannt ist, kannte, der als er den Wandel des Fernsehzeitalters kommen sah, abdankte. Gerade deshalb ist er für viele Menschen bis heute ein gern gesehener Schauspieler. Anders kann man Peter Alexander fast nicht beschreiben, denn in seinen Filmen und für sein Publikum schauspielerte er sich mit einer Freude durchs Leben, sodass man manchmal vergaß: Das ist ein Mensch,( wie unsere heutigen Familienmoderatoren / Showmaster natürlich auch, nur halt anders) der hart dafür gearbeitet hat, um sich dem Publikum in all seiner Vielfältigkeit präsentieren zu können.

Ein letzter „Gruß“

Peter Alexander war nicht nur selber eine Größe sondern er trat auch mit vielen Größen auf, unter anderem war er „Wegbereiter“ für die deutsche Muppet-Show, konnte Schauspielgrößen, wie kein anderer parodieren (einer der sich eventuell noch an ihn und die damit verbundene Parodie erinnert müsste Johannes Heesters sein). Viele verschiedene in Europa lebende Sänger, Schauspieler, Moderatoren hatten eine oder mehrere Begegnungen mit Peter Alexander, die sie genossen haben, weil eine andere Art der TV-Menschlichkeit auf sie einströmte, ein Fluss der heute fast vollständig versiegt ist. Peter Alexander: „Hier ist ein Mensch, öffne die Tür…“ Jetzt wurde sie geöffnet. Chapeau!